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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Anis - Anjou.

ein kleiner Ring oder einzelne Teile derselben vorhanden sind, oder es fehlt die Regenbogenhaut total, und es erscheint dann der Grund des Auges dunkelbraun oder rötlich. Das Sehen ist bei diesem Zustand nicht bedeutend beeinträchtigt, und namentlich ist (in neuester Zeit durch v. Gräfe auch für den erworbenen Irisverlust, nachdem bei einer Operation die ganze Iris sich vom Strahlenband losgelöst hatte) die Beobachtung gemacht worden, daß das Akkommodationsvermögen (s. d.) nicht darunter leidet. Die betreffenden Personen sind nur gewöhnlich etwas kurzsichtig und lichtscheu und sehen in der Dämmerung besser; zuweilen ist Schwachsichtigkeit damit verbunden, je nachdem noch andre Bildungsfehler dabei obwalten. Die A. ist ein angeborner Bildungsfehler und soll sich forterben. Sie läßt keine weitere Behandlung zu als die mit blau gefärbten Schutzbrillen, welche das ganze Auge umschließen und so die blendenden Lichtstrahlen ablenken.

Anis (Pimpinella Anisum L.), einjährige Pflanze aus der Familie der Umbelliferen, mit ästigem, 30-50 cm hohem, rundlichem, graugrünem Stengel, herzförmig rundlichen, eingeschnitten gesägten Grundblättern, doppelt dreizähligen Stengelblättern, hüllenlosen, meist zwölfstrahligen, weißblütigen Dolden und breit eiförmigen, grauhaarigen, 3 mm langen Früchten. Einheimisch ist der A. ursprünglich in Syrien und Ägypten, wird aber in Thüringen, Franken, Sachsen, Schwaben, Böhmen und Mähren, außerdem in Polen, Rußland, im südlichen Frankreich, in Spanien, Unteritalien und in der Levante als Feldfrucht gebaut. Der A. von Malta und aus Süditalien (beide unter dem Namen Puglieser) wird wegen seiner Größe besonders zum Verzuckern benutzt; der spanische ist sehr kräftig, der italienische sehr süß und dient daher, wie der französische, zur Likörfabrikation. Der russische ist sehr aromatisch und wird besonders auf Anisöl verarbeitet. Außerdem benutzt man A. als Küchengewürz, zu Backwerk, selten in der Medizin. Er verlangt einen lockern, mäßig trocknen Boden, eine sonnenreiche, geschützte Lage und wird in Kleestoppeln oder nach Hackfrüchten gebaut. Man säet vorteilhaft dreijährigen Samen, weil frische Körner den Verheerungen der Anismotte ausgesetzt sind, deren Eier erst im dritten Jahr absterben. Man säet ihn entweder breitwürfig (12-16 kg auf 1 Hektar) oder in Reihen, entweder für sich allein oder, da A. oft mißrät, mit Möhren vermischt. Den in 3-6 Wochen aufkeimenden Pflänzchen ist Kälte schädlich; später, wenn sich die Blätter ausgebildet haben, schaden ihnen Nachtfröste nicht mehr. Alles Unkraut ist sorgfältig auszujäten, auch muß der Boden sofort nach dem Aufgehen des Samens sowie später gelockert werden. Man erntet, wenn die Stengel anfangen, gelb zu werden, und der Same an den mittlern Strahlen sich bräunt. Man rauft die Stengel gewöhnlich mit der Hand, doch kann man sie auch schneiden. Feinde des A. sind die Maden der Anismotte (Tinea anisella Clebaueri) und die sogen. rote Lohe oder das Rotwerden und Faulen der Körner bei anfangender Reife. Erscheint diese Krankheit, so eile man mit dem Ausraufen, um doch noch etwas zu retten. Der Ertrag pro Hektar ist unter günstigen Umständen 20-28 Ztr. (gewöhnlich aber nur 12-16 Ztr.) Körner und 20-30 Ztr. Stroh. Die Spreu, welche immer noch viele unvollkommene Körner enthält, dient zur Gewinnung des Anisöls (s. d.), das Stroh als Viehfutter, besonders als Häcksel für Pferde, oder zur Feuerung, da es eine starke Flamme gibt.

Anisette, ein aus Anis bereiteter französischer Likör.

Anisholz, das lichtgraue Holz des Sternanisbaums, zu Tischler- und Drechslerarbeiten geeignet.

Anisöl, das durch Destillation von Anissamen oder Anisspreu mit Wasser gewonnene ätherische Öl (Ausbeute etwa 2 Proz.), ist farblos oder hellgelb, riecht und schmeckt wie Anis, spez. Gew. 0,98-0,99, löst sich wenig in Wasser, leicht in Alkohol und Äther, erstarrt bei + 6 bis 10°, manchmal schon bei 15° (älteres weniger leicht) und schmilzt erst bei 17-18°. Es besteht aus festem und flüssigem Anethol C<sub>10</sub>H<sub>12</sub>O und dient zu Likören, in der Medizin als blähungtreibendes, die Milchabsonderung und Auswurf beförderndes Mittel, äußerlich gegen Ungeziefer und parasitische, auf der Haut wuchernde Pilze. Thüringen, Rußland, Spanien und Südfrankreich liefern das meiste A.

Anisometrisch (griech.), Gegensatz zu isometrisch, Bezeichnung für diejenige axonometrische Darstellung, bei welcher die drei Achsen verschieden lang sind, gleichbedeutend mit trimetrisch. S. Isometrische Projektion und Projektion.

Anisometrische Kristallsysteme, die auf drei ungleiche Achsen bezüglichen Systeme: das rhombische, monokline und trikline; s. Kristall.

Anisoplia, Getreidelaubkäfer.

Anisotrop, s. Doppelbrechung.

Anit, ägypt. Göttin, Begleiterin des Gottes Tum.

Anjalabund, ein Bund des schwed. Adels gegen König Gustav III., welcher 12. Aug. 1788 in dem Flecken Anjala in Finnland, nahe der russischen Grenze, geschlossen wurde. Die verbündeten Edelleute erließen eine Erklärung gegen den Krieg mit Rußland und forderten die Berufung eines Reichstags. Diese Erklärung fand 12,000 Unterschriften, sogar des Königs Bruder, Herzog Karl (später König Karl XIII.), trat dem Bund bei, der dadurch so großes Ansehen erlangte, daß Waffenstillstand mit Rußland geschlossen wurde. Sein Übermut führte aber zum Sturz des Adels, dessen Vorrechte der König, gestützt auf die drei andern Stände, auf dem 1789 zusammengetretenen Reichstag zu beseitigen vermochte. Die Anstifter des Bundes wurden ziemlich mild behandelt; nur einer büßte mit dem Kopf, einige wurden nach der Insel St.-Barthélemy deportiert, die meisten begnadigt. Vgl. Malmanen, Anjalaförbundet (Stockh. 1848); Brückner in der "Baltischen Monatsschrift" (1870).

Anjou (spr. angschu), ehemaliges Gouvernement im nordwestlichen Frankreich, auf beiden Seiten der untern Loire, wo diese die Maine aufnimmt, gelegen und von Maine, Bretagne, Poitou und Touraine umgeben, war 8975 qkm (163 QM.) groß mit etwa 400,000 Einw. und umfaßte das jetzige Departement Maine-et-Loire nebst Teilen der Departements Indre-et-Loire, Mayenne und Sarthe. Hauptstadt war Angers. A. (lat. Andegavum) wurde einst von den Andegaven bewohnt und von den Römern unterworfen. Später herrschten hier Grafen, deren Geschlecht 1060 erlosch. Besitztümer und Titel gingen durch eine Schwester des letzten männlichen Sprößlings an das Haus Gatinais über, dem Gottfried V., der Ahnherr der Plantagenets (s. d.), angehörte. Er hinterließ A. und die Normandie 1151 seinem ältern Sohn, Heinrich, der 1154 als Heinrich II. den Thron von England bestieg, wo seine Nachkommen bis 1485 regierten. A. ging schon 1204 unter Johann ohne Land mit der Normandie und fast allen britischen Besitzungen in Frankreich an Philipp II. August verloren. König Ludwig IX. belehnte damit seinen Bruder Johann und nach dessen frühzeitigem Tod 1246 seinen zweiten Bruder, Karl, Grafen von Provence, der später König von Neapel