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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Ankäos; Ankeimen; Anker

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Ankäos - Anker.

und Stammvater des ältern Hauses A. daselbst wurde. Seine Enkelin Margarete brachte die Grafschaft A. ihrem Gemahl Karl von Valois, dem Bruder Philipps IV. von Frankreich, zu, und dieser erhob sie 1297 zur Pairie. Margaretens und Karls Sohn ward 1328 als Philipp VI. König von Frankreich, wodurch die Linie Valois auf den französischen Thron gelangte und zugleich A. wieder mit der Krone vereinigt wurde. König Johann II. erhob es zu einem Herzogtum und gab es seinem zweiten Sohn, der als Ludwig I. 1382 König von Neapel und Stammvater des jüngern Hauses A. daselbst wurde. Das Herzogtum gehörte nun den Königen von Neapel, bis es nach dem Tod Renés II. (1480) von Ludwig XI. faktisch in Besitz genommen und für immer mit der französischen Krone vereinigt wurde. Seitdem führte gewöhnlich ein Prinz von Frankreich den Titel eines Herzogs von A., so Heinrich III. vor seiner Thronbesteigung, dann Philipp, zweiter Sohn des Dauphins, Enkel Ludwigs XIV., der 1701 als Philipp V. König von Spanien ward. Das Land hatte vor der Revolution sein eignes Recht und stand unter dem Parlament von Paris.

Ankäos, im griech. Mythus König der Leleger auf Samos, Sohn des Zeus oder Poseidon. Einst weissagte ihm ein Seher, er werde von den Reben, die er eben pflanzte, keinen Wein trinken. Als er später, des Sehers spottend, den vollen Becher in der Hand hielt, that dieser den sprichwörtlich gewordenen Ausspruch: "Viel ist zwischen dem Becher und zwischen dem Rande der Lippen". Plötzlich trifft die Nachricht ein, ein Eber verwüste das Land; A. setzt den Becher ab, eilt hinaus und wird von dem Tier getötet. A. hieß auch ein Heros von Tegea, Teilnehmer an der Argonautenfahrt und an der Jagd des kalydonischen Ebers, durch welchen er getötet wurde.

Ankeimen, das in der Regel durch bloße Feuchtigkeit und Wärme bewirkte raschere Keimen solcher Sämereien, welche man entweder frühzeitiger treiben, oder sicherer zum Aufgehen bringen will. Man läßt in feuchtem Sand, in Sägespänen u. dgl., Kresse auch auf bloßen Flanelllappen keimen oder bindet die Samen in Leinwandsäckchen. Samen von Gurken, Kürbissen, Melonen und andern Pflanzen, welche viel Nahrung brauchen, läßt man in Töpfchen von Erde, Kuhmist und wenig Lehm ankeimen, die durch eine von Weidner in Berlin eingerichtete kleine Maschine leicht anzufertigen sind, und mit denen die jungen Pflanzen ohne weitere Störung in das freie Land versetzt werden.

Anker, Flüssigkeitsmaß, besonders für Wein und Branntwein, = ¼ Ahm oder Ohm:

^[Liste]

in Braunschweig à 40 Quartier = 37,474 Liter

- Bremen à 44 Quart = 35,436 -

- Dänemark à 38¾ Potts = 37,437 -

- England à 10 Gallons = 45,435 -

- Hamburg u. Mecklenb. à 10 Stübchen = 36,227 -

- Hannover à 10 Stübchen = 38,939 -

- Kapstadt à 64 Pintjes = 35,959 -

- Lübeck à 40 Quartier = 36,375 -

- Oldenburg à 40 Quartier = 35,586 -

- Preußen à 30 Quart = 34,351 -

- Königreich Sachsen à 36 Dresd. Kannen = 33,681 -

- Schweden à 15 Kannen = 39,258 -

- Rußland à 30 Kruschken = 36,897 -

- Westindien (Niederl.-) à 64 Pintjes = 38,806 -

In deutschen Ländern jetzt außer Gebrauch.

Anker, Hauptstück der Grundtakelage, welche dazu dient, das schwimmende Schiff an einem bestimmten Punkt zu fixieren. In den ältesten Zeiten bei den Phönikern und auch später noch in Ostindien wurden hierfür Steinblöcke oder Metallmassen verwendet, die, an Tauen ausgeworfen, durch ihre Reibung auf dem Grunde das Schiff am Wegtreiben verhinderten. Später versah man diese Massen mit einem Haken zum Eingreifen in den Grund (einarmige A. bei den alten Griechen und für das Festlegen der Schiffe im Hafen auch bei modernen Seevölkern angewendet), und schließlich fügte man einen zweiten, in entgegengesetzter Richtung abstehenden Haken oder Arm hinzu; doch ist bei den ältesten Ankern dieser Form, wie sie auf altgriechischen Münzen erscheinen, immer noch das Massige vorherrschend, die Arme dagegen sind nur zur Aushilfe da. Erst bei weiterer Vervollkommnung gelangte man dahin, nicht die Masse des Metalls, sondern die Haken als die Hauptsache zu betrachten. In dieser Form, wie sie sich seit der Zeit Alexanders d. Gr. bis auf die unsrige erhalten hat, und zwar aus Schmiedeeisen hergestellt, besteht der A. aus einem eisernen Stiel (Ankerschaft), an dessen oberm Ende der Ankerring (Rohrring) angebracht ist, in welchem die Ankerkette befestigt wird, und von dessen anderm Ende zwei etwas gekrümmte Arme in entgegengesetzter Richtung ausgehen. Die Enden der Arme sind mit einer herzförmigen Schaufel (Ankerflüe) versehen, mit welcher der eine Arm des Ankers in den Grund greift. Damit der auf den Grund hinuntergelassene A. nicht mit beiden Armen platt auf dem Grund liegen bleibe, ist am Ankerring der Ankerstock angebracht, der stets rechtwinkelig zur Achse der Arme steht. Durch den Zug der Ankerkette, welcher von dem durch Wind oder Wellen rückwärts treibenden Schiff hervorgebracht wird, muß der Stock sich stets platt auf den Grund legen und den einen Arm zum Eingreifen in den Grund bringen. Bis zu Anfang dieses Jahrhunderts hing der A. an einem Tau, während man gegenwärtig allgemein Ketten (Länge 220 m) anwendet, die übrigens schon Cäsar bei der Invasion Englands benutzt haben soll. Der beste Ankergrund ist thoniger Boden; in steinigem Grund faßt der A. nicht genügend, und in Sandboden reißt der A. leicht eine Furche (wird triftig), und das Schiff "treibt vor A." Die Tiefe eines guten Ankergrundes beträgt 13-20, höchstens 40 m, weil sonst die Länge der Ankerkette nicht reicht. Zum Ausbringen der A. dienen die Kranbalken, starke, schräg nach links und rechts aus dem Bug herausstehende Balken, unter welchen der A. hängt, während die Ankerkette vom Ring nach den Klüsen und durch diese ins Innere des Schiffs läuft. Das Ausbringen der A. und das Fixieren derselben im Grund heißt Ankerwerfen (das Schiff "geht zu A."); das Ausheben des Ankers aus dem Grund heißt Anker lichten. Für letztern Zweck wird das Schiff, welches stets in einiger Entfernung vom A. liegen muß, damit auf diesen das untere Ende der Kette einen horizontalen Zug ausübe, so nahe an den A. herangeholt, daß sein Bug möglichst senkrecht über dem A. steht und dieser leicht aus dem Grund losbricht; das Heranholen des Schiffs geschieht durch Einwinden der Ankerkette. Gestatten die Umstände nicht, den A. zu lichten, so läßt man entweder die Kette aus den Klüsen schlüpfen, oder die Kette wird in einem solchen Fall, hinter der Beting, an der sie befestigt ist, auseinander genommen (ausgeschäckelt). Wenn möglich, befestigt man an das Kettenende eines so verlornen Ankers eine Ankerboje, eine Tonne od. dgl., um die Stelle wieder auffinden zu können. Jedes einigermaßen große Fahrzeug führt mehrere A. Ein größeres Kriegsschiff hat 4 schwere und 5-6 leichtere A. Die