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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Anomalon - Anorthit.

exzentrische A. Mittlere A. ist der Winkelabstand von A, den der Körper, von O ausgesehen, haben würde, wenn er sich mit gleichförmiger Geschwindigkeit, bei unveränderter Umlaufszeit, auf dem Kreis bewegte. Der Unterschied zwischen der wahren und der mittlern A. heißt die Gleichung des Mittelpunktes (s. d.).

^[Abb.: Wahre und exzentrische Anomalie.]

Anomalon, s. Schlupfwespen.

Anomopteris, eine vorweltliche, der Steinkohlenformation angehörige Farngattung aus der Familie der Pekopteriden; s. Farne.

Anona Adans. (Flaschenbaum), Gattung aus der Familie der Anonaceen, Sträucher und Bäume im tropischen Amerika, in Afrika und Ostindien, mit großen, einfachen, ganzrandigen Blättern, großen, einzeln stehenden Blüten und großen, äußerlich beschuppten oder facettierten, zum Teil sehr wohlschmeckenden Früchten. A. Cherimolia Mill. (Cherimoya) wird wegen ihrer vorzüglichen Früchte in Peru und in Spanien bei Malaga kultiviert. A. muricata L., ebenfalls in Amerika heimisch, trägt 1,5 kg schwere, saftige, süßsäuerliche und aromatische Früchte, welche in allen Tropenländern ein sehr beliebtes Obst bilden und ein weinartiges Getränk liefern.

Anonaceen (Flaschenbäume), dikotyle, etwa 400 Arten umfassende Familie der tropischen Teile der Alten und Neuen Welt aus der Ordnung der Polykarpen, den Magnoliaceen nahe verwandt, enthält Holzpflanzen mit einfachen Blättern und grünen oder braunen Blüten, die aus drei alternierenden Perianthkreisen und vielen spiralig gestellten Staub- und Fruchtblättern bestehen. Von den verwandten Familien unterscheiden sich die A. durch das zerklüftete Endosperm des Samens. Vgl. Baillon, Monographie des Anonacées (Par. 1868). Fossil sind mehrere Arten von Anona und Asimina in Tertiärschichten gefunden. Manche A. haben eßbare, äußerst wohlschmeckende und nahrhafte Früchte.

Anonym (griech., "namenlos"), von Schriftstücken (z. B. Briefen) oder gedruckten Werken, deren Verfasser sich nicht genannt hat, daher dieser selbst Anonymus heißt. Für manche Fächer der Litteratur, namentlich für das journalistische, ist die Anonymität (Verschweigen des Namens des Verfassers) Regel; doch sind in neuerer Zeit von verschiedenen Regierungen Maßregeln getroffen worden, dieselbe zu beschränken oder aufzuheben, wie sie z. B. in Frankreich 1850 durch besonderes Gesetz gänzlich untersagt wurde. Die Kenntnis der anonymen Schriften macht einen eignen Zweig der Bibliographie aus, für welchen nur die deutsche Litteratur noch keine brauchbaren Werke besitzt. Die wichtigsten Nachweise bieten, außer Wellers "Die maskierte Litteratur der ältern und neuern Sprachen" (Leipz. 1856-67) für Frankreich Barbiers "Dictionnaire des ouvrages anonymes et pseudonymes" (3. Aufl., Par. 1872-79, 4 Bde.) und de Mannes "Nouveau dictionnaire des ouvrages anonymes etc." (3. Aufl., Lyon. 1868), für Italien Melzis "Dizionario di opere anonime e pseudonime di scrittori italiani" (Mail. 1848-49, 3 Bde.), für Belgien Delecourts "Essai d'un dictionnaire etc." (Brüss. 1863), für die Niederlande Doornincks "Bibliotheek van nederlandsche anonymen en pseudonymen" (Haag 1867-70), für England Halkett und Laings "Dictionary" (Lond. 1881-83, 2 Bde.), für Skandinavien Collins "Anonymer og Pseudonymer" (Kopenh. 1869). Ein Lexikon der von den Jesuiten herausgegebenen anonymen und pseudonymen Bücher lieferte Sommervogel (Par. 1884, 2 Bde.).

Anonyma, Arteria, "unbenannte Schlagader", entspringt rechtsseitig aus dem Aortenbogen und teilt sich bald in die rechte Schlüsselbein- und rechte Kopfschlagader; Vena a., unbenannte Blutader, entsteht aus der Schlüsselbein- und der Drosselblutader; beide Venae anonymae fließen zu der obern Hohlvene zusammen.

Anonyme Gesellschaft, s. v. w. Aktiengesellschaft (s. d.), insbesondere im italienischen und französischen Handelsrecht. Früher nannte man in Frankreich Société anonyme die gewöhnliche zivilrechtliche Erwerbsgesellschaft.

Anopsie (griech.), s. Blindheit.

Anorchie (griech.), Hodenmangel.

Anordia (span., franz. Anordie) ein in Westindien wehender heftiger Nordwind.

Anordnung, im allgemeinen die gehörige, zweckentsprechende Stellung und Reihenfolge der ein Ganzes, insbesondere ein menschliches Werk konstituierenden Teile. Fällt ein solches Werk in das Gebiet des geistigen Lebens, so ist die A. entweder durch die Gesetze der Logik, oder durch den innern wissenschaftlichen Zusammenhang, oder, handelt es sich um ein Kunstwerk, durch die dadurch zu erzielende Wirkung bedingt. Auch jedes andre Werk, dessen Ausführung von irgend einer zusammengesetzten Reihe von Thätigkeiten abhängig ist, bedarf der zweckmäßigen, praktischen A. der letztern. Einheit in der Mannigfaltigkeit, Herrschaft Eines Gedankens, wonach jeder Teil seine Stelle im Ganzen erhält, ist das Wesen jeder A., so verschieden sich dieselbe auch in anbetracht der so verschiedenen Gebiete und Zwecke menschlicher Thätigkeit modifizieren mag. Über A. im rhetorischen Sinn s. Disposition.

Anorexie (griech.), Appetitmangel.

Anorganisch (griech.), unorganisch, Bezeichnung aller derjenigen Naturkörper, welche nicht den Gesetzen der lebenden Natur (besondere chemische Mischungen, Zellenbau, Gliederung, Wachstum etc.), sondern nur den Gesetzen der toten Natur unterworfen oder durch diese gebildet worden sind. In letztere Sinn spricht man von anorganischer Chemie, anorganischen Verbindungen etc. S. Organisch.

Anorganologie (Abiologie, griech.), die Wissenschaft von dem Anorganischen, also Mineralogie, Geologie, Meteorologie etc.

Anormal (lat.), s. v. w. abnorm (s. Abnormität).

Anorthit (Kalkfeldspat), Mineral aus der Ordnung der Silikate (Feldspatgruppe), kristallisiert triklinisch in sehr zahlreichen Kombinationen, kurz säulenförmig oder tafelartig, sehr häufig in Zwillingsbildungen, findet sich auch als Gemengteil vieler Gesteine in kristallinischen Körnern und körnigen Aggregaten. Er ist farblos oder weiß, glasglänzend, durchsichtig oder durchscheinend, Härte 6, spez. Gew. 2,67-2,76. A. ist ein Kalknatronfeldspat, entsprechend der Formel CaAl2Si2O8 ^[CaAl_{2}Si_{2}O_{8}], enthält aber stets etwas Alkali, namentlich Natron, herrührend von einer Beimischung des isomorphen Albits. Er findet sich in den