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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Anorthoskōp; Anosmīe; Anotto; Anpassung; Anquetil

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Anorthoskop - Anquetil.

Auswürflingen des Vesuvs, in Laven auf Aphroessa, Island, Java, den Antillen, in den Dioriten von Corsica, Pont Jean (Vogesen) und Yamaska in Kanada, in den Eukriten von Hammerfest, im Melaphyr von Belfahi und Altenstein, in den Meteorsteinen von Juvenas und Stannern, im Serpentin und Gabbro bei Harzburg und bei Neurode in Schlesien, im Andesit des Aranyer Bergs in Siebenbürgen. S. Feldspat.

Anorthoskōp (griech.), von Plateau 1836 konstruierte physikal. Spielerei, Vorrichtung zur Erzielung optischer Täuschungen, welche in folgendem besteht: Um eine gemeinschaftliche Achse drehen sich zwei parallel gestellte Scheiben mit ungleicher Geschwindigkeit. Die dem Beschauer zugewandte Scheibe ist dunkel und undurchsichtig, aber mit Einschnitten versehen, durch welche die hinter ihr befindliche transparente, mit verzierten Figuren bemalte und durch ein hinter ihr angebrachtes Licht beleuchtete Scheibe während der Umdrehung nacheinander in allen ihren Punkten gesehen werden kann. Nun werden infolge der ungleichen Geschwindigkeit, mit der beide Scheiben gedreht werden, und infolge deren jeder Teil der hintern Scheibe an einem andern Ort erscheint, sowie infolge des andauernden Lichteindrucks auf das Auge die auf der hintern Scheibe nach einer bestimmten Norm verzerrt aufgezeichneten Figuren, vorausgesetzt, daß die Geschwindigkeiten der Umdrehungen beider Scheiben in einem bestimmten Verhältnis zu einander stehen, regelmäßig erscheinen.

Anosmīe (griech.), s. Geruchlosigkeit.

Anotto (Anatta), s. v. w. Orlean.

Anpassung (lat. Adaptatio), die Fähigkeit der lebenden Wesen, ihren Körperbau und ihre Lebensthätigkeiten veränderten Bedingungen der Lebensweise, Ernährung, des Klimas, der Bodenbeschaffenheit, des Zusammenlebens mit andern Tieren etc. anzubequemen, mag dies nun in direkter oder indirekter Weise, durch in dem Organismus selbst liegende Kräfte oder durch Mitwirkung äußerer Faktoren zu stande kommen. Unter direkter A. versteht man die unmittelbar durch die veränderte Lebensweise selbst herbeigeführte zweckentsprechende Veränderung der Organisation, namentlich die sogen. funktionelle A., welche in der bekannten Thatsache ausgedrückt ist, daß ein stärker in Anspruch genommenes Organ gekräftigt, ein außer Gebrauch gesetztes bis zur Verkümmerung geschwächt wird. Man hatte sich diese Thatsache, auf welcher unter anderm die gymnastische Erziehung der Jugend und die Möglichkeit der Erwerbung vieler körperlicher Fertigkeiten beruhen, früher dadurch zu erklären gesucht, daß man annahm, den mehr in Anspruch genommenen Organen fließe ein stärkerer Nahrungsstrom zu; allein Roux hat in neuerer Zeit zu zeigen gesucht, daß diese Auffassung nicht erschöpfend und besser so umzugestalten ist, daß jedes Organ wesentlich nur in seiner Funktion lebt, daher durch stärkere Inanspruchnahme (soweit dieselbe, ohne die Harmonie des Ganzen zu stören, ausgedehnt werden kann) intensiver lebt und besser assimiliert, während unbenutzte Organe ein Scheinleben führen, schwächer assimilieren und endlich zu Grunde gehen. Da dieser Prozeß sich bis in die kleinsten aufbauenden Teilchen fortsetzt, so wird dadurch verständlich, wie unter Umständen die gesamte Elementarstruktur eines Organs durch funktionelle A. verändert werden kann, wenn z. B. in einem Knochen die bis ins einzelne den mechanischen Gesetzen entsprechende statische Struktur desselben infolge eines nicht völlig regelrecht geheilten Bruches später in einer etwas veränderten Druck- oder Zurichtung in Anspruch genommen wird. Es verschwinden sodann ziemlich schnell diejenigen tragenden Knochenbälkchen, welche infolge der veränderten Bedingungen nicht mehr in Anspruch genommen werden, und es bilden sich an ihrer Stelle neue unter dem Einfluß des veränderten Bedarfs. Da somit bei der funktionellen A. Neubildung und Ausmerzung von Elementarteilen Hand in Hand gehen, so nennt Roux das Prinzip, nach welchem sie wirkt, einen "Kampf der Teile im Organismus", was so zu verstehen ist, daß ein Kampf um den Raum und das Baumaterial dabei stattfindet. Durch diesen Prozeß erklärt sich die der Funktion entsprechende höchste Zweckmäßigkeit der Anordnung aller Teile in jedem Organ. Lamarck hatte geglaubt, mit diesem Prinzip der funktionellen A. die Veränderungen der lebenden Wesen in der Zeit überhaupt erklären zu können; allein Darwin zeigte, daß man eine große Reihe von Abänderungen der Lebewesen nur durch die Annahme einer indirekten A. unter dem Einfluß der natürlichen Zuchtwahl erklären könne, sofern von den nach den verschiedensten Richtungen sich verändernden Organismen einzelne den in einer bestimmten Art, z. B. durch Auswanderung oder Klimawechsel, veränderten Lebensbedingungen besser standhalten können als andre, z. B. weiß gewordene Tiere den Verhältnissen der Polarländer und gelb gewordene denen der Wüste, sofern die einen dort, die andern hier von ihren Feinden weniger gut aus der Ferne erkannt werden können, während die anders gefärbten der Ausrottung verfallen (s. Darwinismus). Ebenso widerstehen bestimmte Abarten besser als andre der Kälte, Hitze, Nässe, Trockenheit und der besondern Nahrung bestimmter Gebiete und überleben dieselben. Diese indirekte A. durch die natürliche Zuchtwahl wird dann durch eine Reihe von Generationen fortschreiten, bis das vollkommenste Maß der A. an die Lebensbedingungen der neuen Umgebung etc. nach allen in Betracht kommenden Richtungen, z. B. auch eine relative Immunität gegen die herrschenden lokalen Krankheiten, erreicht ist, wobei die Organisationshöhe des Körpers vor- und zurückschreiten kann. Die A. an eine sitzende Lebensweise ist z. B. für die Tiere fast immer eine rückschrittliche, weil mit dem Verlust der Bewegungsorgane verknüpft, und noch mehr ist dies der Fall bei einer A. von Pflanzen und Tieren an eine schmarotzende Lebensweise (s. Entartung). Beide Arten der A., die direkte wie die indirekte, wirken im Lauf der Generationen akkumulativ, solange die höchste mit den andern Bedingungen verträgliche Zweckmäßigkeit nicht erreicht ist, da das Erreichte vererbt wird und die erzeugenden Bedingungen fortwirken (progressive A.). Mitunter kann die A. auf das eine Geschlecht, dem dieselbe allein nützlich ist, beschränkt sein (geschlechtliche A.), z. B. die Pollensammelapparate mancher Bienen. Vgl. Roux, Der Kampf der Teile im Organismus (Leipz. 1881).

Anquetil (spr. āngk'til), 1) Louis Pierre, franz. Historiker, geb. 21. Jan. 1723 zu Paris, studierte auf dem Collège Mazarin Theologie, trat in die Kongregation von Sainte-Geneviève, wurde in Reims Seminardirektor, dann Direktor des Collège von Senlis und endlich Pfarrer in La Villette bei Paris. Während der Schreckenszeit 1793-94 war er eingekerkert. Bei Gründung des Instituts ward er Mitglied der zweiten Klasse desselben, unter Napoleon I. aber beim Ministerium des Auswärtigen angestellt. Er starb 6. Sept. 1808. Sein bestes Werk ist die "Historie de Reims" (1756-57, 3 Bde.). Weniger wertvoll sind seine Schriften über die Ligue, die Kabinetts-^[folgende Seite]