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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Anschlag - Ansdell.

Hinsicht hat den Zweck, den Wert eines Landguts oder eines einzelnen Grundstücks zu ermitteln (s. Ertragsanschlag).

Anschlag, bei Tasteninstrumenten (Klavier, Orgel) das Niederdrücken der Tasten. Man sagt: "das Instrument hat einen schweren oder leichten A.", d. h. eine schwere, leichte Spielart, es erfordert viel oder wenig Kraftaufwand. Ferner spricht man vom A. eines Klavierspielers: er hat einen guten, weichen, kräftigen oder einen harten, eckigen, schwächlichen A., je nachdem er das Instrument zu behandeln versteht oder seiner physischen Anlage nach vermag. Endlich gibt es verschiedene Anschlagsarten, sowohl für das Klavier- als das Orgelspiel, durch welche die vom Komponisten vorgeschriebene Phrasierung zur Geltung gebracht wird. Die Hauptarten sind: der Legato-A. und der Staccato-A.; der erstere verbindet die Töne genau miteinander, so daß, während die zweite Taste niedergedrückt wird, die erste sich hebt; der letztere trennt sie scharf, d. h. die erste Taste wird losgelassen, ehe die zweite berührt wird. Unterarten sind: der Legatissimo-A., bei welchem die Töne noch nach dem A. folgender ausgehalten werden, sofern sie sich harmonisch mit denselben vertragen; der Non legato-A., die weichste Art des Staccato, wenn die Töne möglichst lang gehalten und doch noch gerade von den folgenden immer erkennbar abgetrennt werden (Notierungsart ^[img], d. h. Verbindung der Staccato-Punkte und des Legato-Bogens). Das eigentliche Staccato kann auf dreierlei Weise gespielt werden: 1) mit völlig ruhiger Arm- und Handführung, nur durch schnelles Abheben der Finger von den Tasten (Finger-Staccato); 2) mittels einer leicht schnellenden Bewegung des Handgelenks für jeden einzelnen Ton; 3) mit leichter Bewegung des Ellbogengelenks, d. h. Aufhebung des ganzen Unterarms. Das härteste Staccato ist das letztgenannte. Übrigens wird selten eins derselben in der Praxis rein ausgeführt, vielmehr entsteht das ungezwungenste Spiel durch Zusammenwirken aller drei Arten der Bewegung.

Anschlagen, die Segel, heißt die Oberkante derselben mittels Leinen, Raa- und Nockbinsel genannt, an die Raaen festbinden.

Anschlußverfahren, s. Adhäsion.

Anschneiden, das Anfressen des von den Hunden gefangenen Wildes durch dieselben; ein nur schwer abzugewöhnender Fehler.

Anschoppung, die Anfüllung eines Organs oder eines Organteils mit ausgetretenem Blut, wie beim Beginn der Lungenentzündung oder der Bildung sogen. Infarkte in Milz und Nieren.

Anschovis (Engraulis C. V.), Fischgattung aus der Ordnung der Edelfische und der Familie der Heringe (Clupeoidei), Fische mit oblongem, zusammengedrücktem Körper, vorspringender Oberkinnlade, sehr weitem Mund, sehr spitzigen Zähnen und glatter Bauchkante. Die A. (auch wohl Sardelle, A.-Sardelle genannt, Engraulis encrasicholus L.), 15 cm lang, auf dem Rücken bräunlichblau, an den Seiten und am Bauch weiß, am Kopf goldig, bewohnt das Mittelmeer und den Atlantischen Ozean, auch die Nord- und Ostsee und wird zur Laichzeit, wo sie in außerordentlich großen Scharen an die Küsten kommt, meist nachts bei Fackelschein in Netzen gefangen und sofort entweder, geköpft und ausgenommen, wie die Sardellen in kleinen Fässern eingesalzen, oder, leicht angesalzen, in Öl gesotten, auch wohl in eine Gewürzbrühe von Salz, Piment etc. schichtweise eingelegt oder geräuchert. Die von der italienischen Insel Gorgona verschickten gelten im Handel als die besten, geringer und viel wohlfeiler sind die französischen, sizilischen und holländischen. Die besten nordischen kommen aus Norwegen. Übrigens gehen die gesalzenen A. sehr häufig als Sardellen, und es mischen sich ihnen Sardellen, Pilchards, Sprotten und junge Heringe, die gleichzeitig gefangen wurden, bei Schon die Alten benutzten die A. hauptsächlich zur Bereitung ihrer Fischsaucen, und noch gegenwärtig verarbeitet man diese Fische namentlich in England zu verschiedenartigen Saucen.

Anschuldigung, falsche, s. Anzeige.

Anschuß, der Fleck, an welchem das Wild stand, als es den Schuß erhielt, und der durch den tiefen Eindruck der Fährte (Eingriff), durch das abgeschossene Haar und häufig auch durch den Schweiß (das Blut) kenntlich ist; letzterer findet sich jedoch, selbst bei guten Schüssen, oft erst später auf der Fährte; auch die durch den Schuß entstandene Wunde (s. Birschzeichen).

Anschütz, 1) Heinrich, trefflicher Schauspieler, geb. 8. Febr. 1785 zu Luckau, bezog 1804 die Universität Leipzig, wo die Gastvorstellungen Ifflands, Eßlairs und Wolffs die Neigung, sich für die Bühne auszubilden, weckten. Nachdem er 1807 als Adolf v. Klingsberg die Bühne zuerst in Nürnberg betreten hatte, ward er 1811 für das Königsberger Theater engagiert, begab sich 1813 nach Danzig, wirkte 1814 bis 1821 unter allgemeinem Beifall in Breslau und folgte dann einem Ruf an das Hofburgtheater zu Wien, wo er lange als Regisseur fungierte und 1857 sein 50jähriges Künstler-, 1861 sein 40jähriges Dienstjubiläum feierte. A. starb 29. Dez. 1865 daselbst. Früher im Fach der Heldenrollen einer der ausgezeichneten Schauspieler, gab er später mit gleichem Erfolg Heldenväter und Charakterrollen. Tiefe und wahre Auffassung zeichneten sein Spiel aus. Eine Selbstbiographie erschien unter dem Titel: "Heinr. A., Erinnerungen aus dessen Leben und Wirken" (Wien 1866). Seine erste Gattin, Josephine, geborne Kette, ihrer Zeit beliebte Sängerin, ließ sich von ihm scheiden; seine zweite, Emilie, geborne Butenop, gest. 15. Juni 1866 in Wien, war ebenfalls Schauspielerin und früher besonders als Darstellerin naiver Rollen (Käthchen von Heilbronn) gefeiert. Ihr Sohn Roderich A., geb. 24. Juli 1818 zu Breslau, seit 1852 im österreichischen Staatsdienst, hat sich als Verfasser der Trauerspiele: "Brutus und sein Haus" (1857) und "Johanna Gray" sowie des Schauspiels "Kunz von Kaufungen" (1863) und des Lustspiels "Die Ehestifterin" (1878) bekannt gemacht.

2) August, Rechtsgelehrter, geb. 9. Jan. 1826 zu Suhl, studierte in Bonn und Berlin, wurde 1855 außerordentlicher Professor in Bonn, 1859 ordentlicher Professor in Greifswald und 1862 in Halle; er starb 3. Aug. 1874 in Bad Soden. Von seinen Schriften, in welchen sich die Richtung einer Vereinigung der dogmatischen Darstellung des Rechts mit der historischen Erforschung desselben ausspricht, sind außer Aufsätzen in Zeitschriften hervorzuheben: "Die Lombarda-Kommentare des Ariprand und Albertus" (Heidelb. 1855); "Über die Erbfolge in die neuvorpommerschen und rügenschen Lehngüter" (Halle 1864); "Summa legis Longobardorum" (das. 1870); "Kommentar zum allgemeinen deutschen Handelsgesetzbuch" (mit v. Völderndorff, Erl. 1867-73, 3 Bde.).

Anschwöden, s. Leder.

Ansdell, Richard, engl. Tier- und Genremaler, geb. 1815 zu Liverpool, widmete sich erst mit 21 Jahren der Malerei. Nachdem er mit einigen Genrebil-^[folgende Seite]