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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Anthracide - Anthriscus.

und geschmacklose Tafeln, ist unlöslich in Wasser, schwer löslich in Alkohol, leichter in Äther, Benzol und Schwefelkohlenstoff, schmilzt bei 214° und destilliert unzersetzt. Es wird von Salpetersäure oder Chromsäure in Anthrachinon C14H8O2 ^[C_{14}H_{8}O_{2}] verwandelt und gibt mit Brom in gelben Nadeln kristallisierendes Bibromanthracen C14H8Br2 ^[C_{14}H_{8}Br_{2}] mit welchem Salpetersäure leicht Anthrachinon bildet. Schwefelsäure löst Bibromanthracen zu Bisulfobibromanthracensäure C14H8Br22SO3 ^[C_{14}H_{8}Br_{2}2SO_{3}], welche durch Oxydation in Anthrachinondisulfosäure übergeht. Letztere bildet sich auch direkt beim Erwärmen von Bibromanthracen mit rauchender Schwefelsäure. Das Anthrachinon bildet gelbliche Nadeln, ist unlöslich in Wasser, schwer löslich in Alkohol und Benzol, reagiert neutral, schmilzt bei 273°, gibt mit Ätzkali geschmolzen Benzoesäure und mit Brom Bibromanthrachinon C14H8Br2O2 ^[C_{14}H_{8}Br_{2}O_{2}]. Sowohl diese Verbindung als auch die Anthrachinondisulfosäure C14H6O2(SO3H)2 ^[C_{14}H_{6}O_{2}(SO_{3}H)_{2}] liefern beim Erhitzen mit Kalihydrat Bromkalium und Alizarin C14H6(OH)2 ^[C_{14}H_{6}O_{2}(OH)_{2}], den Farbstoff des Krapps. Wegen dieser Reaktionen wird A. im großen fabriziert und zur Darstellung von Alizarin benutzt; auch andre Farbstoffe sind bereits daraus gewonnen worden (s. Alizarin). A. wurde 1831 von Dumas und Laurent im Steinkohlenteer entdeckt, gewann aber erst praktische Bedeutung, als Gräbe und Liebermann nachwiesen, daß es die Muttersubstanz des Alizarins sei. Man kann annehmen, daß gegenwärtig in Deutschland ca. 1400 Ton. Reinanthracen von den Alizarinfabrikanten verarbeitet werden. Hiervon liefern die deutschen Teerdestillationen etwa 200 T.; der Rest kommt wesentlich aus England. Vgl. Auerbach, Das A. und seine Derivate (Berl. 1872); Lunge, Die Industrie der Steinkohlenteerdestillation und Ammoniakwasserverarbeitung (Braunschw. 1882); Schultz, Chemie des Steinkohlenteers (das. 1882).

^[Abb.: Apparat zur Darstellung von Anthracen.]

Anthracīde, Klasse des Mineralsystems von Naumann, umfaßt, den organogenen Mineralien andrer Systematiker entsprechend, die Kohlen, die fossil vorkommenden Harze und organisch sauren Salze.

Anthracít (Kohlenblende), älteste fossile Kohlenart von eisenschwarzer, zuweilen ins Grauschwarze übergehender Farbe, muscheligem Bruch, stark metallischem Glasglanz, häufig mit Anlage zu schaliger Absonderung. Das spezifische Gewicht beträgt 1,4-1,7, seine Härte 2-2,5. Auf den Spaltungsflächen läuft er häufig in schönen Regenbogenfarben an, verliert in der Rotglühhitze an Glanz nur wenig, zerspringt aber und zerfällt beim Erkalten in kleine Stückchen. Er ist sehr schwer entzündlich, entwickelt aber, einmal im Brand, bei großem Verbrauch von Sauerstoff eine sehr intensive Hitze ohne Bildung von Rauch oder bituminösem Geruch. Seine Bestandteile sind 70-98 Proz. Kohlenstoff, 0,9-5 Proz. Wasserstoff, 2-6 Proz. Sauerstoff und Stickstoff, 0,9-26,5 Proz. Asche. Der A. bildet gewissermaßen das letzte Produkt jenes Prozesses, durch welchen organische Substanz allmählich in Kohle verwandelt wird; indes nähert er sich bisweilen ungemein der Steinkohle, und ein und dasselbe Flöz kann alle Übergänge von wahrer Steinkohle bis zu A. aufweisen. A. kommt in Brocken, Nestern und Lagern im silurischen und insbesondere devonischen Übergangsgebirge, aber auch im Steinkohlengebirge und im Jura vor, so in den Alpen Savoyens, Piemonts und der Dauphiné, auch der Schweiz, in dem appalachischen Kohlenfeld Nordamerikas, wo er in den zusammengefalteten Bergketten auftritt, während er westwärts gegen Ohio in die bituminöse Steinkohle übergeht. Mehrfach findet man ihn innerhalb der Steinkohlenfelder und Braunkohlenflöze lokal entstanden teils durch die Einwirkung älterer vulkanischer Gesteine, wie Grünsteine und Basalte (Glanzkohle vom Meißner), teils durch Erdbrände und dann häufig als echte Koks (Stangenkohle); am seltensten kommt er auf Erzlagerstätten vor, wie zu Schemnitz auf dem Theresiengang. Er findet sich auch fein verteilt im Thon- und Kieselschiefer, in der Grauwacke, im Übergangskalkstein und Kupferschiefer; oft bildet er Körner und Graupen in den Quarzgängen des Thonschiefergebirges. In größter Menge wird A. bergmännisch gewonnen in Pennsylvanien am Susquehanna sowie in Massachusetts und Rhode-Island, auch in Savoyen, Südwales, in Südschottland, Portugal, im Vogtland, in Schlesien, Westfalen, bei Aachen und Osnabrück (Piesberg). Rußland, noch weit mehr aber China besitzen große Lager ausgezeichneten Anthracits. Die Zwischenlager erreichen zuweilen eine Mächtigkeit von 30, die Anthracitflöze selbst eine Stärke von 4-16 m. Bis vor kurzem nannte man A. taube Kohle, und da man daran zweifelte, diese je bei pyrotechnischen Prozessen in Anwendung zu bringen, blieben die reichsten Lager unbebaut. Erst in neuerer Zeit wurden in allen den Fällen, wo eine große intensive Hitze erforderlich ist, glänzende Resultate mit A. erzielt. Namentlich fand man den A. für den Hochofenbetrieb sehr geeignet, und in England und Nordamerika sind jetzt eine Menge Eisenwerke auf die Anwendung desselben basiert.

Anthraknose des Weinstocks, s. Brandflecke.

Anthrakolith, s. Anthrakonit.

Anthrakonīt (Kohlenkalkspat, Anthrakolith, Madreporit), durch Kohle schwarz gefärbter Kalkspat, kommt in Norwegen, Schweden, bei Andreasberg, bei Saalfeld und im Salzburgischen vor. Hierher gehört auch ein Teil des schwarzen Marmors, der sogen. Lukullan.

Anthrakosis der Lungen (Kohlensucht), s. Staubeinatmungskrankheiten.

Anthrax, s. v. w. Milzbrand; s. auch Korund.

Anthraxapoplexie, s. Milzbrand.

Anthrenus s. Speckkäfer.

Anthriscus Peers. (Klettenkerbel), Gattung aus der Familie der Umbelliferen, ein- oder mehr-^[folgende Seite]