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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Antisigma - Antívari.

Mitteln jedes Verfahren, welches zur Reinhaltung der Luft, der Betten und Instrumente in Krankensälen dient (s. Desinfektion). Im andern Fall gibt es a. M., welche die Fäulniskeime an Ort und Stelle direkt töten, wie das Glüheisen, absoluter Alkohol, Salpetersäure und ähnliche stark ätzende Substanzen, andre dagegen, welche nur der Entwickelung der Keime hinderlich sind, wie Karbol-, Salicyl-, Zitronen-, Milchsäure, Thymol, Kreosot, Jodoform, Chlorzink etc. Auf der planvollen Anwendung dieser letzten Gruppe beruht der Erfolg der neuern Wundbehandlung (s. d.).

Antisigma (griech.), umgekehrtes Sigma (Ↄ), krit. Zeichen dafür, daß Verse an falscher Stelle stehen.

Antiskorbutische Mittel (Antiscorbutica), Mittel gegen den Skorbut (s. d.).

Antispasmōdika (griech.), krampfstillende Mittel, s. Krampf.

Antispast (griech.), Versfuß, bestehend aus einem Iambus und Trochäus: ^ - - ^ (z. B. Gesangskünstler), also aus "widerstrebenden" Versfüßen, daher der Name.

Antístes (griech.), Vorsteher, besonders Vorsteher eines Tempels, Priester; in der christlichen Kirche von alters her Ehrentitel der Bischöfe, Äbte, Prioren etc.; in einigen Kantonen der Schweiz Titel des ersten Geistlichen an reformierten Stadtkirchen und Vorstehers des Kirchen- und Schulwesens.

Antisthĕnes, von Athen, Stifter der cynischen Schule (s. Cyniker), erst Schüler des Gorgias und nachmals Schüler und Freund des Sokrates, geb. 444 v. Chr., Sohn eines athenischen Vaters und einer thrakischen Mutter, daher er seinen Lehrstuhl in dem Gymnasium der unebenbürtigen Athener, Kynosarges, aufschlug, von dem seine Schule die cynische oder, wie ihre Gegner spotteten, die "hündische" (kynes, Hunde) genannt wurde. In theoretischer Hinsicht behauptete er, eine sichere Erkenntnis sei nur durch richtige Definitionen und durch identische, d. h. solche Urteile möglich, in welchen das Prädikat mit dem Subjekt einerlei sei, wodurch jeder eigentliche Fortschritt im Erkennen abgeschnitten erscheint. In praktischer Hinsicht, die ihm aus diesem Grund, ebenso wie dem Sokrates, die wichtigere war, gilt ihm als oberstes Ziel des menschlichen Lebens die Tugend. Was zwischen ihr und der Schlechtigkeit in der Mitte liege, sei gleichgültig (adiaphoron). Tugend sei zur Glückseligkeit ausreichend, womit allerdings eingestanden wird, daß der eigentliche Zweck des Daseins Glückseligkeit und die Tugend als vornehmste Quelle derselben von Wert sei. Da nun die Unmöglichkeit, seine Bedürfnisse zu befriedigen, das Gegenteil der Glückseligkeit erzeugt, so trachtete A., sowenig als möglich Bedürfnisse zu haben, beschränkte seine Kleidung auf einen durchlöcherten Mantel, seine Gerätschaften auf Sack, Stab und Holzbecher, ließ Haar und Bart wachsen, schlief auf der bloßen Erde und setzte sich über die Anforderungen der konventionellen Sitte hinaus. Den Kultus der Götter verwarf er: der Eine Gott werde nicht aus Bildern erkannt; Tugend allein sei der wahre Gottesdienst. Die Gedichte Homers, der (nebst Hesiod) den Griechen (nach Herodot) ihre Götter gemacht hatte, deutete er allegorisch im Sinn seiner Philosophie. In der Politik war er Weltbürger. Seine sämtlich verlornen Schriften, unter denen angeblich eine Streitschrift: "Sathon, oder vom Widersprechen" (in 3 Büchern), gegen Platon, mit dem er nicht befreundet, gerichtet war (während er mit Xenophon sehr gut stand), sollen 10 Bände ausgemacht haben; zwei Deklamationen (abgedruckt in den Sammlungen der attischen Redner von Aldus, Stephanus, Reiske und Bekker) sind ebensowenig wie ein Brief (am besten abgedruckt bei Orelli, "Collect. epist. graec.", Bd. 1, Leipz. 1815) als echte Werke des A. anzusehen. Die Fragmente seiner Schriften wurden herausgegeben von Winckelmann (Zür. 1842). Vgl. Chappuis, Antisthène (Par. 1854).

Antīstrophe (griech.), Gegenstrophe, s. Strophe.

Antitaurus, s. Taurus.

Antithēse (griech.), Gegensatz, eine Redefigur, welche Begriffsbestimmungen, die logisch einander gegenüberstehen, auch in den entsprechenden Satzgliedern gegenüberstellt. Dieselbe eignet sich besonders als Form für die Sentenz, daher sentenzenliebende Schriftsteller (z. B. Schiller) reich an Antithesen sind; doch wird sie auch von Denkern (z. B. Lessing) häufig angewendet. Die A. ist entweder einfach, wenn nur zwei Bestimmungen, oder zusammengesetzt, wenn mehrere Bestimmungen einander gegenübergestellt werden, wobei eine symmetrische Anordnung derselben erforderlich ist; z. B. bei Schiller:

^[Liste]

Ein Gott bist du dem Volke worden,

Ein Feind kommst du zurück dem Orden.

Wenn die A. durch Umkehrung des Gedankens gebildet wird, heißt die Figur Antimetábole, z. B.: Nicht um zu essen, lebe ich, sondern um zu leben, esse ich.

Antithĕton (griech.), Kontrast, Zusammenstellung von Merkmalen, die in einzelnen Beziehungen einander ähnlich, in der Hauptsache einander "entgegengesetzt" sind.

Antitoxikon (griech.), Gegengift.

Antitrinitārier (lat.), Gegner der Lehre von der Dreieinigkeit Gottes, s. v. w. Unitarier (s. d.).

Antityp (griech.), Gegen- oder Abbild; antitypisch, gegenbildlich.

Antium, uralte latinische Stadt, auf einer ins Meer vorspringenden felsigen Landspitze gelegen, der Sage nach von einem Sohn des Odysseus und der Kirke erbaut und anfangs von tyrrhenischen Seeräubern bewohnt, blieb, obwohl von Tarquinius Superbus zum Latinerbund gezogen, doch fortwährend in enger Verbindung mit den Volskern und ward daher 468 v. Chr. von den Römern erobert. Trotz der hier angesiedelten römischen Kolonie trat es bald wieder in feindliche Stellung zu Rom und bewahrte an 120 Jahre seine Selbständigkeit. Im J. 338 erfolgte die zweite Einnahme von A., worauf es mit neuen Kolonen besetzt, zugleich aber mit dem Verbot der Seeschiffahrt und Auslieferung seiner sämtlichen Kriegsschiffe bestraft wurde. Bei der vorteilhaften Lage hob es sich indessen bald wieder. A. diente als Erholungsort vornehmer Römer, die sich hier Paläste und Villen bauten, und war insbesondere der Lieblingsaufenthalt des Kaisers Nero, der, wie auch Caligula, hier geboren wurde und einen neuen prächtigen Hafen erbaute. Erst die Einfälle der Sarazenen richteten die Stadt zu Grunde. Gegenwärtig sind von A. nur einzelne Mauerreste und Spuren der Neronischen Villa übrig; von den einst berühmten Tempeln der Fortuna und des Äskulap ist nichts mehr vorhanden. Jetzt Porto d'Anzo. Vgl. Soffredini, Storia di Anzio etc. (Rom 1879).

Antiunionistisch (lat.), gegen die Union ankämpfend. Antiunionist, Gegner der Union.

Antívari (Bar), Stadt im südlichen Montenegro, nahe am Adriatischen Meer, mit einer stattlichen Citadelle aus venezianischer Zeit auf vorspringendem Felsen und kleinem Hafen, ist Sitz eines katholischen Erzbischofs und hat 8000 Einw. (4000 Serben, 3000 Albanesen und Griechen, 1000 Türken), welche Kolonialwaren, Reis, Manufakturwaren, gegerbte Felle,