Schnellsuche:
Info: Zur Zeit wird der Volltextindex aktualisiert. Sie erhalten daher bei Suchen nicht die volle Anzahl an Treffern. Die Aktualisierung dauert typischerweise wenige Minuten.

Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

651

Antizipation - Antomarchi.

Seife, Petroleum u. a. gegen Schlachtvieh, Wolle, Felle und Insektenpulver eintauschen (1883 Einfuhr 40,605, Ausfuhr 16,550 Fl.). A. wurde 1571 von den Türken, 10. Jan. 1878 von den Montenegrinern erobert und diesen im Frieden von Berlin belassen.

Antizipation (lat., "Vorausergreifung, Vorausnahme"), ein in verschiedenen Beziehungen angewendeter Ausdruck. In der Rechtswissenschaft bezeichnet A. eine Handlung, die früher, als der ordnungsmäßige, gesetzlich vorgeschriebene Rechtsgang es erlaubt, vorgenommen wird; so z. B. der Antritt einer Erbschaft vor Eröffnung oder Anerkennung des Testaments, außerehelicher Beischlaf zweier später gesetzlich verbundener Eheleute etc. Im Finanzwesen bedeutet A. die Vorausentnahme erst später fälliger Einnahmen. Dieselbe kann vorkommen in der Form, daß Steuervorschüsse gefordert werden, eine oft harte und bedenkliche Maßregel, oder daß die Vorausbezahlung von Steuern gegen Zinsvergütung freigestellt wird, was meist unzureichend ist, weil die Steuerpflichtigen nicht gerade auch augenblicklich zahlungsfähig sind; ferner in der Form, daß die zukünftigen Einnahmen einstweilen durch ein Anlehen verfügbar gemacht werden. Ursprünglich wurden solche Einnahmen den Gläubigern verpfändet. Später bediente man sich zu gleichem Zweck eines mit Hilfe der später eingehenden Einnahmen wieder einzulösenden Papiergeldes. So wurde 1812 die preußische Vermögens- und Einkommensteuer durch gestempelte Tresorscheine, welche die Staatskassen für bar annahmen, antizipiert. Die bei der Steuerzahlung eingehenden Scheine sollten vernichtet, die auf diese Weise nicht eingegangenen aber aus dem Steuerertrag eingelöst und vernichtet werden. Das heute angewandte Antizipationsmittel ist der Schatzschein (s. d.). Im Handel ist. A. (antizipierte Zahlung, Zahlung anticipando) eine vor dem verabredeten, gebräuchlichen oder gesetzlichen Termin geleistete Zahlung. Dieselbe begründet einen Anspruch auf Zinsvergütung, welche durch Abzug eines Diskonts bewirkt wird. Im Kommissionshandel ist es häufig Gebrauch, daß der Verkaufskommissionär dem Kommittenten auf die von demselben zum Verkauf empfangenen Waren schon vor deren Absatz, oft gleich nach deren Absendung eine Abschlagszahlung bis zu zwei Dritteln des Werts entweder direkt oder in der Art macht, daß er einen vom Eigentümer auf ihn gezogenen Wechsel acceptiert. Solche Geschäfte heißen Antizipationsgeschäfte (vgl. auch Konsignation). In der Logik bezeichnet A. eine Thatsache des Bewußtseins, insofern sie als wahr vorausgesetzt und als Prüfungs- oder Beweisgrund für einen andern Satz gebraucht wird. In der Rhetorik ist A. s. v. w. Prolepsis. In der Medizin bedeutet A. das verfrühte Eintreten von typischen Krankheits-, namentlich Fieberanfällen sowie überhaupt eine vorzeitige, dem Lebensalter des Patienten noch nicht angemessene Krankheit, z. B. die Menstruation bei kleinen Mädchen etc. In der Musik versteht man unter A. das Eintreten eines oder mehrerer dem nächstfolgenden Akkord angehörender Töne auf dem leichten Taktteil: ^[img].

Antizipationsscheine, 1813 im Betrag von 45 Mill. Fl. ausgegebenes, später stark vermehrtes österreich. Papiergeld. Die 1811 und 1813 ausgegebenen Einlösungs- und A., die zusammen die sogen. Wiener Währung (abgekürzt: W. W.), auch Scheingeld genannt, bildeten, hatten Zwangsumlauf und wurden 1820 auf zwei Fünftel ihres Nennwerts (5 Fl. W. W. = 2 Fl. Silbermünze) herabgesetzt. Später von der Nationalbank gegen Banknoten eingelöst, sind die A. seit 1854 aus dem Verkehr verschwunden.

Antizipieren (lat.), vorweg-, vorgreifend nehmen, voraus genießen.

Antlaßtag, s. Gründonnerstag.

Antlitz, s. Gesicht.

Antoeci (griech., "Gegenwohner"), s. Antipoden.

Antofagásta, wichtigste Hafenstadt im gleichnamigen chilenischen Departement, dem frühern bolivianischen Departement Atacama (s. d.), an der Chimbabai, mit deutschem Konsulat und (1875) 5384 Einw. Der Ort wurde erst nach 1870 gegründet und verdankt seinen Aufschwung den mächtigen Salpeterlagern der Salinas, den reichen Kupferlagern und den Silbererzen von Caracoles, wohin bereits eine Eisenbahn führt. Die Ausfuhr besteht in Salpeter (1883: 546,860 Ztr. für 3,281,161 Pesos), Jod, Borax, Silber in Barren und Erzen, Kupfer u. a. im Gesamtwert von 1883: 4,114,202 Pesos, doch geht jetzt ein sehr großer Teil der Ausfuhr über Valparaiso. In den Hafen von A. liefen ein 461 Schiffe von 493,965 Ton., davon 30 deutsche von 22,429 Ton. Diese Mineralschätze waren die unmittelbare Ursache des Kriegs zwischen Chile und Bolivia, indem letzteres die 1866 und 1874 mit ersterm geschlossenen Verträge behufs Ausbeutung der Lager durch Chilenen 1. Febr. 1879 kündigte, worauf 15. Febr. die Besetzung des Gebiets durch Chile erfolgte, dem es auch durch den Vertrag vom 4. April 1884 verblieben ist. Das nunmehrige chilenische Departement A. wird im O. von den Anden, im N. vom Rio Loa, im S. vom 24.° südl. Br., im W. vom Meer begrenzt und mißt 50,125 qkm (913 QM.) mit (1882) 14,000 Einw.

Antogast, Badeort im bad. Kreis Offenburg, am Südfuß des Kniebis, in einem engen fruchtbaren Thal mit üppiger Vegetation, 483 m ü. M., hat zwei Quellen (eine Trink- und eine Badequelle), welche als Hauptbestandteile kohlensaure Kalkerde, kohlensaure Magnesia, kohlensaures und schwefelsaures Natron enthalten und in der Mitte zwischen den erdig-salinischen und erdig-alkalischen Eisensäuerlingen stehen. Sie werden besonders gegen Blutarmut und sogen. nervöse Zustände gebraucht.

Antokolski, Markus, russ. Bildhauer, geb. 1843 zu Wilna, war Schüler der Petersburger Akademie, bildete sich aber, im Gegensatz zu der dort herrschenden klassizistischen Richtung, in realistischem Sinn durch Studien nach der Natur (Genrefiguren in Holz- und Elfenbeinschnitzereien) aus. Sein größeres Erstlingswerk, die sitzende Figur Iwans des Schrecklichen (1871), trug ein durchaus realistisches Gepräge mit starker Betonung des charakteristischen und malerischen Elements. Der gefesselte Christus vor dem Volk (1874) bewegte sich in derselben Richtung, und in dem sterbenden Sokrates (1876) führte das Streben nach Naturwahrheit zu einer krassen Darstellung der Wirkungen des Todes. Seine Porträtbüsten und Statuen (Peter d. Gr.) zeichnen sich durch Lebendigkeit und Energie des Ausdrucks aus.

Antomarchi, Francesco, Napoleons I. Arzt auf St. Helena, geb. 1780 auf Corsica, studierte in Pisa und ward 1812 Prosektor am Hospital Santa Maria zu Florenz; 1818 ließ er sich von dem Kardinal Fesch bewegen, sich nach St. Helena zu begeben, um dem Kaiser ärztlichen Beistand zu leisten. Anfangs von diesem mit Mißtrauen empfangen, wußte er bald sein volles Vertrauen zu gewinnen und wurde in dessen Testament mit 100,000 Frank bedacht. Nach dem