Schnellsuche:
Info: Zur Zeit wird der Volltextindex aktualisiert. Sie erhalten daher bei Suchen nicht die volle Anzahl an Treffern. Die Aktualisierung dauert typischerweise wenige Minuten.

Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Antonelli; Antonello von Messina; Antonianer

653

Antonelli - Antonianer.

Im J. 1711 vermählte er sich mit Philippine Elisabeth Cäsar, der Tochter eines hessen-kasselschen Hauptmanns, welche von Kaiser Karl VI. in den Reichsfürstenstand erhoben wurde; doch erklärte Kaiser Franz I. infolge des Widerspruchs, den die fürstlichen Verwandten gegen die Successionsfähigkeit der Kinder aus dieser Ehe erhoben, diese Standeserhöhung 1747 für ungültig. Im J. 1724 nötigte er seinen Bruder Friedrich Wilhelm, die von diesem eingeführte Primogenitur auf seine eignen Söhne zu beschränken und ihm Anteil an der Regierung einzuräumen. Der fortdauernde Zwist mit seinen Verwandten war die Veranlassung, daß A. meist außer Landes, bald in Wien, bald in Frankfurt a. M., lebte, bis er, seit 1744 Witwer, durch den Tod seiner Brüder und Neffen 1746 alleiniger Regent wurde. Die Verhaftung des Oberlandjägermeisters v. Gleichen und dessen intriganter Gemahlin führte, da A. die vom Kaiser gebotene Freilassung verweigerte, 1747 im Einrücken sachsen-gothaischer Exekutionstruppen in das Meiningische (Wasunger Krieg), und erst nach einem Jahr ward die Sache friedlich geschlichtet. Bald darauf entstand aber eine neue Fehde mit Sachsen-Saalfeld, in deren Folge 1752 kurfürstlich sächsische und brandenburg-ansbachische Exekutionstruppen in das Herzogtum einrückten. Auch dieser Zwist ward 1753 durch einen Vergleich beendet. Unter solchen Wirren konnte das Wohl des Volks nicht gedeihen; dennoch ist A. dadurch, daß er viele gewerbliche Keime im Land pflanzte, die später Tausende von Händen beschäftigten, ein Wohlthäter seines Landes geworden. Er vermählte sich 1750 mit Charlotte Amalie, Prinzessin von Hessen-Philippsthal, die ihm noch vier Töchter und vier Söhne gebar. A. starb 27. Jan. 1763 in Frankfurt a. M.

Antonelli, Giacomo, röm. Kardinal-Staatssekretär, geb. 2. April 1806 zu Sonnino, einem Flecken an der neapolitanischen Grenze, aus einer heruntergekommenen Familie, kam, als sein Geburtsort 1819 durch die päpstliche Gendarmerie als berüchtigtes Räubernest zerstört wurde, nach Rom und trat hier in das Große Seminar, wo er sich bald durch seine Talente auszeichnete. Nachdem er die niedern Weihen als Diakon empfangen, zog ihn der Papst Gregor XVI. in seine Nähe und bestimmte ihn für die staatsmännische Laufbahn. A. ward zum Prälaten erhoben, war dann als Assessor beim obersten Strafgerichtshof, später als Delegat in Orvieto, Viterbo und Macerata thätig und wurde 1841 zum Unterstaatssekretär in der Verwaltung des Innern, 1844 zum zweiten Schatzmeister im Finanzwesen, 1845 aber zum Großschatzmeister (Finanzminister) ernannt. Als Pius IX. den päpstlichen Thron bestieg, ging er eifrig auf dessen liberale Reformbestrebungen ein und gewann bald einen maßgebenden Einfluß auf denselben. Am 12. Juni 1847 erhielt A. den Kardinalshut, und zugleich trat er in den ersten förmlichen Ministerrat ein, mit dessen Bildung Pius IX. seine politischen Reformen eröffnete. Als Anfang März. 1848 die Bildung eines aus weltlichen und geistlichen Mitgliedern gemischten Ministeriums erfolgte, übernahm A. den Vorsitz in demselben. Während der Papst 14. März ein Staatsgrundgesetz proklamierte, schmeichelte A. der nationalen Stimmung, indem er die 10,000 Mann starke päpstliche Armee an die nördliche Grenze schickte, von wo das Korps zur Unterstützung der Piemontesen in die Lombardei einrückte. Nach der Kapitulation der römischen Truppen 16. Juni 1848 zu Vicenza versicherte der Papst auf Antonellis Andringen, daß er seine Truppen nicht zur Bekämpfung der Österreicher abgesendet habe. Seitdem betrieb A. den Anschluß an Österreich und möglichste Wiederherstellung des alten Zustandes. Der Unwille des Volks über diesen Abfall von der nationalen Sache äußerte sich in Rom so drohend, daß A. und seine Kollegen einem Ministerium Mamiani Platz machen mußten. A. ward nun der geheime Leiter und Ratgeber des Papstes, der auf seinen Rat zunächst den Grafen Rossi an Mamianis Stelle berief. A. war es auch, der nach dem Angriff des Volks auf den Quirinal den Papst 25. Nov. 1848 zur Flucht nach Gaeta bewog, wo er mit der Würde eines Staatssekretärs bekleidet wurde. Nach Wiederherstellung der päpstlichen Gewalt 15. Juli 1849 durch die französische Intervention trat A., der 12. April 1850 mit dem Papst nach Rom zurückgekehrt war, an die Spitze des neuerrichteten Staatsrats, reorganisierte die Verwaltung, verfolgte seine politischen Gegner auf das härteste und führte, entschlossen und schlau, ein streng absolutistisches Polizeiregiment ein. Alle Mahnungen der Mächte zur Mäßigung und zu zeitgemäßen Reformen wies er hartnäckig zurück, verstand sich auch zu keinem Zugeständnis an die nationalen Wünsche der Italiener und begleitete die "Beraubungen" des Kirchenstaats durch das neue Königreich Italien mit ohnmächtigen Protesten. Auch die kirchliche Politik Pius' IX. unterstützte er durch seine gewandt geschriebenen Noten. Wenn er auch selbst, innerlich frivol und religiös gleichgültig, aus weltlicher Klugheit manchmal gern sich nachgiebig gezeigt und hierdurch die Gunst der Mächte sich gesichert hätte, so wollte er doch vor allem nicht sein Amt und seine Gewalt vertieren und fügte sich daher den Wünschen des von den Jesuiten beherrschten und über die Lage der Dinge verblendeten Papstes. Er starb 6. Nov. 1876 in Rom und hinterließ ein bedeutendes Vermögen, über das sich ein skandalöser Prozeß zwischen einer angeblichen Tochter Antonellis, Gräfin Lambertini, und seinen Verwandten entspann.

Antonello von Messina, ital. Maler, geboren um 1444 zu Messina, soll in den Niederlanden die dort durch die Brüder van Eyck und ihre Schüler vervollkommte Ölmalerei (d. h. die mit Leimfarben untermalten Bilder mit Ölfarben zu lasieren) erlernt und nach Italien gebracht haben. Sein frühstes Bild, ein Christus in der Nationalgalerie zu London, trägt die Jahreszahl 1465 und zeigt einen flandrischen Charakter, ebenso wie ein 1473 für die Kirche von San Gregorio in Messina gemaltes Altarbild. Um diese Zeit hielt er sich bereits in Venedig auf, wo er dank seiner neuen Malweise schnell einen großen Ruf als Porträtmaler erwarb und sich an den Bellini und Carpaccio weiterbildete. Seine Hauptwerke sind eine Kreuzigung in der Antwerpener Galerie und ein männliches Porträt in Louvre (beide von 1475), ein männliches Bildnis im Berliner Museum von 1478 und ein heil. Sebastian in der Dresdener Galerie. Er starb um 1493 in Venedig.

Antonianer, eine antinomistische Sekte in der Schweiz, gestiftet von dem 1761 zu Schopfheim in Baden gebornen, 1824 im Gefängnis zu Luzern verstorbenen Abenteurer Anton Unternährer. Nachdem er Küchenknecht, Maler, Schreiner, Krämer und Arzt gewesen, trat er als angeblicher Vollender des Christentums auf, geriet aber durch die gewöhnlichen praktischen Konsequenzen der antinomistischen Theorie (alles sei gut, insonderheit auch die geschlechtliche Liebe ohne Zwang und Unterschied zu üben) bald mit der bürgerlichen Gesellschaft in einen für seine Sekte tödlichen Konflikt.