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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Apenrade

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Apenninen - Apenrade.

Ganz anders und sehr viel günstiger sind die westliche Abdachung des Apennin und die Westküste gebildet. Dadurch, daß der Apennin vom Golf von Salerno an nahe an die Küste tritt, nördlicher aber, soweit er gegen SO. zieht, sich immer mehr von ihr entfernt, entsteht ein dreieckiger, von den Abhängen der nördlichen A. im N., denen der mittlern im O. und der Küste im W. eingeschlossener Raum, der von den Bergzügen des sogen. Subapennin ausgefüllt wird. Die Gesteine dieser Berge weichen von denen der A. ab. Es sind bis auf einzelne inselartig sich erhebende Massen des Apenninenkalksteins besonders Glieder der Tertiärformation, die dem Innern der A. fehlen, und, was besonders charakteristisch ist, vulkanische Bildungen sehr verschiedener Art, daher diese Gegenden der klassische Boden für die Erforschung der ältern und neuern vulkanischen Thätigkeit geworden sind. So gibt es hier thätige und erloschene Vulkane, heiße Quellen, wie besonders die borsäureführenden Thermen bei Volterra etc. Durch die breiten Thäler der aus den A. kommenden Flüsse zerfällt der Subapennin in mehrere Teile, deren bedeutendster das Bergland von Toscana ist, das im N. durch das untere Arnothal von den südlichen Abhängen des etruskischen, im O. dagegen von den westlichen des römischen Apennin durch das Thal des mittlern Arno und die flache Ebene der Chiana getrennt wird, die vom Arno bis zum Tiber reicht und jetzt von einem beide Flüsse verbindenden Kanal durchschnitten ist; im S. enden die Höhen dieses Berglands am untern Tiber. Das Innere desselben bilden ausgedehnte fruchtbare Ebenen, wie die von Siena und Volterra, die sich gegen N. sanft zum Arnothal herabsenken; im W. endet das Bergland mit schroff abfallenden Ketten, zwischen denen und der Küste die durch ihre Ungesundheit verrufene Küstenebene der Maremmen liegt, von einzelnen inselartig sich erhebenden Bergen unterbrochen. Am höchsten erheben sich im Ostteil die fast eine zusammenhängende Kette bildenden Höhen an der Westseite des mittlern Arnothals und der Chianaebene, in deren Mitte der vulkanische Monte Amiata (1732 m) aufsteigt, wie denn südlicher in dem Raum zwischen dem mittlern Tiber und dem Meer Spuren der vulkanischen Thätigkeit sich häufig finden.

Der Teil des Subapennin zwischen den Thälern des Tiber und Garigliano enthält zwei kleine, aus vulkanischen Gesteinen gebildete Berggruppen, die durch die Thäler des Anio und Sacco von den eigentlichen A. geschieden werden: das durch seine Naturschönheiten und reizenden Seen (Lago d'Albano und Lago di Nemi) berühmte Albanergebirge mit dem Monte Cavo (955 m) und südöstlich davon die Volsker Berge, welche einen Querriegel bis an die Küste bei Terracina vorschieben. Vor diesen im W. liegt eine Küstenebene, deren nördlicher Teil der wellenförmigen, schlecht angebauten und öden Campagna di Roma angehört, während den südlichen die Pontinischen Sümpfe einnehmen. Der südlichste Teil des Subapennin geht vom Garigliano bis zu dem Bergzug von Castellamare im N. von Salerno und umschließt die berühmte, durch ihre Fruchtbarkeit wie ihre Schönheit mit Recht so hochgepriesene hügelige Ebene von Kampanien, in der sich einzelne vulkanische Berge, wie der erloschene Vulkan Monte della Croce im nördlichen und der noch thätige Vesuv (1268 m) im südlichen Teil, erheben.

Die Physiognomie der A. wechselt wie ihre Gesteinszusammensetzung und Schichtenstellung. Mit malerischen, oft terrassenförmig aufsteigenden Bergformen, deren von immergrünen Gebüschen oder von Kastanienwäldern bedeckte Gehänge durch weiße, nackte Felswände unterbrochen werden, und mit kulissenartig hervortretenden Ausläufern erheben sich, soweit der Kalkstein herrscht, die A. aus dem wellenförmigen Hügelland am Gebirgsfuß, sich scharf abhebend vom dunkelblauen Himmel, der sich über ihnen ausspannt. Wo im N. der Sandstein vorherrscht, verliert sich dieser Charakter des Gebirges; die schroffen, malerischen Formen weichen breiten, flachen Rücken. Die geringe Breite der A. erlaubt freilich keine großartige Thalentwickelung, wie in den Alpen; doch erhöht die südliche Vegetation oft nicht wenig den Reiz der Schluchten, durch welche die Bergbäche ihren Weg aus dem Gebirge und seinen Längenthälern hinaus nehmen. Die höchsten Teile mit ihren trocknen Weiden, ihren tiefen Schluchten, ihren weißen, nackten Felsen und Schuttgehängen sind freilich meist öde und wild; namentlich gehört die Umgebung des Gran Sasso zu den großartigsten und wilderhabensten Gebirgspartien. Das Klima ist im ganzen, aber namentlich auf den südlichen A., rauher, als man unter diesen Breitengraden und bei der Lage Italiens erwarten sollte. Während in tief liegenden und geschützten Thälern die Hitze im Sommer einen fast unerträglichen Grad erreicht und beinahe an der ganzen Westküste Palmen und einige Gewächse fast tropischer Klimate gedeihen, kommen auf den dem Wind preisgegebenen Höhen, bei 1600-2000 m Meereshöhe, weder Obst noch Getreide mehr fort; der Baumwuchs verkümmert und wird ärmlich. Im allgemeinen lassen sich vier Pflanzenregionen der A. abgrenzen: 1) die Region der Olive, bis 500 m, mit vorherrschenden immergrünen Holzgewächsen der Mediterranflora, Gartenkultur und Winterweiden; 2) die Region der Kastanie und Eiche, bis 1000 m, mit Ackerbau und Kastanienwaldungen; 3) die Region der Buche und der Nadelhölzer, bis 1600 und 2000 m; 4) die Region der Sträucher und Alpenkräuter, mit Sommerweiden auf den rauhen Bergflächen des Hochapennin bis zu den nur wenige Wochen schneefreien höchsten Kuppen. Klimatisch ist namentlich der nördliche Apennin eine sehr wichtige Scheidewand, erst an seinem Südhang fängt "Italien" an. Dem Verkehr setzen auch nur die nördlichern Teile bis in die Breite der Abruzzen größere Schwierigkeiten entgegen, so daß jetzt sein Kamm von sieben Eisenbahnlinien überschritten wird und zwar: 1) von Turin nach Savona, 2) von Alessandria nach Genua, 3) von Bologna nach Pistoja, 4) von Ancona nach Foligno (Rom), 5) von Neapel nach Foggia, 6) von Neapel zum Golf von Tarent, 7) von Pescara durch das Hochthal von Aquila nach Terni, wo sie in die Linie Ancona-Rom einmündet. Dazu ist die ganze östliche und westliche Abdachung von Eisenbahnlinien begleitet, erstere von Piacenza bis Reggio di Calabria, letztere von Savona bis Salerno.

Apenrade, Kreisstadt im preuß. Regierungsbezirk Schleswig, an einem tiefen Busen der Ostsee, durch eine Zweigbahn mit der Schleswiger Hauptbahn verbunden, hat ein Amtsgericht, eine ev. Kirche, ein altes Schloß, eine Navigationsschule, eine Gas- und Wasserleitung, einen guten Hafen und (1880) 6215 Einw. (1 Bat. Nr. 84), welche Orgelbau, Schiffahrt, Fischerei, Fischexport, Pfahlmuschelzucht, Holzhandel und Landwirtschaft betreiben. A. kommt zuerst 1148 vor, erhielt 1284 Stadtrechte und ward in allen Kriegen des Nordens hart betroffen, so auch 1848-49 und in der Folge durch die dänischen Zwangsmaßregeln, bis es 9. Febr. 1864 von den Preußen besetzt wurde.