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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: A piacere; Apianus; Apiariae; Apiarium; Apices juris; Apicius; Apion; Apios; Apirie; Apis

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A piacere - Apis.

eine wird von Eingebornen (auch dem König Malietoa), der andre von ca. 250 Fremden (Deutschen, Engländern, Amerikanern) bewohnt. Hier befinden sich eine katholische und eine anglikanische Kirche, die Lagerräume und Werkstätten der Deutschen Handels- und Plantagengesellschaft der Südsee (früher J. C. ^[Johann Cesar] Godeffroy) und von Ruge u. Komp., Wirtshäuser, Läden etc. A. ist Sitz eines deutschen Generalkonsuls. Es ist der einzige Hafen der Samoainseln, welcher im Verkehr mit dem Ausland steht. Im J. 1883 belief sich der Schiffsverkehr auf 30,149 Ton. (davon deutsch 19,396 T.), die Einfuhr auf 355,966 (deutsch 247,793) Doll., die Ausfuhr auf 264,771 (deutsch 254,471) Doll.

A piacere (auch a piacimento, ital., spr. -tschere, -tschiménto), nach Gefallen, nach Belieben, musikal. Bezeichnung, wodurch der Spielende die Freiheit erhält, die betreffenden (meist kadenzartigen) Stellen nach seinem Gutdünken vorzutragen. Im Handelsverkehr pflegt man mit A p. Wechsel zu bezeichnen, welche zu beliebiger Zeit zahlbar sind. Da nach den meisten gesetzlichen Bestimmungen die Zahlungszeit dem Belieben des Inhabers überlassen ist, so sind die mit A p. bezeichneten Wechsel meist als "bei Sicht" zahlbar zu betrachten. Nach der deutschen Wechselordnung werden derartige Papiere nicht als Wechsel anerkannt.

Apianus (eigentlich Bienewitz oder Bennewitz), Peter, Geograph und Astronom, geb. 1495 bei Leisnig in Sachsen, studierte zu Leipzig und Wien, ward 1527 Professor der Mathematik in Ingolstadt, 1541 von Karl V. geadelt und starb 21. April 1552. Am berühmtesten machten ihn sein "Cosmographicus liber" (Landsh. 1524), in welchem er vorschlug, geographische Längen durch Messung der Abstände des Mondes von Fixsternen zu bestimmen, das öfters aufgelegt und in mehrere Sprachen übersetzt wurde, und das "Astronomicum Caesareum" (Ingolst. 1532). Auch gab er "Inscriptiones sacrosanctae vetustatis etc.", mit Holzschnitten (Ingolst. 1534), heraus, erfand verschiedene mathematische Instrumente und zeichnete die besten Landkarten seiner Zeit. - Sein Sohn Philipp A., geb. 14. Sept. 1531 zu Ingolstadt, ebenfalls als Geograph bekannt, erhielt 1552 seines Vaters Amt, sah sich aber, als er 1568 zum Protestantismus übertrat, genötigt, Ingolstadt zu verlassen, erhielt im nächsten Jahr eine Professur der Mathematik in Tübingen, die er aber 1584 wieder verlor, weil er sich weigerte, die Konkordienformel zu unterschreiben, und starb in Dürftigkeit 4. Nov. 1589. Sein Hauptwerk sind die "Bayrischen Landtafeln" (1566).

Apiariae (Bienen), Familie aus der Ordnung der Hautflügler, s. Bienen.

Apiarium (lat.), Bienenhaus.

Apices juris, s. Apex.

Apicius, Marcus Gabius, Feinschmecker zu des Augustus und Tiberius Zeiten in Rom, galt in der Kunst des Gaumenkitzelns als Autorität und war der Verfasser des ersten römischen Kochbuchs. Doch ist das unter dem Titel: "Coelius Apicus ^[richtig: Apicius], de re coquinaria" erhaltene Buch nicht auf ihn, sondern auf einen gewissen Cölius zurückzuführen. Es wurde zuletzt von Schuch (Heidelb. 1874) herausgegeben.

Apion, Käfergattung, Spitzmäuschen.

Apios Mönch, Gattung aus der Familie der Papilionaceen, nordamerikan. Schlingpflanzen mit unpaarig gefiederten Blättern, dichten, achsel- oder endständigen Blütentrauben und länglicher, gekrümmter, flach gedrückter, vielsamiger Hülse. Die einzige Art: A. tuberosa Mönch (Glycine apios L., virginische Knollwicke, amerikanische Erdnuß), ein seit 1640 bekanntes ausdauerndes Gewächs Nordamerikas, hat einen dünnen, glatten, sich 2-3,7 m hoch emporwindenden Stengel, glatte Blätter mit eirund-lanzettförmigen, spitzigen Blättchen und bräunlich-fleischrote, veilchenartig duftende Blüten. Das Gewächs dauert auch bei uns im Freien gut aus und wird als Zierpflanze kultiviert. Die Wurzelknollen von der Größe eines Hühnereis sind sehr mehlig, schmecken angenehm süß, an Artischocken erinnernd und enthalten 4,5 Proz. stickstoffhaltige Substanzen, 0,8 Fett, 33,5 Stärkemehl, Zucker, Pektin, 1,3 Zellstoff, 2,25 Salze und 57,6 Wasser. Sie sind also reicher an Nahrungsstoff als Kartoffeln, doch ist der Ertrag von gleicher Bodenfläche viel geringer und die Kultur auch sehr umständlich, weil die windende Pflanze der Unterstützung bedarf. Die Samen geben eine den Erbsen ähnliche Speise.

Apirie (griech.), Unerfahrenheit; Unbegrenztheit, Unbestimmtheit.

Apis, Biene.

Apis, der von den Ägyptern verehrte Stier (hap), angeblich von einer jungfräulichen, durch einen Lichtstrahl befruchteten Kuh geboren. Er war nach den griechischen Angaben schwarz, hatte auf der Stirn ein weißes Dreieck, auf dem Rücken das Abbild eines Adlers, am Schweif zweierlei Haare, unter der Zunge einen käferartigen Knoten (scarabaeus) und an der rechten Seite einen weißen Fleck, ähnlich dem Mond, wenn er zu wachsen anfängt. Die ägyptischen Darstellungen zeigen in der That auf der Stirn ein Dreieck, an der Seite schwarze Flecke und auf der Brust manchmal einen Halbmond; auf dem Kopf tragen seine Bildnisse den Diskos mit der Uräusschlange. Sobald ein A. starb, sah man sich nach einem neuen um. War er gefunden, so wurde ihm am Ort seiner Geburt ein nach Osten gelegenes Haus errichtet, in welchem er vier Monate lang mit Milch genährt ward. Mit dem Neumond erfolgte seine Abführung nach Nikopolis; von hier gelangte er nach 40 Tagen auf einer geweihten Gondel in einem vergoldeten Zimmer nach Memphis, wo ihm beim Heiligtum des Phtha eine Wohnung mit zwei kostbaren Gemächern erbaut wurde. Das Tier genoß hier sorgfältigster Pflege, ruhte auf Teppichen, hatte einen Hof zu seiner Bewegung, einen Harem von ausgesuchten Kühen und eine Quelle, aus der allein ihm Wasser gereicht werden durfte. Jeder Mann konnte den A. in seiner Wohnung zu Memphis sehen. Beweise seiner Gottheit gab er durch Orakel, die von dem Wechsel seiner beiden Gemächer sowie von der Annahme oder Nichtannahme von Speise aus der Hand des Fragenden ausgingen. Eine besondere Art derselben waren die durch Kinder bei Aufzügen oder auf ihrem Spielplatz vor dem Tempel des A. gegebenen. Wer den A. befragte, betete vor ihm, hielt sich dann die Ohren zu und begab sich auf den Spielplatz der Kinder. Das erste, was er hier hörte, war der Spruch des A. Bei festlicher Versammlung wurden ihm Opfer dargebracht und zwar nur Tiere seines Geschlechts, besonders durchaus rote Ochsen, deren Reinheit vorher streng geprüft war. Die größte ihm veranstaltete Feier war sein Geburtsfest (beim Steigen des Nils): bei Memphis wurde eine goldene und eine silberne Schale in den Nil gesenkt, der A. mit großer Begleitung umhergeführt, und sieben Tage lang wechselten Aufzüge mit Opfern und Tänzen. Nach 25 Jahren ward er um die Zeit seines Geburtsfestes getötet und in einen heiligen Brunnen gesenkt, der keinem