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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Apolda - Apollo.

als kirchliche Vorleseschriften galten und in der griechischen Kirche wenigstens nie völlig gleichen Rang mit den kanonischen Büchern erhielten, während die lateinische Kirche seit Augustin jeden Unterschied verwischte. Streng haben diesen Unterschied wieder betont die Reformierten, und die Britische und ausländische Bibelgesellschaft ließ seit 1827 die A. sogar ganz aus den Ausgaben der Heiligen Schrift aus, während Luther sie als Bücher beibehielt, "die der Heiligen Schrift nicht gleich zu achten, doch gut und nützlich zu lesen seien". Es sind dies: die drei Bücher der Makkabäer (von welchen Luther nur die zwei ersten übersetzt hat; ein viertes findet sich nur in einigen Handschriften der Septuaginta), das Buch Judith, das Buch Tobit (Tobias), das Buch Jesus Sirach (mit einer von Luther nicht übersetzten Vorrede), das Buch der Weisheit Salomos, das Buch Baruch, der Brief des Jeremias (bei Luther Baruch, Kap. 6), das sogen. dritte Buch Esra (nicht bei Luther, auch vom Tridentinum ausgeschlossen) und einige spätere Zusätze zu den Büchern Daniel, Esther und der Chronik. Zu unterscheiden von diesen Büchern sind die sogen. Pseudepigraphen (s. d.), Nachbildungen biblischer Bücher und Umbildungen biblischer Geschichten, wie das Buch der Jubiläen (s. d.); ebendahin gehören auch fast alle Apokalypsen (s. Apokalyptik). Wie die sämtlichen genannten Bücher von unschätzbarer Wichtigkeit sind für die Kenntnis des unmittelbar vor- und nachchristlichen Judentums, so die neutestamentlichen A. für die Kenntnis teils der Degeneration der christlichen Litteratur, teils der Entwickelung altkirchlicher Traditionen und Dogmen. Eine Masse von neutestamentlichen A., wie z. B. das Hebräerevangelium, ist verloren gegangen. Die erhaltenen apokryphischen Evangelien, Apostelgeschichten, Briefe und Apokalypsen haben Thilo (Leipz. 1832), Tischendorf (das. 1851, 1853, 1866), Wright (Lond. 1871) u. a. herausgegeben. Vgl. auch Lipsius, Die apokryphischen Apostelgeschichten und Apostellegenden (Braunschw. 1883, 2 Bde.); Bonnet, Supplementum codicis apocryphi (Leipz. 1883, Bd. 1). Eine Mittelstellung zwischen kanonischen und apokryphischen Büchern nehmen die sogen. Antilegomena des Neuen Testaments ein, welche die ältere lutherische Kirche eine Zeitlang als A. behandelt und in ihren Bibelausgaben zwar abgedruckt, aber nicht gezählt hat. Es sind dies: der zweite Brief des Petrus, der zweite und dritte des Johannes, die Briefe des Jakobus und des Judas, der Hebräerbrief und die Offenbarung des Johannes (Schriften, welche schon in der alten Kirche nur langsam und mühsam zu kanonischem Range gedeihen konnten). Die alttestamentlichen A. und Pseudepigraphen sind neuerdings kritisch und exegetisch behandelt worden von Fritzsche und Grimm (Leipz. 1851-1860) und Volkmar (das. 1860-63, 2 Bde.).

Apolda, Fabrikstadt im Großherzogtum Sachsen-Weimar, liegt 11 km nordöstlich von Weimar, an der Thüringischen Eisenbahn und am Zusammenfluß des Schöter- und des Herresser Baches (Nebengewässer der Ilm) und hat (1880) 15,630 meist ev. Einwohner. A. ist in industrieller Hinsicht in rapidem Aufschwung begriffen und bildet namentlich für die Fabrikation wollener Strumpf- und Webwaren einen der wichtigsten Plätze Deutschlands. Dieselbe wird teils in großartigen Fabrikgebäuden (in den größern Etablissements von Chr. Zimmermann u. Sohn, Miltsch, Spör u. Francke mit Dampf), teils durch Handarbeit betrieben und beschäftigt etwa 7000 Arbeiter und Arbeiterinnen in und bei A. Die Zahl der arbeitenden Web- und Wirkstühle aller Art, Posamentierstühle und Nähmaschinen wird zu 1600 angegeben, und der jährliche Bezug von Garnen berechnet sich auf 18-20,000 Ztr., woraus ca. 20,000 Ztr. Strumpf- und Webwaren aller Art gefertigt und ein Umsatz von etwa 12 Mill. Mk. erzielt wird. Außerdem hat A. eine bedeutende Fleischwarenfabrik, eine Fabrik für Konditoreiwaren, eine Kistenfabrik, bedeutende Dampffärbereien, 3 mit Eisengießerei verbundene Maschinenfabriken, 2 Glockengießereien, Gas- und Wasserleitung. A. ist Sitz der Direktion des zweiten Verwaltungsbezirks des Landes und eines Amtsgerichts und besitzt eine Realschule. Das Schloß und Rittergut von A., ursprünglich eine Besitzung der Schenken von Vargula und Tautenburg, später der Herren von Vitzthum, gehört seit 1633 der Universität Jena. Vgl. Kronfeld, Geschichte und Beschreibung der Fabrik- und Handelsstadt A. (Apolda 1870).

Apollinaris (A. der ältere), griech. Grammatiker aus Alexandria, Presbyter von Laodikeia, faßte in der Mitte des 4. Jahrh. n. Chr., um die Profanlitteratur zu verdrängen, die alttestamentlichen Geschichtsbücher in Homerische Form und schrieb biblische Lustspiele, Tragödien und Hymnen nach dem Muster des Menander, Euripides, Pindar u. a. Man hat ihm fälschlich eine Paraphrase des Psalters in Hexametern (hrsg. von Sylburg, Heidelb. 1569) beigelegt, welche vielmehr von einem um 450 lebenden A. verfaßt ist.

Apollinarisberg, Anhöhe bei Remagen am Rhein, früher mit einer 1117 gestifteten, als Wallfahrtsort berühmten Propstei, die 1836 in Besitz des Grafen Egon von Fürstenberg kam, der an ihrer Stelle die prachtvolle neue Apollinariskirche erbauen ließ. Letztere wurde 1839-53 nach Zwirners Plan im gemischten gotisch-romanischen Stil aufgeführt, hat vier Türme, im Innern wertvolle Fresken (von Deger, A. und K. Müller, Ittenbach u. a.) und enthält seit 1857 in der Krypte in einem Sarkophag aus dem 14. Jahrh. die Reliquien des heil. Apollinaris.

Apollinarismus, in der Christologie die auf dem zweiten ökumenischen Konzil 381 als ketzerisch verworfene Ansicht des Bischofs Apollinaris von Laodikeia (gest. 390), welcher zufolge der göttliche Logos in Christus die Stelle der menschlichen vernünftigen Seele vertreten haben soll.

Apollinarisquelle, alkalischer Säuerling mit etwa 0,935 kohlensaurem Natron in 1 Lit., entspringt den Basalten des Ahrthals zu Heimersheim, ist sehr reich an Kohlensäure, von angenehmem Geschmack und als Luxusgetränk sehr beliebt. Jährlicher Absatz ca. 9 Mill. Krüge und Flaschen.

Apollino ("kleiner Apollo"), berühmte antike Marmorstatue des jugendlichen Apollon (s. d.) in den Uffizien zu Florenz, stellt den Gott, wie ausruhend, an einen Baumstamm gelehnt und den rechten Arm über das Haupt schlagend dar.

Apollinopolis, Name zweier altägypt. Städte:

1) A. magna, Hauptstadt eines Nomos in Thebais, am westlichen Ufer des Nils, südlich von Theben, mit prachtvollem Horustempel, später Bischofsitz; jetzt Edfu (s. d.). - 2) A. parva, am rechten Nilufer, unterhalb Theben, das zur Zeit der Kalifen und Mameluckensultane für die reichste Stadt Oberägyptens galt; jetzt Kus.

Apollo (Alpenfalter, Parnassius Apollo L.), Schmetterling aus der Familie der echten Tagfalter, 8 cm breit, mit abgerundeten, mehlweißen Flügeln, von denen die vordern schwarz gefleckt, mit glasheller Spitze, die hintern mit zwei karminroten, schwarz umringten Augenflecken versehen sind. Das Weibchen besitzt am Hinterleib eine Art Tasche, welche durch