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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Apologie der Augsburgischen Konfession - Apostasie.

Christentums zu retten durch Erweisung der Notwendigkeit der Offenbarung, der Wunder und Weissagungen. Vom Standpunkt eines ästhetisierenden, romantischen Katholizismus verteidigte Chateaubriand (s. d.) den "Genius des Christentums" (1802). Nach der allgemeinen Wiedererweckung des religiösen Lebens im 2. und 3. Dezennium unsers Jahrhunderts, und nachdem um 1830 scheinbar eine völlige Versöhnung zwischen dem Christentum und der Philosophie eingetreten war, haben sich um so bedrohlicher die entschieden antichristlichen, materialistischen und positivistischen Richtungen unsrer Tage entwickelt, denen gegenüber jede A. zuerst die Grundvoraussetzungen des Christentums, die Begriffe Gott, Religion und Offenbarung, zu sichern hat. Wie nun aber das apologetische Material zu benutzen sei, um teils die Wahrheit der Religion an sich, teils insonderheit das Christentum als die vollkommene Religion zu erweisen, das zu lehren, ist die Aufgabe der Apologetik, d. h. derjenigen wissenschaftlichen Disziplin, welche die Grundsätze für die Verteidigung von Religion und Christentum aufstellt. Den Namen führte Planck ("Einleitung in die theologischen Wissenschaften", Götting. 1793-95) in die Wissenschaft ein. Verwandt ist die Apologetik mit der Polemik und Irenik. Vgl. Stirm, A. des Christentums (2. Aufl., Stuttg. 1856); Delitzsch, System der christlichen Apologetik (Leipz. 1869); Luthardt, Apologetische Vorträge (10. Aufl., das. 1883); Steinmeyer, Apologetische Beiträge (Berl. 1866-73, 4 Tle.); Baumstark, Christliche Apologetik auf anthropologischer Grundlage (Frankf. 1872-78, 2 Bde.); Ebrard, Apologetik (Gütersl. 1874-75, 2 Bde.); vom katholischen Standpunkt: Drey, Die Apologetik als wissenschaftliche Nachweisung der Göttlichkeit des Christentums (2. Aufl., Mainz 1844-47, 3 Bde.); Hettinger, A. des Christentums (5. Aufl., Freiburg 1875 bis 1878, 2 Bde.); Weiß, A. (das. 1874-84, 4 Bde.).

Apologie der Augsburgischen Konfession, symbolisches Buch der lutherischen Kirche, eine Rechtfertigung der Augsburgischen Konfession und eine Widerlegung der auf kaiserlichen Befehl angefertigten Konfutation derselben. Verfaßt wurde sie von Melanchthon nach den mündlichen und schriftlichen Relationen über die Konfutation, die den evangelischen Ständen nicht eingehändigt wurde. Die A. ward 22. Sept. 1530 dem Kaiser Karl V. überreicht, aber von ihm nicht angenommen. Da die Katholiken wiederholt behaupteten, daß die Augsburgische Konfession widerlegt sei, so unternahm Melanchthon auf Grund einer jetzt erst erlangten Abschrift der Konfutation eine gründliche Umarbeitung der A., die er "Apologie der Konfession" nannte. Dieselbe erschien im April 1531 lateinisch, im Oktober d. J. deutsch von Justus Jonas. Vgl. Plitt, Die Apologie der Augustana geschichtlich erklärt (Erlang. 1873).

Apologismus (griech.), in der Rhetorik eine Figur, mit welcher der Redner seinem Gegner etwas einräumt, wovon er weiß, daß er es doch nicht gebrauchen kann.

Apomorphīn C17H17NO2 ^[C_{17}H_{17}NO_{2}] entsteht beim Erhitzen von Morphin oder Kodein mit Schwefelsäure oder Salzsäure auf 150°, bildet eine farblose, amorphe Masse, löst sich schwer in Wasser, leicht in Alkohol, Äther und Chloroform, färbt sich an der Luft unter Sauerstoffannahme schnell grün und löst sich dann nur noch teilweise. Das salzsaure A. ist kristallisierbar, in Wasser leicht löslich. A. bewirkt in höchst geringen Dosen, besonders bei Einspritzung unter die Haut, sehr schnelles Erbrechen und eine bald und ohne üble Folgen vorübergehende Abgespanntheit. Selbst längere Berührung des Apomorphins mit den Händen bringt diese Wirkung hervor. Man benutzt es daher in besondern Fällen als Brechmittel.

Aponeurōsis (griech.), Sehnenhaut eines Muskels, z. B. A. palmaris, in der Hohlhand.

Apopémptikon (griech.), Gedicht eines Scheidenden an die Zurückbleibenden.

Apophthégmen (griech.), kurze, inhaltsvolle Sinnsprüche, wie die Sprüche der Sieben Weisen Griechenlands: "Nicht zu viel!", "Maß halten ist gut!" etc. Sammlungen der gefeiertsten A. der Alten gaben Plutarch, Manutius, Lykosthenes u. a. heraus. Apophthegmatisch, kurz, geistreich, kräftig, in Bezug auf mündlichen oder schriftlichen Ausdruck.

Apophyllīt (Ichthyophthalm, Fischaugenstein, Albin), Mineral aus der Ordnung der Silikate (Zeolithgruppe), kristallisiert tetragonal, in säulen- oder tafelförmigen, zu Drusen oder schalenförmigen Aggregaten verbundenen Kristallen, ist farblos bis rosenrot, selten braun, kantendurchscheinend bis durchsichtig, glasglänzend, Härte 4,5-5, spez. Gew. 2,3-2,4. Er besteht aus kieselsaurem Kalk mit Fluorkalium 4(H2CaSi2O6+aq)+KFl ^[4(H_{2}CaSi_{2}O_{6}+aq)+KFl] und findet sich in den Blasenräumen der Mandelsteine bei Aussig, im Fassathal, auf Island, den Faröern, in Ostindien, auf Erzgängen und Lagern bei Andreasberg, Kongsberg, Freiberg, Utöen, Oravicza etc.

Apophysis (griech.), in der Anatomie das Endstück eines Knochens. In der Geologie heißen Apophysen Ausläufer eines Ganges (oder eines Stockes), welche als Ausfüllungen von Nebenspalten oft tief in das Nachbargestein eindringen (vgl. Trum).

Apoplexīe (griech.), s. v. w. Schlagfluß.

Aporēm (griech. Aporēma), schwierige Aufgabe, Streitfrage; aporematisch, zweifelhaft.

Aporti, Ferrante, ein um das Erziehungswesen sehr verdienter ital. Abbate, geb. 20. Nov. 1791 zu San Martino dell' Argine. Er war der erste, welcher in Italien (seit 1827) Kinderschulen (asili d'infanzia) errichtete, in welchen man teilweise die Fröbelsche Methode befolgte. Seine Schriften haben die Erneuerung des öffentlichen Schulunterrichts in Italien nach modernen Grundsätzen angebahnt. Wegen seiner freisinnigen Ansichten war er 1848 gezwungen, sich nach Piemont zu wenden, wo er in Turin 29. Nov. 1858 als Senator und Rektor der Universität starb, nachdem er Kandidat für den erzbischöflichen Stuhl von Genua gewesen.

Aposepedīn, s. Leucin.

Aposiopēsis (griech., lat. Reticentia, "Verschweigung"), rhetor. Figur, wobei man mitten in der Rede abbricht und dem Hörer die Ergänzung überläßt, um entweder Besorgnis und Scheu oder Zorn auszudrücken. Berühmt ist die A. in Vergils "Äneide", I, 139: "Quos ego!", entsprechend unserm: "Ich will euch -".

Aposphragisma (griech.), Siegelabdruck.

A posse ad esse (lat., "vom Können auf das Sein"), von der Möglichkeit auf die Wirklichkeit (schließen); s. Ab esse ad posse valet etc.

Apostasīe (griech.), öffentliche Lossagung von der christlichen Kirche. Die Kirche straft die A. mit Exkommunikation. Im spätern römischen Staat und im Mittelalter wurde A. auch als bürgerliches Verbrechen bestraft und seit Bonifacius VIII. der Ketzerei gleichgestellt. Die A. war häufig während der Christenverfolgung im römischen Reich, dann unter der Herrschaft des Islam. Das katholische Kirchenrecht kennt ferner eine A. vom Ordensgelübde, nämlich in