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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Apostelkonvent - Apostolische Kirche.

16, 10-17; 20, 5-15; 21, 1-18; 27, 1 ff.; 28, 1-16, wo mit "wir" erzählt wird. In der ersten Hälfte hat die Darstellung mehr den Charakter des Wunderbaren und Sagenhaften festgehalten als in der zweiten, wo sie namentlich gegen den Schluß als auf Augenzeugenschaft beruhende Berichterstattung erscheint. Dagegen ist es sehr schwer, wenn nicht unmöglich, zwischen den Angaben über die Wirksamkeit des Paulus, die sich in den Briefen desselben finden, und denen der A., namentlich in Bezug auf den sogen. Apostelkonvent und auf des Paulus Verhältnis zu Petrus eine volle Übereinstimmung herzustellen. Hieran knüpft sich die verschiedene Beurteilung des Werts, den die Schrift für die Kenntnis des apostolischen Zeitalters hat. Im Gegensatz zu der ältern Auffassung als einer streng geschichtlichen Darstellung wies die sogen. Tendenzkritik (Schneckenburger, Baur, Schwegler, Zeller, Overbeck) auf den sichtlich hervortretenden Parallelismus zwischen Petrus und Paulus, der sich ebenso auf die erduldeten Leiden wie auf die wunderbaren Kraftwirkungen und göttlichen Führungen beziehe, und auf die konsequente Unterdrückung aller Spuren der Kämpfe hin, welche der geschichtliche Paulus mit den pharisäischen Judenchristen zu bestehen hatte. Jedenfalls will der Verfasser den Bau der christlichen Kirche und die Thätigkeit des Apostels Paulus schildern nach der Auffassung des spätern, katholisch werdenden Christenheidentums (um den Anfang des 2. Jahrh.), das für eine unmittelbare Stiftung des Apostels gelten wollte und kein Bewußtsein von einer dazwischenliegenden Entwickelung hatte. Vgl. unter andern De Wette, Einleitung in die A. (4. Aufl., hrsg. von Overbeck, Leipz. 1870).

Apostelkonvent, Bezeichnung der in der katholischen Geschichtschreibung als erstes Konzil geltenden Konferenz, welche die Urapostel Petrus, Jakobus und Johannes mit den Heidenmissionären Paulus und Barnabas etwa um 52 zu Jerusalem pflogen. Das Resultat derselben war nach Gal. 2, 1-10 gegenseitige Anerkennung, Abgrenzung der Missionsgebiete und Freigebung der gebornen Heiden gegenüber den Ansprüchen des mosaischen Gesetzes, nach Apostelgesch. 15 überdies noch ein förmliches Konkordat, durch welches die Heidenchristen im Widerspruch mit Gal. 2, 10 zur Beobachtung der jüdischen Sitte in vier besonders wichtigen Punkten verpflichtet wurden.

Apostelkrug, Deckelkrug aus Steingut, dessen Bauch mit den Bildern der zwölf Apostel in bunt emailliertem, aufgelegtem Relief verziert ist. Die Apostelkrüge wurden aus einer dunkelbraunen Thonmasse meist in Kreußen bei Baireuth im 16. und 17. Jahrh. verfertigt (s. nebenstehende Abbildung).

^[Abb.: Apostelkrug (Germanisches Museum in Nürnberg).]

Apostelorden (Apostelbrüder, Apostoliker), eine der verweltlichten Richtung der Kirche entgegentretende Sekte gegen Ende des 13. Jahrh., war gestiftet von Gerhard Segarelli, einem Gewerbsmann aus Parma, der als Bußprediger in der Kleidung eines Apostels Italien durchzog und die einfache Form der apostolischen Lebensgemeinschaft wiederherzustellen suchte. Segarelli wurde mehrmals verhaftet und mußte 1300 den Scheiterhaufen besteigen. Trotzdem breitete sich unter der Führung Dolcinos aus Mailand die Sekte weiter aus. In schwärmerischer Weise verkündigte sie den Umsturz der Hierarchie und forderte allgemeine Rückkehr zur apostolischen Armut. Gegen das Kreuzheer des Bischofs von Vercelli verteidigten sich die Apostelbrüder zwei Jahre lang tapfer; endlich wurde Dolcino 1307 bei Vercelli geschlagen und verbrannt, seine Anhänger aber verloren sich unter den Fraticellen und Begharden.

Apostelteilung, ein nicht mehr gefeiertes Fest der katholischen Kirche (15. Juli), welches sich ursprünglich auf die Legende bezog, wonach die Apostel behufs der Ausbreitung der christlichen Lehre sich in die Länder der Erde geteilt haben sollen.

Apostem (griech.), Eitergeschwür, Absceß; apostematöse Entzündungen, solche, welche zur Eiterung führen, z. B. in Nieren nach Blasenkatarrh etc.

A posteriori, s. A priori.

Apostill (neulat. Apostillum), beglaubigte Nachschrift zu einem Dokument, besonders einer Supplik; dann Reskript auf eine Supplik, besonders wenn es gleich an den Rand derselben gesetzt ist; daher s. v. w. Randbemerkung überhaupt.

Apostolische Briefe, Lehr- und Ermahnungsschreiben im Neuen Testament, von Aposteln an christliche Gemeinden oder an einzelne Christen gerichtet. Man teilt sie in die 13 Paulinischen, welchen als 14. der Brief an die Hebräer sich anreiht, und in die 7 katholischen. Mehrere von Aposteln verfaßte Briefe sind verloren gegangen, z. B. ein Brief (der erste) des Paulus an die Korinther (1. Kor. 5, 9) und ein Brief desselben an die Laodicenser (Kol. 4, 15).

Apostolische Gemeinde, christl. Gemeinde, deren Gründer und Lehrer ein Apostel war, z. B. die zu Jerusalem, Antiochia, Ephesus, Rom; im weitern Sinn s. v. w. apostolische Kirche.

Apostolische Junta, s. Apostolische Partei.

Apostolische Kanones, eine Sammlung von 85 kirchlichen Rechtssätzen, die sich meist auf Leben und Amtsführung des Klerus beziehen und teils aus der Heiligen Schrift, teils aus Synodalschlüssen entlehnt sind. Die Entstehung der Sammlung ist zwischen das Ende des 4. und die Mitte des 5. Jahrh. zu setzen und in Syrien zu suchen. Die griechische Kirche hat (692) die ganze Sammlung anerkannt, die römische dagegen nur die 50 Kanones, welche Dionysios der Kleine in seine Kanonsammlung aufgenommen hatte. Die apostolischen Kanones sind als Anhang den apostolischen Konstitutionen (s. d.) angefügt.

Apostolische Kirche, die Christenheit im Zeitalter und unter der Leitung der Apostel und ihrer nächsten Schüler. Als Ehrentitel und nach der ihnen nach Ursprung und Alter gebührenden Würde nehmen die