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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Aprikosenöl - Apsaras.

Holzfaser, Kern und Schale, 0,82 Mineralstoffe. Aus den Kernen wird fettes Öl gepreßt (0,919 spez. Gew., Ausbeute über 50 Proz., dient in Südfrankreich zur Verfälschung des Mandelöls), aus den bittern Kernen wird Branntwein bereitet; die verkohlten Steine geben schwarze Tusche; das Holz dient zu Drechslerarbeiten. Mandelaprikosenbaum (Amygdalopsis Lindleyi Carr., Prunus [armeniaca] triloba Lindl.), ein 1-2 m hoher, prachtvoller Blütenstrauch mit eirundlichen, doppelt gesägten, oben bisweilen dreilappigen, unterseits grau behaarten Blättern, einzeln stehenden, rosafarbigen Blüten und rundlichen, behaarten Früchten, in China, wird bei uns, auch mit gefüllten Blüten, als Zierstrauch kultiviert und gehört zu den beliebtesten Ziersträuchern. Auch P. (a.) tomentosa Thunb. aus Nordchina, mit breit elliptischen, gesägten, unterseits weichhaarigen Blättern und kleinen, eirundlichen Früchten, wird als Zierstrauch kultiviert.

Aprikosenöl, s. v. w. Aprikosenäther.

Aprikosenspinner (Lastträger, Sonderling, Orgyia antiqua L.), Schmetterling aus der Familie der Spinner (Bombycidae). Das Männchen ist 26 mm breit, hat breite, kurze, rostbraune Flügel; die vordern sind dunkler schattiert, am Innenwinkel mit weißem Fleck; das Weibchen ist wollig gelbgrau behaart und hat statt der Flügel nur sehr kurze Läppchen. Der Schmetterling erscheint Ende Juni und Juli, zum zweitenmal im September, ist in manchen Jahren sehr häufig und dann schädlich, in andern wieder selten. Die aus dem überwinterten Ei entschlüpfte Raupe ist aschgrau mit weißen, rotgelben und schwarzen Längslinien, bürstenartigen Bündeln gelber oder brauner Haare sowie einem Pinsel sehr langer, schwarzer Haare auf dem vorletzten Ring, nährt sich von den Blättern der Obstbäume, Rosen und vieler Laubhölzer, auch der Heidelbeeren und mancher Topfgewächse, verpuppt sich im Juni in einem aus ihrem Haar gefertigten Gewebe an einem Baumstamm oder zwischen einigen Blättern, und nach 14 tägiger Ruhe schlüpft der Spinner aus. Das Weibchen wird auf dem Puppengespinst befruchtet und legt auf demselben; und in der nächsten Umgebung seine weißgrauen Eier ab, die zum Teil überwintern. Die auskriechenden Räupchen liefern bis zum September die zweite Generation. Auf das Ablesen der Eier und Raupen beschränken sich die Gegenmittel.

April (lat. Aprīlis, nach Ovid von aperire, öffnen, "weil der Frühling alles öffnet"), nach dem julianischen Kalender der vierte, nach dem altrömischen Kalender der zweite Monat, von Karl d. Gr. Ostermonat genannt wegen des gewöhnlich in denselben fallenden Osterfestes. Er hat jetzt 30 Tage, während er bis Julius Cäsar nur 29 zählte. Die Sonne tritt im A. in das Zeichen des Stiers. Die mittlere Veränderlichkeit der Temperatur, d. h. der Mittelwert von allen in einem möglichst großen Zeitraum für den Monat vorgekommenen Abweichungen von der ihm zukommenden Mitteltemperatur, ist im A. geringer als im März und ungefähr ebenso groß wie im Mai. Sie beträgt für das nordöstliche Europa 1,6, für die baltischen Länder 1,2, für Deutschland 1,6, für Westeuropa 1,3, für England 1,0, für Italien 1,2° C. Für das mittlere und südliche Deutschland kommen durchschnittlich im A. die ersten Gewitter vor.

Aprilblume, s. v. w. Anemone nemorosa.

Aprilschicken, s. Aprilsnarr.

Aprilsnarr (franz. Poisson d'avril "Aprilfisch"; engl. April-fool, ital. Calandrino, nach dem bekannten gefoppten Narren des Boccaccio), Spottname eines "in den April Geschickten". Die Sitte, am 1. April jemand anzuführen, zu einem vergeblichen Gang zu vermögen, mit einem ihn lächerlich machenden Auftrag irgendwohin zu schicken etc., soll aus der Sitte der römischen Kirche, die Leidensgeschichte Christi öffentlich darzustellen, herrühren und wäre ursprünglich nur eine Veranschaulichung des spottvollen Hin- und Herschickens Christi. Andre leiten die Sitte von dem veränderlichen und trügerischen Aprilwetter ab. Dem germanischen Altertum ist sie unbekannt und hat erst in den letzten Jahrhunderten von Frankreich her bei uns Eingang gefunden. Wahrscheinlich ist sie ein Überbleibsel keltischen Heidentums, der letzte Rest eines zu Anfang des Aprils mit Possen, Späßen und lustigen Schwänken gefeierten Frühlingsfestes, wie es noch jetzt in Indien unter dem Namen Hul üblich ist. Da das Aprilschicken sich in der französischen Litteratur mit Sicherheit nur bis ins 16. Jahrh. zurückverfolgen läßt, so hat die Meinung Quitards, daß sie mit der Verordnung Karls IX., welche das Neujahrsfest 1564 vom 1. April auf den 1. Januar verlegte und damit die ehemals am 1. April üblichen Neujahrsgeschenke aufhob, in Verbindung stehe, eine gewisse Wahrscheinlichkeit. Die an Neujahrsgeschenke gewöhnten Personen wären seitdem von dem 1. Januar auf den 1. April und umgekehrt vertröstet worden. Den Namen Poisson d'avril leitet Quitard von dem Frühlingszeichen der Fische (der Tierkreis war damals viel populärer als heute), andre von dem Beginn der Fischerei am 1. April und der Verwendung einer nur zu dieser Zeit an den französischen Küsten gefangenen wohlschmeckenden Makrele, die ebenfalls den Namen Poisson d'avril führt und ein gebräuchliches Neujahrsgeschenk gewesen sein soll, ab.

A prima vista (ital.), s. A vista.

A priōri und a posteriōri (lat.), zwei philosoph. Kunstausdrücke, welche sich auf die Lehre von dem Ursprung der menschlichen Vorstellungen und Erkenntnisse beziehen. Solche Vorstellungen und Erkenntnisse, von denen man annimmt, daß sie der menschliche Geist unabhängig von der Erfahrung rein aus sich selbst erzeuge, heißen a priori, solche dagegen, welche erst durch die Erfahrung gewonnen werden, a posteriori. Dieser Sprachgebrauch rührt daher, daß man jene, welche ein begriffsmäßiges, schlechthin (apriorisch) allgemeines und notwendiges Fürwahrhalten, d. h. "Wissen", begründen, für das Frühere (prius), diese, auf welchen das erfahrungsmäßige, nur "komparativ" allgemeine und mehr oder minder wahrscheinliche Fürwahrhalten, d. h. "Glauben", beruht, für das Spätere (posterius) hielt. Auch nennt man jene reine oder transcendentale, diese empirische Vorstellungen und Erkenntnisse. Der Streit, ob es ganz reine Erkenntnisse a priori gebe, bei welchen die Erfahrung gar nicht mitwirkend sei, fällt mit jenem der Rationalisten, die sämtliche Ideen für das Werk der reinen Vernunft, und der Sensualisten, die sie für ein solches der Sinne erklären, zusammen, ist aber noch zu keiner allgemein gültigen Entscheidung gebracht.

A propos (franz., spr. -poh), "bei passender Gelegenheit", s. v. w. was ich sagen wollte, da fällt mir eben ein; auch substantivisch, s. v. w. passend angebrachter Einfall.

Apsaras, im Weda. Bezeichnung einer Klasse von weiblichen Geistern, die in der Luft schweben und mit den Gandharwen (s. d.) vermählt sind. Sie können ihre Gestalt verwandeln, lieben das Würfelspiel und verleihen Glück, können aber auch Geistesstörung bringen; daher werden sie im Atharwa-Weda mit Zaubersprüchen beschwichtigt. Sie erinnern an die griechischen