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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Apscheron - Apulejus.

Nymphen. In der spätern Religionsanschauung beglücken sie, ähnlich den islamitischen Houris, die Bewohner von Indras Himmel. Besonders bekannt unter den A. ist Urwaçî; deren Liebesverhältnis zu König Purûrawas den Inhalt eines Dramas von Kalidasa (s. d.) bildet.

Apscheron, Halbinsel an der Westküste des Kaspischen Meers, zum russ. Gouvernement Baku gehörig, ist besonders wegen ihrer vulkanischen Beschaffenheit und der fortwährend brennenden Naphthaquellen und Schlammvulkane bei der Stadt Baku (s. d.) merkwürdig.

Apsīden (griech.), in der Astronomie die beiden äußersten Punkte der elliptischen Planeten- oder Kometenbahnen: das Perihel oder die Sonnennähe und das Aphel oder die Sonnenferne. Ihre Verbindungslinie heißt die Apsidenlinie und fällt mit der großen Achse der Ellipse zusammen. Vgl. Anomalie.

Apsis (griech., "Rundung, Gewölbe", mittellat. absida, Abseite), halbkreisförmiger, meist mit einer Halbkuppel überwölbter Raum, wie ihn zuerst die Römer u. a. an ihren Tempeln, Basiliken, Palästen, Thermen in Form größerer oder kleinerer Nischen anwandten. In der altchristlichen Baukunst behielt man die für das Tribunal bestimmte große Nische der Basiliken zum Abschluß des hintern Endes der Kirchen, wo der Altar stand, bei und nannte sie A. Die Apsiden wurden an dem hintern Ende entweder nur des Mittelschiffs oder auch der Seitenschiffe angebracht, um Seitenaltäre aufzunehmen, wobei deren Fußboden immer etwas über den jener Schiffe erhöht wurde. Erst später, als der Ritus verwickelter wurde und eine größere Zahl von Geistlichen erforderte, welche sich mehr und mehr von der Gemeinde absonderten, wurde zwischen die A. und das Querschiff noch ein Raum mit rechteckigem Grundriß eingeschoben, dessen Fußboden ebenfalls erhöht wurde. Dieser Raum, in welchen man den früher im Schiff befindlichen Chorus aufnahm, und der deshalb den Namen des hohen Chors erhielt, wurde gegen das Schiff durch eine Schranke abgeschlossen, blieb aber mit der A. in Verbindung und bildete mit dieser die für die Geistlichkeit abgesonderte Abteilung der Kirche (s. Baukunst, Kirche und Basilika, wo der Grundriß die Lage der A. zeigt).

Apt (spr. apt oder att), Arrondissementshauptstadt im franz. Departement Vaucluse, am Calavon, über den 4 km unterhalb der Stadt eine Römerbrücke führt, und an einer Zweiglinie der Bahn Lyon-Marseille, hat eine ehemalige Kathedrale und (1881) 4260 Einw., welche Kerzen, Hüte, Fayence, Seide und Konfitüren fabrizieren und Handel mit Südfrüchten treiben. A. ist sehr alt, ward von den Römern zerstört und von Julius Cäsar wieder aufgebaut, wonach es den Namen Apta Julia annahm. Es war bis 1801 Bischofsitz.

Aptenodytes, Pinguin.

Aptēren (Aptĕra, griech., "Flügellose"), bei Linné nach dem Vorgang von Aristoteles die flügellosen Gliedertiere, also die Krebse, Spinnen und Tausendfüße; bei spätern Entomologen nur eine kleine Gruppe flügelloser Insekten, wie Flöhe, Läuse, Pelzfresser etc., gegenwärtig meist nur noch die Springschwänze (Thysanura oder Poduridae) und Verwandte, welche indes von manchen Zoologen, obwohl weniger richtig, als Unterordnung Thysanura zu den Geradflüglern gestellt werden. Die A. besitzen ausnahmslos keine Flügel; ihre Haut ist meist behaart oder beschuppt, ihre Augen sind fast immer einfach, ihre Mundteile zum Kauen eingerichtet. Es ist keine Metamorphose vorhanden. Das Tracheensystem ist bei manchen sehr einfach, jedoch, wie überhaupt die innern Organe der A., noch nicht genau genug bekannt. Man unterscheidet mehrere Familien, darunter die Borstenschwänze (Lepismatidae; hierher der Zuckergast, Lepisma) und die Springschwänze (Poduridae).

Aptĕryx, Kiwi; Apterygidae (Schnepfenstrauße), Familie aus der Ordnung der Straußvögel.

Aptien (Terrain Aptien, spr. apßjang, benannt nach der Stadt Apt), s. Kreideformation.

Aptieren (lat.), anpassen, anbequemen, z. B. bei Gewehrkonstruktionen.

Aptóton (griech.), indeklinables Hauptwort.

Aptychus, nach der früher verbreiteten Ansicht die Deckel der Ammoniten, nach andern Paläontologen innere Hartgebilde von Tintenschnecken. Es sind meist zweiklappige Kalkschalen, die sich nicht zusammenklappen lassen, seltener aus Einem Stück bestehende Hornschalen. Besonders häufig sind sie in der ganzen Juraformation und untern Kreide (s. Tafel "Juraformation I"). Nach ihnen ist eine mächtige Folge von Kalkschiefern der Alpen Aptychenschiefer benannt.

Apuanische Alpen, eine durch das obere Thal des Serchio geschiedene Parallelkette des südöstlichsten Ligurischen Apennin, mit diesem im Stock der Alpe di Succiso verknotet, mit außerordentlichem Steilabfall zum Meer, erreicht im Monte Pisanino 2014 m. Die hohe Bedeutung des Gebirges beruht darauf, daß es zum großen Teil aus dem edelsten Marmor besteht, das größte bekannte Marmorgebirge, schon von den Alten ausgebeutet, von Michelangelo sozusagen neuentdeckt. Wo die Felsen geöffnet sind, bei Carrara, bei Massa und an andern Punkten, leuchtet der schneeweiße Marmor weithin. Ein dichter, eisenschüssiger Kalkstein bildet die Basis des Gebirges, darüber lagert protogynähnlicher Gneis und hierüber die Marmormassen, welche aus unzweifelhaft sedimentärer Bildung, wie jetzt sicher nachgewiesen zu sein scheint, der Kohlenformation, durch Metamorphose ihren jetzigen Charakter erhalten haben.

Apulējus, Lucius, röm. Rhetor und Satiriker, geboren um 130 n. Chr. zu Madaura in Numidien. Nach seiner ersten Ausbildung in Karthago studierte er zu Athen Platonische Philosophie, unternahm dann mehrere Reisen, wobei er sich in die verschiedenen Mysterienkulte einweihen ließ, und lebte kurze Zeit als Sachwalter in Rom, wo seine Beredsamkeit Aufsehen erregte. Nach Afrika zurückgekehrt, heiratete er die bedeutend ältere Mutter eines Freundes, Ämilia Pudentilla, und zog sich dadurch seitens der Anverwandten die Anklage zu, durch Zaubermittel die Liebe der reichen Witwe erworben und den Tod ihres Sohns herbeigeführt zu haben, eine Beschuldigung, die er in der erhaltenen Apologie "De magia" mit vielem Witze zurückweist. Hierauf ließ sich A. zu Karthago nieder, wo er als Redner und durch seine Schriften zu großem Ansehen gelangte. Sein Hauptwerk ist ein satirischer Roman: "Der goldene Esel" ("Metamorphoseon s. De asino aureo libri XI"), wozu er den Stoff aus Lukian schöpfte (Ausgabe von Eyssenhardt, Berl. 1869; übersetzt von Rode, das. 1790). Er schildert darin mit Witz und Laune die Sitten und Gebrechen seiner Zeit in gewandter, aber oft schwülstiger und bis zur Geschmacklosigkeit affektierter, altertümelnder Sprache. Von den zahlreichen Episoden (vgl. O. Jahn, Novelletten aus A., in "Aus der Altertumswissenschaft", Bonn 1868) ist die schönste das freilich nicht von ihm selbst erfundene Märchen von "Amor und Psyche", nach Herder der zarteste und vielseitigste Roman, der je erdacht worden (besonders ^[folgende Seite]