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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: A quatre; Äquatorialstrom; Äquatorialzone; Aquavit; Aquaviva; Äquer; Aquifoliaceen; Aquila; Aquila degli Abruzzi; Aquilaria

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Äquatorialstrom - Aquilaria.

Äquatorialstrom, eine vom Äquator nach einem der Pole gerichtete Strömung; s. Meer (Strömungen) und Wind.

Äquatorialzone, s. v. w. Äquinoktialzone.

A quatre (franz., spr. kattr; ital. a quattro), zu vieren. A quatre mains, vierhändig; à quatre seuls (a quattro soli), Soloquartett; a quattro voci, vierstimmig. A quatre épingles, "mit vier Nadeln", im übertragenen Sinn zur Bezeichnung einer akkuraten, geschniegelten, stutzerhaften Toilette.

Aquavit (lat. aqua vitae, "Lebenswasser"), Branntwein, Likör.

Aquaviva, Claudio, vierter General des Jesuitenordens, geb. 14. Sept. 1543 aus einer neapolitan. Familie, trat in seinem 25. Jahr in den Jesuitenorden, wurde Provinzial in Neapel, 1581 General des Ordens. Als solcher suchte er dem Orden, den er gewissermaßen neu begründete, nach außen hin Geltung und durch planmäßige Erziehung der Mitglieder sowie durch konsequente Durchführung einer streng einheitlichen Organisation innere Kraft zu verschaffen. Er starb 31. Jan. 1615 in Rom. A. ließ die "Ratio studiorum Societatis Jesu" (zuerst Rom 1586) und das "Directorium exercitiorum spiritualium" ausarbeiten. Auch seine "Epistolae XVI" und "Industriae ad curandos animae morbos" wurden öfter (zuerst Vened. 1606) gedruckt.

Äquer (Aequi), altital. Volk im latinischen Bergland am obern Anio und Tolenus, mit den Sabinern stammverwandt, bekämpfte in Verbindung mit den Volskern über ein Jahrhundert die Römer und deren Verbündete, bis es durch Camillus (389 v. Chr.) gedemütigt und im Samniterkrieg (304) völlig unterworfen wurde. Ein Gau hieß die kleinen Ä. (Äquicolani). Im Gebiet der Ä. lagen Präneste und Tibur sowie der Berg Algidus.

Aquifoliaceen (Ilicineen, stechpalmenartige Gewächse), dikotyle, etwa 150 Arten umfassende Pflanzenfamilie aus der Ordnung der Frangulinen, immergrüne Holzgewächse mit regelmäßigen, vier- oder fünfzähligen Blüten und Beerenfrüchten, von den nächst verwandten Celastrineen durch den fehlenden Blütendiskus und die einzelnen hängenden Ovula verschieden. Die A. gehören der tropischen und den angrenzenden Zonen an, finden sich in Amerika am häufigsten, nur wenige im tropischen Asien und in Europa (hier die Stechpalme, Ilex aquifolium L.). In Südamerika wird der Paraguaythee oder Maté von Ilex paraguayensis geschätzt. Arten von Prinos und Ilex sind, meist in Blattabdrücken, als Vertreter dieser Familie in der Tertiärflora bekannt.

Aquila, Adler; A. alba, der Stein der Weisen.

Aquila, 1) (A. aus Pontus, Ponticus) jüd. Proselyt, Verfasser einer griechischen wortgetreuen Übersetzung des Alten Testaments, welche die Septuaginta (s. d.) ersetzen sollte, und die Origenes in sein Bibelwerk (Hexapla) aufnahm, lebte unter Hadrian, der Sage nach dessen Schwiegersohn; aus Sinope gebürtig und bei dem Neubau Jerusalems beschäftigt. Ursprünglich Heide, soll er Christ geworden, aber zum Judentum übergetreten sein.

2) Kaspar, Freund und Gehilfe Luthers, geb. 7. Aug. 1488 zu Augsburg, ward 1514 Prediger in Bern, 1515 Feldprediger bei Franz von Sickingen. Weil er Luthers Lehrsätze verkündigte, ward er gefangen gesetzt, aber auf Verwendung der Königin Isabella von Dänemark, Schwester Karls V., freigelassen, worauf er sich 1520 nach Wittenberg und von da auf Schloß Ebernburg zu Franz von Sickingen als Lehrer der Kinder desseben^[richtig: desselben] begab. 1524-27 lebte er als Prediger und Lehrer in Wittenberg und war hier thätiger Mitarbeiter Luthers an der Bibelübersetzung. Im J. 1528 ward er Superintendent in Saalfeld und führte hier die Reformation durch. Von Karl V. geächtet, entging er dem Tod nur mit Hilfe der Fürstin Katharina von Schwarzburg, die ihn in Sicherheit bringen ließ. Seit 1552 wieder in Saalfeld, starb er 12. Nov. 1560 daselbst. Von seinen Schriften sind am bekanntesten: "Christliche Erklärung des kleinen Katechismus etc." (Augsb. 1538) und "Fragstücke der ganzen christlichen Lehre" (seit 1547 öfter aufgelegt).

Aquila degli Abruzzi (spr. dellji), ital. Provinz in der Landschaft Abruzzen und Molise, grenzt im N. an die Provinz Ascoli-Piceno, im NO. an Teramo, im O. an Chieti, im S. an Campobasso und Caserta, im W. an die Provinzen Rom und Perugia und hat ein Areal von 6500 qkm (118 QM., nach Strelbitskys Berechnung 6625 qkm = 120,3 QM.). Die Provinz ist großenteils ein Hochland und wird von den beiden Parallelketten der Abruzzen mit ihren Felsgipfeln, rauhen Thälern und Gießbächen erfüllt; dazwischen liegt die schöne, vom Aterno durchflossene Ebene. Den westlichen Teil bildet das Hochland des ehemaligen Fuciner Sees. Außer dem Aterno enthält die Provinz den Oberlauf des Sangro, Tronto, Garigliano, Velino und Salto, welche alle hier in den Bergen entspringen. Das Klima ist in den höhern Lagen rauh, in den Thälern mild und gesund. Die Bevölkerung beläuft sich auf (1881) 353,027 Seelen. Die Erwerbsverhältnisse des gebirgigen, mit Kommunikationswegen schlecht bedachten Landes waren bis auf die neueste Zeit sehr kläglich, so daß ein großer Teil der Bewohner genötigt ist, seinen Verdienst auswärts zu suchen. Von der im Pescarathal aufwärts bis nach Terni erbauten Eisenbahn (1884 eröffnet), die dem Lande den Zugang zum Meer erschließt, wird eine Besserung der Lage erhofft. Produktionszweige sind: Ackerbau, Flachs-, Hanf-, Obst-, Wein- und Krappbau, ferner Viehzucht, Woll- und Käsegewinnung und Waldbau. Die Provinz umfaßt die vier Kreise A., Avezzano, Cittaducale und Solmona. Die gleichnamige Hauptstadt, am Aterno und an der Bahn von Pescara nach Terni, in der Nähe der höchsten Apenninengipfel 750 m hoch auf der gleichnamigen Hochebene malerisch gelegen und gut gebaut, hat zahlreiche Kirchen, darunter die des heil. Bernardin von Siena mit schönem Denkmal desselben und die gotische Kirche Santa Maria in Collemaggio, 1287 gegründet, mehrere Paläste, eine prächtige Fontäne, eine unter Karl V. 1535 angelegte Citadelle, ein Stadthaus mit Museum antiker Inschriften, Gemäldesammlung und Porträtgalerie, lebhafte Industrie und bedeutenden Safranbau und zählt (1881) 14,720 Einw. A. hat ein Gymnasiallyceum, ein Nationalkonvikt, eine technische Schule und ist Sitz eines Bischofs, eines Appellhofs und einer Präfektur. Es ist vom Kaiser Friedrich II. 1240 gegründet. Im J. 1703 wurde es durch ein Erdbeben, wobei 2000 Menschen umkamen, fast ganz zerstört.

Aquilaria Lamarck, Gattung aus der Familie der Thymeläaceen, Bäume in Ostindien und China, mit einfachen, ganzrandigen, lorbeerähnlichen Blättern, end- oder achselständigen, einzeln oder in Dolden stehenden Blüten und holziger, ovaler, zusammengedrückter Kapsel. A. malaccensis Lam., ein 19 m hoher Baum in Malakka, mit zottigen Zweigen, ovalen Blättern an behaarten Blattstielen und gelben Blüten in Dolden, liefert das Adlerholz und A. Agallocha Roxb., in Hinterindien und auf den benachbarten Inseln, das Aloeholz.