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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Arabien

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Arabien (die einzelnen Gebiete).

medanischen Welt, liegen hier auf terrassenartigen Absätzen des Gebirges in oasenartigen Thalschluchten. Ihre Hafenstädte Dschidda und Janbo sind gegenwärtig die wichtigsten Seeplätze dieser Landschaft, welche von den durchziehenden Karawanen ihren Namen ("Durchzug") erhalten hat. Man kennt etwa 30 unter Imamen (Fürsten) stehende Stämme in Hidschas, von denen mehrere noch von direkten Nachkommen Mohammeds geführt werden; doch haben diese schon früher dem Kalifat von Bagdad, nachher dem Sultanat in Konstantinopel die Oberherrlichkeit zugestanden. - Parallel mit dem Gebirgszug, der das ganze türkische A. durchsetzt, erhebt sich westlich auf der Sinaihalbinsel (dem Peträischen A., politisch nebst Midian zu Ägypten gehörig) eine kürzere Kette, die östlich und westlich von einem schmalen Küstenvorland umgeben ist und gegen N. allmählich zum Mittelmeer absinkt. Das Küstenland besteht größtenteils aus Kalk- und roten Sandsteinschichten; letztere werden häufig von amphibolitischen Massengesteinen (Diorit, Syenit und Porphyr) durchbrochen, bis endlich im südlichen Teil der Halbinsel, ihre Spitze bildend, eine ungeheure Granitmasse emporsteigt: der Dschebel Tur oder Sinai, der von SO. nach NW. sich erstreckt. Diese ganze Halbinsel ist vor wenigen Jahren von englischen Offizieren genauer erforscht worden. Unter den zahlreichen Gipfeln des Sinaigebirges ragen hervor: der Dschebel Musa (Mosesberg, 2248 m), Katharinenberg (2602 m), Dschebel Dschebir (2606 m) und nordwestlich davon Dschebel Serbal (2052 m). Im nordwestlichen Teil der Halbinsel liegen Türkisgruben, welche bereits von den alten Ägyptern ausgebeutet worden sind. Das ganze Plateau nördlich vom Dschebel et Tih wird der Länge nach von einem Thal, Wadi el Arisch, durchzogen, dem einzigen der Halbinsel, welches in das Mittelmeer mündet, aber nur in sehr seltenen Fällen Wasser hat. Die Berge der ganzen Sinaigruppe sind außerordentlich öde, nur hier und da herrscht etwas Vegetation; im N. aber wird das Plateau zur vollkommenen Wüste, die sich bis ans Mittelländische Meer erstreckt. Ungleich bevölkerter muß im Altertum das östliche Gebirge Dschebel Schera gewesen sein, wovon die prächtigen Ruinen der alten Felsenstadt Petra und zahlreiche mit ägyptischen Hieroglyphen bedeckte Monumente Zeugnis ablegen. Jetzt ist in diesem Teil Arabiens Akabah der einzige stadtähnliche Ort; er liegt an der Stelle des alten Älana.

Der südliche Teil der arabischen Westküste, von 20° nördl. Br. bis an die Meerenge Bab el Mandeb, ist die Landschaft Jemen oder das sogen. Glückliche A. Wenn schon in Mekka wenigstens von Zeit zu Zeit der tropische Regen seinen wohlthätigen Einfluß ausübt und in den Thälern eine rasche Vegetation hervorruft, so ist dies weiter südlich in viel reichlicherm Maß der Fall, wiewohl auch in Jemen bisweilen Jahre vergehen, ohne daß ein Tropfen Regen fällt. Hier ist auch der Ursprung jener künstlichen Bewässerungssysteme mit großen Wasserreservoirs und unterirdischen Kanälen, welche die Araber später in die Gestadeländer des Mittelmeers, besonders nach Spanien, verpflanzten. Jemen, wie alles Küstenland der Halbinsel, zerfällt in ein flaches, sandiges Uferland, welches nur an einigen Stellen, wo es Bewässerung aus den Bergen erhält, fruchtbar ist und vorzüglich Durrahirse und Palmen hervorbringt, und in einen Gebirgsstrich, dessen Höhen bis 2800 m ansteigen. Prächtige, im nördlichen A. fast unbekannte Waldungen mit hohen Bäumen (darunter ausgezeichnete Feigenarten) bedecken die Abhänge der Berge, während ihre Gipfel meist nackt hervortreten und in den Thälern und auf den terrassenförmigen Absätzen derselben in Höhen von 500-650 m die Kultur des Kaffeebaums betrieben wird, der hier (namentlich in der Umgegend von Mokka) und jenseit des Roten Meers im südabessinischen Hochland Kaffa seine Heimat hat. Im engsten Sinn wird übrigens unter Jemen nur der südliche Teil der Westküste, namentlich das Gebiet von Sana, verstanden, wo die Tehama breiter sich ausdehnt und der tropische Charakter des Landes am entschiedensten ausgeprägt ist. Das Wilajet Jemen umfaßt die Sandschaks Sana, Hodeida, Assyr und Taïz. Die ansehnlichsten Städte sind: Mokka, Beit el Fakih, Loheia, Sana, Hodeida, Damar im Gebirge und das britische Aden.

Die Landschaft Hadramaut umfaßt die Südküste von Aden bis zum Ras Madrak unter 19° nördl. Br. Baron v. Wrede unternahm 1843 seine denkwürdige, gefahrvolle Reise in Hadramaut, der wir die Kenntnis einer ziemlich bedeutenden Strecke Landes verdanken. Auf ebenes Küstenland folgt mittleres Bergland, dann Hochebenen oder Hochgebirge, welche in einer Entfernung von durchschnittlich 1½ Grad vom Meer ihren nördlichen Abfall erreichen und sich einem Tiefland zusenken, das als Anfang der großen Binnenebene (Gof) gilt. Nur ab und zu erheben sich unmittelbar am Meer hohe vulkanische Felsengebirge. Politisch zerfällt das Land in viele kleine Staaten, deren Sultane mehr oder minder autokratisch herrschen. Unter den Städten sind Makalla und Mirbat an der Küste zu nennen, Schibam, Terim, Korein u. a. im Innern.

Die weit nach O. in den Persischen Golf vorspringende Halbinsel bildet ein eignes Reich, Omân genannt, dessen genauere Kenntnis wir den Reisen des britischen Offiziers Wellsted verdanken. Die Provinz ist ein weites Gebirgsland; fast unmittelbar am Meeresrand erheben sich Bergreihen hinter Bergreihen, welche etwa 75 km von der Küste im Dschebel Achdar eine Höhe von nahe 2000 m erreichen. Urkalk bildet den Kern der hohen Gebirgskette; an ihr lagern in den Vorbergen und am Fuß der niedern Höhenzüge Glimmer- und Thonschiefer, oft von Porphyrmassen durchbrochen. Im W. wird die Gebirgslandschaft von der großen Sandwüste begrenzt. Die größte Breite des bewohnten Landes beträgt im Durchschnitt 200, die ganze Länge 550 km. Omân hat an den Küsten afrikanische Hitze, so daß das Thermometer nicht selten 40° R. zeigt; gegen das Innere mildert aber das Ansteigen des Bodens die Glut, und auf den Höhen des Achdar sind während der Wintermonate Schnee und Eis nicht unbekannte Erscheinungen. Der Regenniederschlag wird dadurch sehr befördert, daß die vom Meer her durch die Nordostmonsune angetriebenen Wolken an den hohen Zacken der Bergketten aufgehalten werden und sich hier entladen. Der Eintritt der Regenzeit ist regelmäßig und sicherer als in Jemen; sie dauert vom Oktober bis zum März, in welcher Periode es monatlich 3-4 Tage regnet. Gleichwohl sind die Berghöhen, mit Ausnahme des Dschebel Achdar, waldlos und kahl; auch trocknen die Bergströme während des Sommers ein, und die Kultur kann sich daher nur auf einzelne Oasen erstrecken, in denen Durra und Datteln gedeihen. Die in den Städten und Dörfern lebenden Araber haben feste Sitze und sind wohlgenährter als ihre wandernden Brüder, die mit ihren Herden in den Wüsten um-^[folgende Seite]