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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Arabien

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Arabien (Geschichte).

herziehen. Hier gebietet der Imam von Maskat als selbständiger Oberherr; doch erstreckt sich seine Macht faktisch nur auf die ansässige Bevölkerung, während sie den Beduinen gegenüber nur nominell ist. Das Gesamtterritorium von Omân zählt nach den neuesten zuverlässigen Mitteilungen ca. 1,600,000 Einw. Hauptstadt ist Maskat; andre Städte sind: Sur, Ibra, Mina in überaus fruchtbarer Oase, Sib, Barka, Sohar, Schardscha.

Längs der Küste des Persischen Meerbusens erstreckt sich endlich die Landschaft El Ahsa (Hasa), eine überaus heiße, sandige Tehama, welche ebenfalls durch eine Bergkette vom Innern getrennt wird. Hier ist der einzige Wasserlauf Arabiens, welcher das ganze Jahr hindurch Wasser zu haben scheint und das Meer erreicht, der Aslan. Die Landschaft zeichnet sich infolge dieses Wasserreichtums durch Fruchtbarkeit und Mannigfaltigkeit der Erzeugnisse vor andern vorteilhaft aus und erzeugt namentlich vortreffliche Datteln (die besten der Welt). Hauptorte sind Katif und Hofhuf. Politisch ist Ahsa ebenso wie die nördlich gelegene kleine Republik Kueit, welche lebhaften Handel treibt, in letzter Zeit unter türkische Botmäßigkeit gekommen und bildet gegenwärtig ein Sandschak des Wilajets Basra. Zwischen Ahsa und Omân wohnen an der Küste die unabhängigen Stämme der Beni Jas und Dschuasimi. Der Küste gegenüber liegt die durch Perlenfischerei berühmte Inselgruppe Bahreïn.

Im Innern ist jetzt der mächtigste Staat, durch welchen auch die Pilgerkarawanen von Persien nach Mekka ziehen, Dschebel Schammar zwischen 26 und 28° südl. Br., mit der Hauptstadt Hail, während das südlich davon gelegene Nedschd, einst unter den Wahabiten überaus mächtig, in neuester Zeit ganz herabgesunken ist. Nach S. gegen Hadramaut und Omân sowie nordwärts gegen den Euphrat hin dehnen sich große Wüsten aus. Nedschd wird von Bergketten durchzogen, deren kahle Felskuppen einen großen Teil des Jahrs hindurch mit Schnee bedeckt sind. Die Reisen von Sadlier, Palgrave, Guarmani, Oberst Pelly, Blunt, Doughty etc. haben hier einiges Licht verbreitet. Nedschd ist die wahre Heimat des arabischen Vollblutpferds in seinem schönsten Typus (des Kamsa), das aber nie in den Handel kommt; auch hat es einen ausgezeichneten Schlag fettschwänziger Schafe. Die frühere Hauptstadt der Wahabiten, Dereyia, wurde 1818 von Ibrahim Pascha zerstört und liegt seitdem in Ruinen; gegenwärtige Hauptstadt ist das unfern gelegene Riâd. Andre Städte sind: Schakra, Bereide, Oneise, Charfa, Sadik, Seddus etc. Von der nördlichen Wüste ist der östliche Teil noch am bekanntesten, weil die Karawanen von Bagdad nach Basra ihren Weg hier durch nehmen. In der Nähe des Euphrat ist das Land gut bewässert und fruchtbar. Es verliert hier allmählich den Charakter der Wüste; es hört auf, A. zu sein.

Vgl. Niebuhr, Beschreibung von A. (Kopenh. 1773), und dessen "Reisebeschreibung nach A." (das. 1774-1778, 2 Bde.); die Reisebeschreibungen von Burckhardt (Lond. 1829; deutsch, Weim. 1830), dessen "Notes on the Bedouins and Wahabys" (Lond. 1830; deutsch, Weim. 1831), Wellsted (Lond. 1837, 2 Bde.; deutsch, Halle 1842), Tamisier (Par. 1841, 2 Bde.), des Grafen Laborde (das. 1830), Burton (neue Ausg., Lond. 1880; deutsch, Leipz. 1861), Palgrave (6. Aufl., Lond. 1871; deutsch, Leipz. 1867-68, 2 Bde.), Sadlier (Bombay 1866), Maltzan ("Wallfahrt nach Mekka", Leipz. 1865, 2 Bde.), dessen "Reisen in A." (Braunschw. 1873, 2 Bde.) u. a. Eine wissenschaftliche Bearbeitung des reichen Stoffs gab Ritter in seiner "Erdkunde" (Bd. 12 u. 13, Berl. 1846-47).

Geschichte Arabiens.

Als die Ureinwohner Arabiens werden Bajaditen, d. h. untergegangene Stämme, genannt, und zwar unterscheidet die einheimische Tradition der Abstammung nach die von Joktan oder Kahtan, einem Abkömmling Sems, abstammenden Joktaniden und die Mostaraber, die in Ismael, dem Sohn Abrahams, ihren Stammvater verehrten. Die ältere Geschichte Arabiens ist wegen der seltenen und geringfügigen Berührungen, die zwischen diesem Land und der übrigen Welt stattfanden, dunkel. Den nordwestlichen Teil, Arabia Peträa (nach der Stadt Petra), bewohnten die Idumäer (Edomiter), Nabatäer und Midianiter, das Wüste A. die Ismaeliten und Keturäer; in Südarabien bestanden das Reich der Minäer und das der Sabäer mit der glänzenden Hauptstadt Mariaba. An der Südküste saßen die Homeriten und die Chatramotiten mit der Hauptstadt Sabattha, endlich an der Südostküste die Makea und am Persischen Meerbusen die Gerrhäer. Während die Eroberungszüge der Araber zeitweise die Nachbargebiete gefährdeten, wurden sie selbst von den Eroberungszügen der babylonischen und assyrischen, ägyptischen und persischen Herrscher nur vorübergehend und nur im Norden ihres Landes berührt. Die persischen Könige Kyros und Kambyses ließen den Bewohnern des Peträischen A. ihre Selbständigkeit und schlossen sogar Bündnisse mit ihnen. Alexander d. Gr. rüstete sich zu einem Zuge gegen die Araber, ward aber durch seinen Tod an dessen Ausführung verhindert. Während der Kriege der Diadochen fanden arabische Häuptlinge im Norden des Landes Gelegenheit, ihre Herrschaft über die Grenzen Arabiens nach Chaldäa (Irak Arabi) und Syrien auszudehnen, welches sie sich zum Teil unterwarfen, und wo sie mehrere arabische Fürstentümer gründeten. Dagegen gelang es Antiochos d. Gr. (219 v. Chr.), die Stadt Rabbath Moab zu erobern und mehrere arabische Stämme zu unterwerfen, welche Eroberungen er jedoch wegen der inzwischen mit Ägypten begonnenen Feindseligkeiten (217) wieder aufgeben mußte. Das blühende Peträa zog der Römer Aufmerksamkeit früh auf sich. Einfälle der Nabatäer in das römisch gewordene Syrien dienten ihnen als Vorwand zum Kriege gegen Petra. Pompejus selbst leitete die Expedition, welche die reiche Stadt eroberte und brandschatzte (63). Nachher führte Gabinius, römischer Prokonsul von Syrien, den Arabischen Krieg fort und siegte über mehrere Stämme. Die Schlacht bei Actium, welche die Macht des Antonius vernichtete, rettete Peträa zunächst vor gänzlicher Unterjochung. Erst als Augustus als Imperator über Rom herrschte, wurde der Plan zur Unterwerfung Arabiens wieder aufgenommen. Der Prokurator von Ägypten, Älius Gallus, unternahm sogar (24 v. Chr.) einen allerdings erfolglosen Kriegszug gegen das Reich der Sabäer. Erst 105 n. Chr. drangen die Römer unter Trajan wieder tief in das Land ein. Peträa, Gerasa und andre Städte wurden zu der römischen Provinz Palaestina tertia geschlagen; doch blieb auch jetzt der größere Teil Arabiens, die südliche Halbinsel, frei vom römischen Joch. Seit dieser Zeit verscholl das verwüstete Petra, und an seiner Stelle ward Bostra Metropole und zugleich Hauptsitz des Handels mit Indien und Mesopotamien. An den Grenzen der römischen Provinz dauerten die Kämpfe inzwischen