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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Arabi Pascha; Arabīn

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Arabin - Arabi Pascha.

fast ununterbrochen fort, und die Römer wurden ihres Besitzes nie froh. Nur die nördlichen Stämme blieben in einer gewissen Abhängigkeit von den römischen Kaisern, und ihre Fürsten wurden als deren Statthalter angesehen. Doch bald nach Trajans Tod fand Rom für gut, A. bis auf die Striche am Jordan zu verlassen und sich mit einem nur nominellen Oberhoheitsrecht zu begnügen. Später bestand Kaiser Aurelian harte Grenzkämpfe mit den Arabern. Jemen ward in vorübergehenden Kriegszügen von den Königen von Äthiopien heimgesucht, und gegen die Landenge von Suez hin, zu Sarbut el Kadem, zeugen hieroglyphenbedeckte Gräber von Ansiedelungen der Ägypter; aber festen Fuß faßte keiner dieser fremden Eindringlinge. Stets blieben indessen die arabischen Völker zerstreut und zerspalteten und zerfleischten einander Jahrhunderte hindurch in innern Kämpfen, während welcher besonders das mittlere Hochland (Nedschd) der Schauplatz jener ritterlichen, von den arabischen Dichtern vielfach besungenen Fehden war. In das 4. Jahrh. fällt die Eroberung Jemens durch Aizana, König von Abessinien, und die Einführung des Christentums in Jemen. Die frühsten arabischen Christen waren meist Arianer; erst später wanderten katholische Christen ein. Bald wandten sich auch viele der im orthodoxen Morgenland verfolgten christlichen Häretiker, besonders Nestorianer und Monophysiten, nach A. Auch die Juden siedelten sich seit Jerusalems Zerstörung in Menge in A. an und machten, namentlich in Jemen, Proselyten. Im Innern von Hidschas erhob sich damals der Stamm der Koreischiten. Durch Verschwägerung mit den Chosaiten vergrößerten sie ihre Macht, und Seid, mit dem Beinamen Koßa, Eidam des Chosaiten Huleil, riß die Schlüsselhut der Kaaba (s. d.) an sich. Der Herrschaft über Mekka bemächtigte er sich durch Gewalt. Er war der Ahnherr Mohammeds.

Die neue und große Ära der arabischen Geschichte beginnt mit der Stiftung und Verbreitung des islamitischen Glaubens. Mohammed, der Stifter desselben, sammelte die zerstreuten arabischen Stämme zu gemeinsamen Bestrebungen, und so übernimmt dies Volk auf ein paar Jahrhunderte eine sehr bedeutungsvolle Mission in der Weltgeschichte. Siegreich aus seinen bisher nicht überschrittenen Grenzen hervortretend, gründete es Reiche in drei Weltteilen (s. Kalifen). In den einzelnen Landschaften Arabiens selbst bestanden während der Herrschaft der Kalifen mehrere alte Stammdynastien fort, so in Hidschas die Dynastien Ochaisar, Haschim und Kotade, welch letztere noch jetzt in Mekka herrscht. In Jemen herrschten nacheinander seit dem 9. Jahrh. die Dynastien der Zijaditen, Nedschahiten und Salihiten, die gegen das Ende des 12. Jahrh. durch die Ejubiden verdrängt wurden. Auf sie folgten die Resuliden (1231) und dann die Tahiriten, welche sich bis auf die osmanische Eroberung hielten. Durch den Sturz des Kalifats löst sich die Geschichte Arabiens vollends in Spezialgeschichten der einzelnen Landschaften auf. In den nördlichen Teilen breitete sich die türkische Macht immer weiter aus, während sich im Süden die Fürsten länger selbständig erhielten. Die Dynastie der Tahiriten wurde durch den Emir Bersebai 1517 gestürzt. Die von Schems Eddin gestiftete Dynastie der Zeidi behauptete sich in den Gebirgen Jemens. Schems Eddin nahm den Titel Imam an. Um ihn sammelten sich die mit der türkischen Herrschaft Unzufriedenen. Im J. 1567 brach der Aufstand gegen die türkische Herrschaft von neuem unter Leitung der Zeidi aus; die meisten festen Plätze bis auf Zebid wurden von den Empörern erobert, und ihr Anführer Mutaher ließ sich schon zum Kalifen ausrufen. Ein türkisches Heer unterwarf zwar 1570 Jemen wieder; aber bald traten die Bewohner der ganzen Westküste von A. zusammen, um das türkische Joch abzuschütteln. Mekka wurde den Türken entrissen, und ihre Heere kämpften überall unglücklich. Selbst als Mekka 1631 von den Türken wiedererobert wurde, behauptete Jemen seine Unabhängigkeit; die Türken mußten es der Herrschaft der Zeidi überlassen, die als Imame die Landschaft regierten. Um 1740 erhob sich im Innern Arabiens die Sekte der Wahabiten (s. d.), deren Stifter Abd ul Wahâb den Islam auf seine ursprüngliche Reinheit zurückzuführen suchte. In meist glücklichen Kämpfen behaupteten sie sich lange gegen den Sultan und den ägyptischen Vizekönig Mehemed Ali, der seinen Einfluß und seine Macht in A. fester zu begründen suchte, seine kriegerischen Unternehmungen zur Eroberung des Landes 1835 und 1837 jedoch scheitern sehen mußte. Nur Mokka und der Bezirk Taif östlich von Dschidda waren bis 1840 seinem Schwert unterworfen. Aber trotz eines hier unterhaltenen Heers von 28,000 Mann konnte er seine Zwangsherrschaft doch nur mühsam aufrecht erhalten, und als ihn der Krieg in Syrien mit dem Sultan zwang, seine Kriegsmacht in A. zu schwächen, war es auch mit seiner Herrschaft dahin. Schon 1839 war er genötigt, mehrere besetzte Landstriche aufzugeben. Das Diktat der europäischen Mächte endlich (der Traktat zur Pazifikation des Orients im Juli 1841) gab das von ihm beanspruchte Hüteramt der heiligen Städte an den Sultan zurück, und seitdem herrschen in A. außer den Türken nur die Engländer in Aden (seit 1837).

Die Geschichte Arabiens vor Mohammed ist von Marigny, Pococke, Sacy, Rühle v. Lilienstern, Krehl ("Über die Religion der vorislamitischen Araber", Leipz. 1863) und namentlich von Forster in seiner "Historical geography of Arabia" (Lond. 1844, 2 Bde.), von Sprenger in der "Alten Geographie Arabiens" (Bern 1875) und von Caussin de Perceval in dem "Essai sur l'histoire des Arabes avant l'islamisme" (Par. 1847-49, 3 Bde.) bearbeitet worden. Die spätere islamitische Geschichte behandeln die Arbeiten von Schultens, Rasmussen, Cardonne, Dozy, Hammer-Purgstall, Crichton, Sedillot, Müller, Flügel ("Geschichte der Araber", 2. Aufl., Leipz. 1864), besonders aber Weil in der "Geschichte Mohammeds" (Stuttg. 1843), der "Geschichte der Kalifen" (das. 1846-62, 5 Bde.) und der "Geschichte der islamitischen Völker von Mohammed bis zur Zeit des Sultans Selim" (das. 1866). Vgl. auch J. ^[Julius] Braun, Gemälde der mohammedanischen Welt (Leipz. 1870); A. v. Kremer, Geschichte der herrschenden Ideen des Islam (das. 1868); Derselbe, Kulturgeschichte des Orients unter den Kalifen (Wien 1875-1876, 2 Bde.); Wüstenfeld, Die Wohnsitze und Wanderungen der arabischen Stämme (Götting. 1869); Avril, L'Arabie contemporaine (Par. 1868); Zehme, A. und die Araber seit 100 Jahren (Halle 1875).

Arabīn, s. Gummi arabicum.

Arabi Pascha (Achmed Arabi), Anführer der ägypt. Militärpartei 1882, Sohn eines Fellahs aus Unterägypten, wurde unter Said Pascha für die Armee ausgehoben und bald Offizier, erwarb sich auch auf der religiösen Universität zu Kairo einige Kenntnisse und galt als frommer und gelehrter Mann. Er verband sich mit andern Fellahoffizieren gegen die Türken und Tscherkessen, nahm 1879 an der Rebellion gegen Nubar Pascha teil und ward von Tewfik