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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Arabische Sprache; Arabischer Meerbusen; Arabisches Gummi; Arabisches Meer

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Arabischer Meerbusen - Arabische Sprache.

tet von Mohammed Ibn Edris al Scháfi'i, gest. 819), welche den Hanefiten direkt entgegenstehen, indem sie den Gebrauch der Vernunft und der Philosophie ganz verwerfen; die Malikiten (gestiftet von Málik Ben Anas, gest. 795), welche das Hauptgewicht auf die Reinheit der Tradition legen, aber, wie die Hanbaliten (gestiftet von Achmed Ben Hanbal, 713-855), den Gebrauch der Vernunft zulassen, wo die Tradition schweigt. Alle vier Sekten erkannten bei ihren Entscheidungen folgende Stufenfolge an. Obenan steht der Koran, dann folgt die Sunna oder Tradition, hierauf die Sammlungen der als bewährt erkannten Entscheidungen der Imame und endlich die Analogie. Der berühmteste und zuverlässigste unter den Traditionssammlern ist El Bochári (810-870); seine Sammlung ist zum größern Teil herausgegeben von L. Krehl (Leid. 1862-68, 3 Bde.; in Bulak mehrfach gedruckt). Ebenfalls großes Ansehen genießen Málik (s. oben) und Múslim (gest. 875). Unter den theologisch-juridischen Disziplinen steht die Exegetik des Korans obenan, woran sich zahlreiche Erklärungen der Sunna und dogmatische Lehrbücher schließen, in denen auf scholastische Weise die positiven Lehren verteidigt werden. Die berühmtesten Exegeten sind: der das Überlieferungsmaterial sammelnde Et Tábarí (s. oben, Geschichte), der rationalisierende Samáchscharí (1075-1144; hrsg. von Lees, Kalk. 1856), der orthodoxe Beidháwi (gest. 1292; hrsg. von Fleischer, Leipz. 1846-48, 2 Tle.; Index 1878). Über Dogmatik schrieben: Al Ghasali (s. oben); Omar al Nasafi (gest. 1142), nach dessen Dogmatik noch heute die Ulemas in allen hohen und niedern Schulen vortragen; Abdallah al Nasafi (gest. 1310; "Pillar of the creed of the Sunnites", hrsg. von Cureton, Lond. 1843). Nicht so sehr in der theoretischen Theologie als mehr in praktischer Hinsicht unterscheidet sich die mystisch-asketische Sekte der Sufis, d. h. Enthaltsamen, welche besonders bei den spätern Persern unter dem Schein der Rechtgläubigkeit sich stark nach der pantheistischen Seite entwickelten. Ihre Schriften sind teils prosaisch, teils in Versen abgefaßt, wie denn große Dichter unter ihnen waren, z. B. Ibn al Faredh, unter den Persern Hafis und Dschami.

Die juridische Litteratur entwickelt sich auch späterhin nach den Grundprinzipien der vier Sekten. Sie teilt sich hauptsächlich in zwei Gruppen, die Grundlagen (Uçúl) und die abgeleiteten Sätze (Furú). Besondern Ruhm haben erlangt: unter den Malikiten Chalíl (gest. 1366; "Précis de jurisprudence musulmane", übersetzt von Perron, Par. 1848-54, 6 Bde.); unter den Hanefiten Borhán ed-din Ali al Marghináni (gest. 1197) mit seiner "Hidájeh" ("Wegeleitung", Kalk. 1818, 2 Bde.; engl. von Hamilton, Lond. 1791, 4 Bde.), Ibrahim von Aleppo (gest. 1549; sein Werk übersetzt von Mouradgea d'Ohsson in seinem "Tableau général de l'empire ottoman", Par. 1787, 2 Bde.); unter den Schafi'iten Abu Schodschá (am Ende des 5. Jahrh.; "Précis de jurisprudence musulmane", hrsg. u. übers. von Keijzer, Leid. 1859) und Abu Ishák al Schirási (gest. 1083; übersetzt von Keijzer als "Handboek voor het Mohammedaansche recht", Haag 1853). Auch das Staatsrecht wurde in ein ziemlich ausgebildetes System gebracht, dessen musterhafte Darstellung wir Mâwérdi (gest. 1058; hrsg. von Enger, Bonn 1853) verdanken. Über das Rechtswesen des Islam vgl. außer Mouradgea (s. oben) besonders Tornauw, Das moslemische Recht (Leipz. 1855); van den Berg, De beginselen van het Mohammedaansche recht (Batav. 1874); Sautayra und Cherbonneau, Droit musulman (Par. 1873-74, 2 Tle.). Über Philologie bei den Arabern s. Arabische Sprache.

Litteratur. Über a. L. im allgemeinen sind vor allem zu vergleichen: "Kitâb al-Fihrist" (die erste encyklopädische Litteraturübersicht der Araber, um 1000 von Mohammed Ibn Ishák verfaßt; hrsg. von Flügel, Leipz. 1871-72, 2 Bde.); das große bibliographische Lexikon Hadschi Chalfas (hrsg. von Flügel, Lond. 1835-58, 7 Bde.); d'Herbelots danach gearbeitete "Bibliothèque orientale" (Par. 1697; am besten, Haag 1777, 4 Bde.; deutsch von Schulze, Halle 1785-90, 4 Bde.) und die Verzeichnisse der arabischen Handschriften, welche sich in großen Massen zu Berlin, im Eskorial, in Florenz, Gotha, Kopenhagen, Leipzig, Leiden, London, Lund, Oxford, Paris, Rom, St. Petersburg, Upsala, Wien finden. Hammer-Purgstalls "Geschichte der arabischen Litteratur" (Wien 1850-56, 7 Bde.; bis 1258 reichend) ist unzuverlässig. Den besten Überblick über die Hauptmomente ihrer innern Entwickelung geben v. Kremers "Kulturgeschichte des Orients" (Wien 1875-77, 2 Bde.) und "Geschichte der herrschenden Ideen des Islams" (Leipz. 1868). Das bisher Gedruckte wird aufgezählt in Zenkers "Bibliotheca orientalis" (Leipz. 1846-61, 2 Bde.), Trübners "American and oriental literary record" (Lond. 1865 ff.) und de Sacys "Bibliothèque" (Par. 1842-47, 3 Bde.). Für die letzten Jahre vgl. Friedericis "Bibliotheca orientalis" (Leipz. 1876-81, bisher 6 Hefte). C. H. Herrmanns "Bibliotheca orientalis et linguistica" (die Jahre 1850-68 umfassend, Halle 1870) ist ganz ungenügend.

Arabischer Meerbusen, s. v. w. Rotes Meer.

Arabisches Gummi, s. v. w. Gummi arabicum.

Arabisches Meer (arab. Bachr-Hind, "indisches Meer", im Altertum Erythräisches Meer), der nordwestliche Teil des Indischen Ozeans, der von den Küsten Vorderindiens, Belutschistans, Persiens, Arabiens und Ostafrikas begrenzt wird. Gegen W. nimmt es den Namen Meerbusen von Aden an und endigt mit der Straße Bab el Mandeb, welche in das Rote Meer führt, während es im N. Meer von Omân heißt und durch die Straße von Ormus mit dem Persischen Meerbusen in Verbindung steht. In neuester Zeit, besonders seit Eröffnung des Kanals von Suez, hat die Schiffahrt auf dem Arabischen Meer bedeutenden Aufschwung genommen.

Arabische Sprache, eine der reichsten, gebildetsten, durch Verbreitung und Litteratur merkwürdigsten Sprachen, bildet mit dem Himjaritischen und dem nahe mit letzterm verwandten Äthiopischen in Nordafrika zusammen den südlichen Zweig des semitischen Sprachstamms (s. Semiten). In der ältesten Zeit scheint die Sprache der dem Süden Arabiens angehörigen Dynastie der Himjariten (s. d.) in einem großen Teil von Arabien vorgeherrscht zu haben; Mohammed erhob aber die Sprache Zentralarabiens, insbesondere des Stammes der Koreischiten, zur herrschenden Sprache Arabiens und drückte ihr durch seine Religionsstiftung den Charakter der Heiligkeit auf, wodurch sich die verhältnismäßig sehr geringen Veränderungen, die das Arabische seitdem erfahren hat, erklären. Man kann die Geschichte desselben in zwei Perioden einteilen, von denen die erste die vor dem Auftreten Mohammeds entstandenem Gedichte, die Moallakât, die Hamâsa u. a., und den Koran, wie er von dem Kalifen Othman (644-656) festgestellt wurde, umfaßt, die zweite von da ab bis auf die Gegenwart reicht. Noch heutzutage sprechen