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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Aracaty; Araceen; Aracēna; Arăchis; Aráchne

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Aracaty - Arachne.

(A. de Nueva Granada) ist dem Schierling ähnlich, hat aber breitere Blätter, einen nicht gefleckten Stengel und purpurrote Blüten. Die großen Wurzeln sind in mehrere fleischige, rübenähnliche Abschnitte geteilt. Man kultiviert die um Santa Fé de Bogotá wild wachsende Pflanze in den kühlern Bergdistrikten des nördlichen Südamerika und genießt die nahrhaften und wohlschmeckenden Wurzeln gebraten und gekocht. In Europa unternommene Akklimatisationsversuche scheiterten an der Ungunst des Klimas. Unter dem Namen A. versteht man im nördlichen Südamerika auch andre Pflanzen mit rübenartigen, genießbaren Wurzeln, z. B. zwei Oxalis-Arten (A. del Peru) und fälschlich auch die Maniokwurzel.

Aracaty, Stadt in der brasil. Provinz Ceará, am Jaguaribe, 15 km vom Meer, mit etwa 10,000 Einw., 1723 gegründet, mit einem zur Zeit der Flut für Küstenfahrer zugänglichen Hafen, nächst der Hauptstadt bedeutendste Handelsstadt der Provinz, Stapelplatz für das ganze Gebiet des Jaguaribe und Hauptexportplatz für Baumwolle und Rindvieh.

Araceen (Aroideen, Arongewächse, arumartige Gewächse, Kolbenblütler), vielgestaltige monokotyle Pflanzenfamilie aus der Ordnung der Spadicifloren, Stauden zum Teil mit Milchsaft, kriechendem oder knolligem Wurzelstock oder halbstrauchartige, ansehnliche Gewächse. Die wechselständigen, meist sehr großen Blätter sind bei wenigen (Kalmus) lang und schmal schwertförmig, bei den meisten haben sie einen am Grund scheidenförmigen Stiel und eine breite, meist sehr große Fläche von pfeil-, herz- oder schildförmiger, selten gefiederter Gestalt mit hand- oder fußförmigen Nerven, zwischen denen bei einigen die Blattmasse durchbrochen ist. Die Blütenstände bilden Kolben, an deren Grund sich ein großes, oft eigentümlich gefärbtes Hüllblatt (Spatha) befindet. Die eingeschlechtigen oder zwitterigen Blüten bieten zahlreiche Zwischenfälle zwischen der drei- oder zweigliederigen typischen Monokotylenblüte und dem Vorkommen eines einzigen Staub- oder Fruchtblatts dar. Die ca. 750 Arten der A. sind zum Teil charakteristische Pflanzen der tropischen Urwälder, zumal Amerikas, einige gehören auch Nordamerika und den Ländern des Mittelmeers, wenige dem übrigen Europa an. Sie zerfallen in die Unterfamilien: Pothoideen mit den Gattungen Pothos, Anthurium, Calla, Acorus, Monsteroideen, Lasioideen (Urospatha, Amorphophallus), Philodendreen (Richardia, Philodendron), Aglaonemoideen, Kolokasioideen (Colocasia, Xanthosoma), Staurostigmoideen, Aroideen (Arum, Arisaema), Pistaceen (Pistia) und Lemneen (Lemna). Die letztern beiden Gruppen gehören zu den stark reduzierten, mutmaßlich ältesten Urformen der A. Fossil ist nur die Gattung Pistia bekannt. Sie enthalten in ihren Wurzelstöcken neben viel Stärkemehl einen flüchtigen Giftstoff, der aber durch Trocknen oder Rösten sich leicht verliert, daher die so zubereiteten Teile mehrfach als Arzneimittel dienen, zum Teil aber auch eßbar sind. So werden mehrere ausländische Arten, wie Colocasia antiquorum Schott, C. esculenta Schott etc., in Sümpfen angebaut, und ihre großen Wurzelstöcke, Taro oder Kalo genannt, machen ein Hauptnahrungsmittel vieler Südseeinsulaner aus. Der Kalmus (Acorus Calamus L.) wird seines aromatischen Wurzelstocks wegen in Europa gezogen. Vgl. Schott, Genera Aroidearum (Wien 1858); Angler, Vergleichende Untersuchungen über die morphologischen Verhältnisse der A. (Leipz. 1877); Derselbe, Araceae. Prodromi continuatio, Bd. 2 (1879).

Aracēna, Bezirksstadt in der span. Provinz Huelva, mit den Trümmern eines maurischen Kastells und (1878) 5718 Einw., welche Obsthandel betreiben, liegt im Schoß eines fruchtbaren Thalbeckens am Fuß der zur Sierra Morena gehörigen Sierra de A., welche sich im N. der Provinz in westlicher Richtung gegen die portugiesische Grenze hinzieht, bis 1676 m Höhe erreicht und an ihrem südlichen Abhang reiche Lager an Kupfer- und Eisenerzen, darunter die berühmten Bergwerke von Tharsis und Rio Tinto, enthält.

Arăchis L. (Erdnuß, Erdmandel, Erdeichel, Erdbohne, Erdpistazie, Mandubibohne), Gattung aus der Familie der Papilionaceen, mit wenigen, meist brasilischen Arten. A. hypogaea L. (s. Tafel "Nahrungspflanzen III"), eine einjährige, ästige, niederliegende oder höchstens 60 cm ansteigende Pflanze, trägt zweipaarige Fiederblätter, in deren Winkeln gewöhnlich paarweise gelbrote Schmetterlingsblüten stehen, von denen nur die untersten fruchtbar sind. Nach dem Abblühen verlängert sich das Blütenstielchen, senkt sich und läßt den Fruchtknoten 5-8 cm tief in den Boden eindringen, in welchem die Frucht zur Reife kommt. Dieselbe bildet eine eiförmige oder cylindrische, nicht aufspringende, meist zweisamige Hülse von 15-30 mm Länge. Die kupferroten bis violettbräunlichen, seltener weißlichen Samen schmecken mandelartig mit einem Beigeschmack nach Bohnen, enthalten 28 Proz. Proteinstoffe, wenig Gummi und Zucker, mehr Stärkemehl und liefern 43-50 Proz. fettes Öl. Die A. ist eine uralte und höchst wichtige Kulturpflanze; ihre Heimat ist nicht bekannt, sie wird aber im ganzen mittlern Afrika von der Küste von Mosambik durch das Gebiet des Bahr el Gazal, des Weißen Nils bis Kordofan und Dar Fur sowie im ganzen Becken des Tsadsees, durch Sudân bis zur Westküste kultiviert. Schon im 16. Jahrh. kam sie nach Westindien, in Brasilien ist ihre Kultur jedenfalls älter als die europäische Einwanderung; aber hier wie in Uruguay, China, Kochinchina, Japan und auf den pazifischen Inseln ist sie nicht von gleicher Bedeutung wie in Afrika. In sehr großartigem Maßstab wird sie in Madras und in den südlichen Staaten von Nordamerika angebaut, auch in Spanien, Frankreich, Algerien erzielte ihre Kultur gute Resultate (2400-3000 kg Samen vom Hektar). Aus Westafrika, von Senegambien bis zum Congo, werden jährlich 80 Mill. kg Samen ausgeführt; Madras lieferte in einem Jahr 425,000 kg Öl. Die afrikanischen Völker genießen die Erdnuß frisch und zu Brei gekocht, in Spanien röstet man sie, auch die Preßkuchen werden noch als Nahrungsmittel für Menschen und Tiere verwertet. In Europa preßt man die Samen, besonders in England, Frankreich und Hamburg. Das kalt gepreßte Öl (Katjangöl) ist farblos, schmeckt angenehm mild, ist dünnflüssiger als Olivenöl, vom spez. Gew. 0,918 bei 15°, trübt sich bei +3°, erstarrt bei -3°, trocknet nicht und hält sich ziemlich lange. Man benutzt es in südlichen Ländern ganz wie Sesamöl und stellt es dem besten Olivenöl gleich; bei uns ist es weniger empfehlenswert, weil es bei niederer Temperatur zu bald dickflüssig wird; es dient aber im südlichen Frankreich in großer Menge zur Verfälschung des Olivenöls. Die Preßkuchen geben ein weißes Mehl, welches sehr reich an Stärkemehl ist; sie enthalten 29,25 Proz. Proteinkörper, 26,67 stickstofffreie Nährstoffe, 11,18 Fett, 21,11 Holzfaser, 5,01 Asche, 7,78 Proz. Wasser und eignen sich trefflich als Viehfutter.

Aráchne ("Spinne"), in der griech. Mythe die wegen ihrer Kunst in der Weberei gepriesene Tochter