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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Arăgon; Aragōna; Aragonien

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Aragon - Aragonien.

dessen Staatsstreich 2. Dez. 1851 er sich vom öffentlichen Leben zurückzog. Er machte sich nun als Verteidiger in politischen und Preßprozessen einen Namen, wie er namentlich 1867 den Polen Berezowski, der auf den Kaiser von Rußland geschossen hatte, verteidigte, zeichnete sich als Mitglied des Gesetzgebenden Körpers seit 1869 durch seine dem Kaisertum feindliche Haltung und in der Sitzung vom 15. Juli 1870 durch seine Reden gegen die beabsichtigte Kriegserklärung aus und wurde nach der Katastrophe vom 4. Sept. 1870 als provisorischer Justizminister Mitglied der Regierung der nationalen Verteidigung. Als Mitglied der Nationalversammlung und seit 1876 des Senats schloß er sich der Partei der gemäßigten Republikaner an und ward 1880 zum französischen Botschafter in Bern ernannt. - Sein jüngerer Bruder, Alfred, geb. 1816, hat sich im Atelier Paul Delaroches zum Maler ausgebildet und mit seinen Gemälden, unter denen Karl V. im Kloster von San Yuste am bekanntesten geworden ist, auf den Pariser Ausstellungen wiederholt großen Beifall gefunden. Im J. 1852 wurde er zum Generalinspektor der schönen Künste im Ministerium des Innern ernannt.

Arăgon, linker Nebenfluß des Ebro in Spanien von 192 km Länge. Nach ihm ist Aragonien benannt.

Aragōna, Stadt in der sizil. Provinz Girgenti, an der Eisenbahn von Palermo nach Girgenti, mit einem alten Schloß, Mandelkultur und (1881) 9571 Einw. In der Umgegend von A. finden sich sehr bedeutende Schwefelminen.

Aragonien (Aragon), sonst selbständiges span. Königreich, welches die ganze Ostecke der Halbinsel einnahm und die sogen. aragonischen Provinzen Aragon, Katalonien und Valencia nebst der Balearengruppe, zusammen 106,755 qkm (1939 QM.) mit 2,5 Mill. Einw., umfaßte; jetzt spanische Landschaft mit dem Titel eines Königreichs, 46,565 qkm (845,7 QM.) groß mit (1883) 909,261 Einw., wird gegen N. von Frankreich, gegen W. von Navarra, Alt- und Neukastilien, gegen S. und O. von Valencia und Katalonien begrenzt. Der Aragonese haßt alles Fremde und zeichnet sich durch ein finsteres, hinterlistiges, rachsüchtiges und grausames, dabei extrem bigottes Wesen aus. Zugleich aber besitzt er einen glühenden Patriotismus, edlen Freiheitssinn, hohen persönlichen Mut, große Energie und eine wahrhaft spartanische Enthaltsamkeit in betreff sinnlicher Vergnügungen. Die Männer sind meist groß, hager und sehr gebräunt, die tapfersten Soldaten der Armee, die tüchtigsten Jäger, die verwegensten Räuber; die Frauen schön gewachsen, mit großen, schwarzen Augen und reichem, glänzend weichem Lockenhaar. Der ursprüngliche rauhe Dialekt der Aragonesen hat sich allmählich mit dem kastilischen verschmolzen. A. zerfällt in die Provinzen Saragossa, Huesca und Teruel (Genaueres s. unter den einzelnen Provinzen). Hauptstadt des Landes ist Saragossa.

Geschichte. Das jetzige A. kam nach Aufhören der römischen Herrschaft in den Besitz der Westgoten, seit dem 8. Jahrh. in den der Araber, Anfang des 9. Jahrh. nebst Katalonien teilweise unter fränkische Herrschaft. Die Grafschaft A., als deren erster Graf Azenar, ein Sohn des aquitanischen Herzogs Eudo, genannt wird, kam nach Erlöschen des gräflichen Hauses um 1000 durch Erbrecht an den König Sancho Mayor von Navarra (970-1035), der bei seinem Tod A. seinem natürlichen Sohn Ramiro I. zuwies. Dieser erweiterte sein Gebiet durch die Erwerbung von Ribagorza und Sobrarbe sowie durch glückliche Kämpfe gegen die Mauren und nahm den Königstitel an. Seine Nachfolger Sancho Ramirez (1063-94) und Pedro (1094-1104) setzten den Krieg gegen die Mauren mit Erfolg fort; endlich eroberte Alfons I. (1104-34) Saragossa 1118 und erhob es zur Hauptstadt Aragoniens. Sein Testament, worin er das Land den geistlichen Ritterorden vermachte, wurde von den Ständen Aragoniens nicht anerkannt, dagegen sein Bruder Ramiro II. auf den Thron von A. erhoben. Dieser verlobte seine Tochter Pedronella (1137) mit dem Grafen Raimund Berengar I., Grafen von Barcelona, der den Grund zur Vereinigung Kataloniens mit A. legte, indem sein älterer Sohn, Alfons II. (1162-96), ihm 1162 in Katalonien, 1163 auch in A. folgte. Unter ihm und seinen Nachfolgern ward A., durch die Erwerbung Roussillons, Montpelliers, Cerdagnes, Carcassonnes und andrer Pyrenäenlandschaften, Valencias und der Balearen vergrößert, schnell die zweite christliche Macht Spaniens neben Kastilien. Pedro II. (1196-1213) nahm seine Krone vom Papst zu Lehen. Die von König Jakob I. (1213-76), von welchem die Konstitution Aragoniens herrührt, beabsichtigte Teilung des Landes kam nicht zur Ausführung, da dessen ältester Sohn, Peter III. (1276-85), seinem Bruder Jakob II., welcher die Balearen, Roussillon, Cerdagne etc. bekommen hatte, die Lehnspflichtigkeit aufzwang. Peter III. erwarb später (1282) Sizilien, ward aber infolge davon mit Frankreich in Krieg verwickelt. Als die hierdurch und durch sonstige Fehden hervorgerufene finanzielle Not ihn zur Ausschreibung drückender Steuern bewog, traten die Stände von A. 1283, um ihre alten Freiheiten zu wahren, zur ersten Union zusammen und zwangen dem König das Generalprivilegium von Saragossa ab, das, später noch erweitert, die monarchische Gewalt zu einem Schatten verminderte. Ihm folgte 1285 sein ältester Sohn, Alfons III. (1285-91), in den spanischen Reichen, der jüngere, Jakob, in Sizilien. Alfons entsetzte seinen Oheim Jakob von Majorca, geriet mit Kastilien und Frankreich in langwierige Händel, während welcher die aragonischen Stände ihre Macht erweiterten. Nach Alfons' kinderlosem Tod folgte ihm sein Bruder Jakob II. (1291-1327), der Sardinien erwarb und 1319 die Unteilbarkeit des spanischen Reichs festsetzte; doch behielten A., Katalonien und Valencia eigne Cortes. Auf Jakob folgte 1327 sein Sohn Alfons IV. (gest. 1336), der gegen die Genuesen und mit seinem Schwiegervater Alfons XI. von Kastilien glücklich gegen die Mauren focht. Sein Nachfolger Peter IV. (gest. 1387) beendete den dem Handel Aragoniens sehr nachteiligen Krieg mit Genua, vereinigte Majorca (1344) wieder mit. A., verlor dagegen Sardinien teilweise. Während seiner Kämpfe mit Kastilien und unzufriedenen Brüdern gewannen die Cortes immer größere Unabhängigkeit. Doch befestigte er wieder die königliche Gewalt durch den Sieg über den unbotmäßigen Adel bei Epila (1348). Sein Sohn Johann (1387-95) verlor ganz Sardinien an Leonore Visconti. Nach dessen und seines Bruders Martin (1395-1410) kinderlosem Tod entstanden in A. infolge des Auftretens verschiedener Prätendenten heftige Thronstreitigkeiten, aus denen endlich durch den Spruch gemischter Schiedsrichter der Infant Ferdinand von Kastilien, ein Neffe Johanns, als König hervorging. Dieser, Ferdinand I. (1412-16), wirkte eifrig mit zur Beseitigung des großen kirchlichen Schismas. Ihm folgte sein Sohn Alfons V. (1416-58), welcher die Regierung seiner Gemahlin Maria von Kastilien und seinem Bruder Johann überließ, um seinem Drang nach kriegerischen Abenteuern zu folgen. Er vereinigte Neapel und