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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Aram; Aramäa; Aramäische Sprachen; Arancini; Aranda

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Aram - Aranda.

Wasser enthalten nur 15 Teile Salz. Seine Tiefe beträgt in der Mitte etwa 27 m, weiter nach W. hin aber ca. 160 m; nach der Nordost- und Südküste nimmt die Tiefe bedeutend ab. Im SW. geht der A. in den Sumpfsee Laudan oder Aibugir über, der stellenweise ganz ausgetrocknet ist. Im Winter soll der See nicht selten ganz mit Eis bedeckt sein. Das Wasser ist fischreich. Die seichten Küsten sind der Schiffahrt sehr ungünstig, weshalb der See nur zu Gouvernementszwecken mit kleinen Dampfern befahren wird. - Die klassischen Autoren kannten den A. nicht, nur bei Plinius findet sich eine darauf bezügliche Stelle (vgl. Hehn, Das Salz, Berl. 1873). Der erste europäische Reisende, welcher an den A. kam, ist Zemarchos, Gesandter des byzantinischen Kaisers Justin II., der 569 auf der Rückreise von seiner Sendung an Dizabul, den Chakan der Türken, längs des Aralsees seinen Weg nahm. Genauer beschreiben ihn die arabischen Schriftsteller. Die erste zuverlässige Kunde erhielt Europa durch die Bemühungen Peters d. Gr. um die Kunde Rußlands und der angrenzenden Reiche. Bis 1848 lag der See vollständig auf dem Gebiet der Chane von Chiwa und Chokand; 1848 dehnten die Russen ihr Reich bis an den A. aus, nahmen Besitz vom Nordufer und rechneten nach der Abrundung ihres Besitzes am Sir Darja, wo bis dahin der Chan von Chokand gebot, den See selbst, dann das ganze Ostufer bis zu 43½° nördl. Br., im W. das Gebiet nördlich des 36.° zu ihrem Reich. Unbestritten ward ihre Herrschaft über den See und seine Ufer aber erst 1873 durch den Frieden mit Chiwa (s. d.). Hauptstützpunkte der Russen sind im O. Kasalinsk, im S. Tschimbai. Neuerdings ist die Ablenkung des Amu Darja (s. d.) nach dem Kaspisee geplant, wodurch der A. an Zufluß und Umfang bedeutend verlieren würde. Vgl. Rösler, Die Aralseefrage (Wien 1873); Wood, The shores of the Aral-Lake (Lond. 1876).

Aram, Eugene, Held eines Bulwerschen Romans, geb. 1704 zu Ramsgill in Yorkshire, Sohn eines Gärtners, gelehrter Schullehrer, arbeitete an einem keltisch-englisch-lateinisch-griechisch-hebräischen Wörterbuch und wurde wegen eines aus Eifersucht verübten Mordes an dem Schuhmacher Clark 3. Aug. 1759 gehenkt. Sein Schicksal lieferte auch den Stoff zu Thomas Hoods Gedicht "The dream of Eugene A."

Aramäa (Aram), im Alten Testament das ganze Gebiet zwischen Phönikien, Palästina, Arabien, dem Tigris und Armenien, in welchem die aramäische (syrische) Sprache geredet ward, mithin Syrien und das Mesopotamien der Griechen. Vorzugsweise ist aber A. das eigentliche Syrien mit der Hauptstadt Damaskus (Aram Damesek), dem gegenüber das Land zwischen Euphrat und Chabur als Aram Naharaim ("Syrien der beiden Flüsse") bezeichnet wird. Als der mächtigste der aramäischen Staaten erscheint unter Saul und David Aram Zoba, den David glücklich bekämpfte.

Aramäische Sprachen, ein Zweig der semitischen Sprachfamilie, der nebst dem Hebräisch-Phönikischen und dem Assyrisch-Babylonischen die nördliche Gruppe derselben bildete. Gewöhnlich unterscheidet man zwischen Ostaramäisch oder Chaldäisch und Westaramäisch oder Syrisch, wobei ersteres die von den Hebräern seit der babylonischen Gefangenschaft anstatt des Hebräischen gesprochene, aus Chaldäa mitgebrachte Sprache ist, welche zur Zeit der Makkabäer zur Schriftsprache erhoben wurde und auch nach der Zerstörung Jerusalems bis ins 10. Jahrh. die Schriftsprache der Juden blieb, während man unter Syrisch die Sprache der christlichen Syrer versteht, die, zuerst in palmyrenischen Inschriften im 1. Jahrh. n. Chr. auftretend, die Sprache der sehr bedeutenden christlichen Litteratur der Syrer wurde, aber seit dem Eindringen des Islam in Syrien immer mehr vor dem Arabischen zurücktrat und jetzt nahezu erloschen ist. Außerdem wird auch der eigentümliche alte Dialekt der Mandäer oder Sabier, einer am untern Euphrat und Tigris wohnenden Religionssekte, wie er in den aus dem 4.-5. Jahrh. stammenden Religionsschriften derselben vorliegt, zum Aramäischen gerechnet; dem Mandäischen wird auch das nicht mehr erhaltene Nabatäische beigezählt. Die Entdeckung der Keilinschriften und andre neuere Forschungen haben es indessen wahrscheinlich gemacht, daß das Aramäische ursprünglich die Sprache der semitischen Bergvölker war, sich später von Karchemisch (jetzt Dscherablus) am untern Euphrat aus als Handelssprache über ganz Vorderasien verbreitete und schon vom 8. Jahrh. ab sowohl in Chaldäa als in Syrien die herrschende Sprache war. Später muß es sich auch über ganz Persien verbreitet haben, wodurch das Pehlewi oder Mittelpersische seinen starken Prozentsatz aramäischer Bestandteile erhielt. Chaldäisch und Syrisch sind hiernach von Haus aus identisch. Während jedoch die verschiedenen Formen des Aramäischen (einer derselben, der damaligen Landessprache Palästinas, bedienten sich auch Jesus Christus und seine Jünger) nur wenig untereinander differieren, weichen sie von den übrigen semitischen Sprachen sowohl in den Lautverhältnissen als in ihrem grammatischen Bau sehr bedeutend ab. Eine Grammatik des Biblisch-Aramäischen schrieb Kautzsch (Leipz. 1884). Vgl. Chaldäische Sprache und Syrische Sprache.

Arancini (ital.), in Scheiben zerschnittene und in Zucker eingelegte Pomeranzenschalen; auch kleine, unreife, in Zucker eingemachte und in Schachteln versandte bittere Pomeranzen, dienen als magenstärkendes Mittel.

Aranda, Don Pedro Pablo Abaraca de Bolea, Graf von, span. Staatsmann, geb. 21. Dez. 1718 zu Saragossa aus einer vornehmen Familie, widmete sich dem Militärdienst, verließ denselben 1746 als Oberstleutnant, bereiste Italien und Frankreich und widmete sich dann auf seinen Gütern wissenschaftlichen Studien. Karl III. ernannte ihn 1759 zum Obersten und Gesandten am polnischen Hof. Im J. 1763 ward er Generalstatthalter von Valencia, 1766 Präsident des Rats von Kastilien und Generalstatthalter dieser Provinz, so daß er die höchste Zivil- und Militärgewalt in sich vereinigte. Auch ward er in den Grafenstand erhoben. Um Spanien nach den Ideen der französischen Aufklärung, denen er anhing, von Grund aus zu reformieren, schaffte er eine Menge kirchlicher Mißbräuche ab, beschränkte die Macht des Papsttums in Spanien, unterwarf die Ordensgeistlichkeit dem Staat, zügelte die Inquisition und bewirkte die Vertreibung der Jesuiten aus Spanien (1. April 1767). Große Verdienste erwarb er sich um Künste und Wissenschaften, um die Verbesserung der Polizei und um das Volkswohl überhaupt. Durch die Vertreibung der Jesuiten hatte er der Pfaffenherrschaft die Axt an die Wurzel gelegt, dafür arbeitete aber auch der Klerus insgeheim an seinem Sturz. Auf sein Betreiben schickte der König A. 1773 als Gesandten an den französischen Hof. Auch in dieser Stellung machte sich A. um sein Vaterland verdient und brachte unter anderm den Pariser Frieden (1783) unerwartet glücklich zu stande. Im J. 1787 zurückgerufen, war er Mitglied des ein-^[folgende Seite]