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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Argonne; Argos

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Argonne - Argos.

erlangen würden, wofern sie sich nicht durch Kirke vom Morde des Absyrtos entsündigen ließen. Sie schifften nun den Eridanos hinauf, in den Rhodanos, fuhren mit Hilfe der Dioskuren bei den Kelten und Ligurern vorbei zu den Stöchadischen Inseln, von da zur Insel Äthalia (Elba), dann ins Ausonische und Tyrrhenische Meer und nach Aiäa, dem Wohnsitz der Kirke, der Schwester des Äetes, die sie entsühnte, ohne sie zu erkennen, dann aber, als sie hörte, Medea sei bei ihnen, sie vertrieb. Hera begünstigte die weitere Fahrt. Orpheus' Gegengesang brachte sie glücklich bei den Sirenen vorbei, Thetis und die Nereiden durch Skylla und Charybdis (Meerenge von Messina), und so kamen sie fröhlich zu dem glücklichen Volk der Phäaken, dessen König Alkinoos sie gastlich aufnahm. Letzterer, von den einholenden Kolchiern, welche eine Schlacht oder die Medea forderten, wie von den verfolgten A. als Schiedsrichter anerkannt, wollte nur die Jungfrau Medea den Kolchiern zusprechen. Seine Gattin Arete aber wußte Iasons und Medeas eheliche Verbindung zu bewirken, und die Kolchier mußten verzichten. So zum letztenmal geschützt und reichbeschenkt, segelten die A. an den Echinadischen Inseln vorbei. Schon sahen sie den Peloponnes, da verschlug sie ein Sturm in die Syrte. Libysche Nymphen und Poseidon retteten sie, und sie trugen ihre Argo zwölf Tage und zwölf Nächte bis an den Tritonischen See. Hier fand Mopsos den Tod, Triton aber zeigte ihnen den Weg in das Mittelländische Meer. Glücklich erreichten sie Karpathos; aber bei Kreta würde der Riese Talos die Argo, ohne Medeas Zauber, mit seinen Felswürfen versenkt haben. Bei den Sporadischen Inseln rettete sie Apollon aus dem Sturm. Endlich landeten sie auf der Insel Ägina und gelangten in die Heimat. Nach Ovid lebte Äson noch bei Iasons Rückkehr und ward von Medea verjüngt. Iasons Mutter hatte dem Pelias geflucht und sich getötet; auch ihren Sohn Promachos hatte Pelias ermordet. Nun kam Iason und überreichte das Goldene Vlies. Nachdem er die Argo dem Poseidon geweiht, forderte er Medea zur Rache an Pelias auf. Diese beredete dessen Töchter, ihren Vater zu zerstücken und zu kochen, um ihn so zu verjüngen, wie Medea einen Widder jung gekocht hatte. Akastos aber, Pelias' Sohn, bestattete ihn und vertrieb Iason und Medea aus Iolkos. Sie gingen nach Korinth und lebten daselbst glücklich zehn Jahre lang, bis der König Kreon seine Tochter dem Iason verlobte und dieser Medea verstieß. Über die Rache der letztern s. Medea.

Die Argonautensage, in welcher mythische und geschichtliche Elemente zusammengewoben sind, ist vielfach poetisch bearbeitet worden, sowohl als Epos wie auch als Tragödie, z. B. von Eumelos, Peisandros, Äschylos, Sophokles u. a. Was wir besitzen, sind die griechischen Epen des Apollonios und des sogen. Orpheus und das lateinische Heldengedicht des Valerius Flaccus. Eine ziemlich ausführliche Geschichte dieses Zugs gibt auch Pindar in dem vierten pythischen Siegeslied. Auch Künstler machten den Argonautenzug zum Gegenstand ihrer Darstellungen, so Lykios in einem plastischen Bildwerk, worüber nichts Näheres bekannt ist; der Maler Mikon stellte die Rückkehr der A. im Tempel der Dioskuren zu Athen dar. Auch das vom Redner Hortensius um 144,000 Sesterzien angekaufte Gemälde des Kydias behandelt die Argonautensage (vielleicht dasselbe, welches später im Porticus Neptuni oder Argonautarum zu Rom aufgestellt war). Unter den noch vorhandenen Kunstwerken ist die Darstellung der Besiegung des Amykos durch Polydeukes auf der sogen. Ficoronischen Ciste (s. d.) in Rom als das schönste uns erhaltene Werk der zeichnenden Kunst der Alten zu nennen. Auch auf Vasenbildern ist der Mythus mehrfach behandelt. Von neuern Darstellungen verdienen Erwähnung: der Argonautenzug von Carstens (hrsg. von Riegel, Leipz. 1884, 24 Tafeln) und der Szenen daraus enthaltende Fries von Schwanthaler in der Residenz zu München. Vgl. Vater, Der Argonautenzug (1845), und Stender, De Argonautarum expeditione (Kiel 1874).

Argonne, eine Landschaft der Champagne im nordöstlichen Frankreich, zu beiden Seiten der Aire, zwischen Marne und Maas. In derselben, besonders auf der westlichen Seite der Aire, ziehen sich die Argonnen oder der Argonner Wald hin, der Westrand des Hügelplateaus von Lothringen, der etwa 300-500 m Höhe erreicht und gegen W. in die Tiefebene der Champagne, gegen N. in die Ardennen übergeht. Auf dem breiten, kahlen Scheitel des Gebirges entspringen mehrere Flüsse. Trotz der geringen Höhe erschweren die Argonnen durch Unwegsamkeit und starke Bewaldung die Kommunikation nicht unerheblich.

Argos (Argolis, Argeia), Landschaft des Peloponnes, begriff ursprünglich nur das Gebiet der Stadt A., die rings von Bergen umgebene Thalebene des Inachos; später, namentlich unter römischer Herrschaft, verstand man darunter auch die im Vorgebirge Skylläon auslaufende Halbinsel zwischen dem Saronischen und Argolischen Meerbusen. A. ist der am reichsten gegliederte Teil des ganzen Peloponnes mit sehr zerklüfteter Küste und zahlreichen vorgelagerten Inseln. Als die bedeutendsten Berge sind zu nennen: der Kreion (jetzt Ktenia, 1600 m), Artemision (Malevo, 1772 m) und Lyrkeion (1848 m) im W., die Berge gegen Phlius (Megalo Vuno, 1270 m) und Kleonä im N., der Arachnäon (Arna, 1199 m) im O. Küstenebenen finden sich nur bei Trözen und die des Inachos bei Argos. Die Bewässerung des Landes ist eine sehr ungleiche, im ganzen äußerst dürftige; schon Homer redet vom "vieldurstigen" A. Die zahlreichen in den Bergen entspringenden Bäche führen nur im Winter das Wildwasser ins Meer, im Sommer versiegen sie oder verschwinden bald in Klüften, um erst unweit des Meers wieder hervorzubrechen. So bedeuten die nachwachsenden Häupter der lernäischen Schlange solche wieder hervorbrechende Quellen, welche bei Lerna in der südwestlichen Ecke der Ebene von A. Sümpfe bildeten, die Herakles, der Repräsentant vordringender Kultur, lange vergeblich zu bewältigen strebte. Auch die beiden Hauptflüsse, der Inachos (Panitsa) und sein Zufluß Charadros (Xerias), sind die meiste Zeit des Jahrs trocken. Zisternen mußten schon im Altertum dem Wassermangel steuern. Trotzdem lieferte die Küstenebene von A. Getreide in Überfluß; sie ist auch heute noch, wiewohl teilweise versumpft, fast die einzige für Ackerbau verwendete Gegend in A. In den gebirgigen Teilen wurde starke Viehzucht, auch Bergbau auf Kupfer getrieben. Ausgezeichnet waren die argivischen Pferde, schon von Homer, später von Strabon und noch jetzt von Reisenden gerühmt. Vor allem aber wurden Handel und Schiffahrt durch die zahlreichen Buchten und trefflichen Ankerplätze begünstigt, und sie stehen heute noch wie im Altertum in Blüte. Als älteste Bewohner werden Pelasger und Danaer genannt, Einwanderer aus Syrien und Ägypten, welche später durch Griechen (Achäer von N., dann Dorier von S. her) verdrängt werden. In alter Zeit gab es in A. fast so viele Staaten wie Städte. Von letztern sind