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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Argyllshire - Ariadne.

(geb. 18. März 1848), vierten Tochter der Königin Viktoria von England, und war von 1878 bis 1883, in welchem Jahr er aus Gesundheitsrücksichten nach England zurückkehrte, Generalgouverneur des Kanadischen Bundes.

Argyllshire (spr. argeilschir, auch Argyleshire, "Land der Gälen"), Grafschaft an der Westküste von Schottland, hat ein Areal von 8468 qkm (153,7 QM.) und besteht aus einem festländischen Teil, der nach S. zu in die langgestreckte Halbinsel von Kintyre (s. d.) ausläuft, und einer Anzahl von Inseln, unter welchen Mull, Jura, Islay, Colonsay, Tiree, Coll und Rum die bedeutendsten sind. Den festländischen Teil zerschneiden weit eindringende Lochs und tiefe Glens in eine Anzahl von Halbinseln und inselartigen Bergmassen. Nördlich von Loch Sunart dringt die Halbinsel Ardnamurchan mit ihrem basaltischen Vorgebirge am weitesten in den Atlantischen Ozean vor; südlich von ihr liegt Morvern, das ein enger, aber tiefer Meeresarm von der gebirgigen Insel Mull trennt. Nordöstlich von Morvern liegt die Landschaft Ardgower und jenseit des Loch Linhe die Landschaft Lorne, in welcher Ben Cruachan bis 1119 m ansteigt. Argyll, am obern Ende des fischreichen Loch Fyne, mit der Hauptstadt Inverary, bildet den Kern der Grafschaft. Östlich von Loch Fyne, zwischen ihm und dem Clydebusen, liegt die dreifach gespaltene Halbinsel Cowal. Der Crinankanal (s. d.) trennt Lorne von der Landschaft Knapdale, die vermittelst des nur einige 100 m breiten Isthmus von Tarbert mit der Halbinsel von Kintyre zusammenhängt. Hauptfluß der Grafschaft ist der Orchy, welcher in den malerischen Loch Awe (den größten Binnensee der Grafschaft) mündet und als Awe aus demselben abfließt. In dem an malerischen Schönheiten reichen Land beschränkt sich der Ackerbau auf einige Thäler; die Bergweiden ermöglichen dagegen bedeutende Viehzucht (1883: 61,018 Rinder, 1,008,679 Schafe), und die Wälder bergen viel Wild. Schiefer u. Bausteine werden gebrochen, aber der Bergbau beschränkt sich auf Blei, obgleich auch andre Metalle vorkommen. Die Bevölkerung (1881: 76,468) bedient sich meist noch der gälischen Sprache.

Argyraspiden (griech., "Silberschildträger"), Abteilung der makedon. Phalanx, welche mit Silberblech beschlagene Schilde führte, Kerntruppen und von Alexander d. Gr. sehr in Ehren gehalten. Auch der römische Kaiser Alexander Severus umgab sich mit einer Leibwache von A.

Argyriasis (Argyrosis), bei längerm innerlichen Gebrauch von Höllenstein (salpetersaurem Silberoxyd) entstehende Grau- bis Schwarzfärbung der Haut durch Niederschlag von Silber in die Gewebe.

Argyroide (Argyrophan), s. v. w. Neusilber oder eine neusilberartige Legierung.

Argyrokastron (türk. Ergeri), Stadt in Türkisch-Albanien, Wilajet Janina, im Gebiet der alten Argyriner, unweit des Dryno, eines Nebenflusses der Viosa, liegt auf drei durch tiefe Schluchten getrennten Vorsprüngen des Plato Vuni, hat meist vereinzelte, mit Türmen und Schießscharten versehene Häuser, Ruinen einer Citadelle, bedeutende Schnupftabaksfabriken und etwa 4000 Einw.

Argyrokratie (griech.), Geldherrschaft.

Argyromanie (griech.), bis zur Besessenheit gesteigerte "Geldgier".

Argyropulos, 1) Joannes, Humanist, geboren um 1416 zu Konstantinopel, war schon dort angesehener Rhetor und Philosoph, erschien bald nach der Eroberung Konstantinopels (1453) in Italien und erwies sich hier als der talentvollste Vermittler griechischer Bildung. Er lehrte zuerst in Padua griechische Sprache und Philosophie, wurde 1456 von Cosimo de' Medici auf 15 Jahre nach Florenz berufen, ging beim Ausbruch der Pest 1471 nach Rom und starb dort wahrscheinlich 1486. Er war der Lehrer von Piero und Lorenzo de' Medici, von Poliziano, Reuchlin u. a. Unter seinen Schriften befinden sich Übersetzungen zahlreicher Werke des Aristoteles ins Lateinische sowie Kommentare zur Ethik und Politik desselben.

2) Perikles, neugriech. Rechtsgelehrter, geb. 17. Sept. 1809 zu Konstantinopel, war seit 1837 als Lehrer der Rechtswissenschaft an der Universität in Athen thätig. Konstitutionellen Staatsformen geneigt, erstrebte er deren Einführung in Griechenland, wirkte zunächst schriftstellerisch dafür in der 1843-44 herausgegebenen Zeitschrift "Anamorphosis" (Reform), machte sich aber durch seinen Freimut beim König mißliebig. Nach Einführung der Verfassung 1843 beinahe immer Kammermitglied, zählte er zu den Führern der Opposition. Seit Mai 1854 Minister des Auswärtigen, vorübergehend auch der Finanzen, ward er 22. Sept. mit seinen Kollegen entlassen und nahm seine bereits im September 1855 begonnene akademische Thätigkeit wieder auf. A. starb 22. Dez. 1860. Unter seinen Schriften ist besonders die "Staatsverwaltung Griechenlands" (2. Aufl., Athen 1859, 2 Bde.) hervorzuheben.

Argyrosis (griech.), s. Argyriasis.

Aria cattiva (ital.), böse, verdorbene Luft, namentlich die äußerst schädlichen Ausdünstungen der Maremmen, Pontinischen Sümpfe etc.; s. Malaria.

Ariadne, Tochter des Königs Minos von Kreta und der Heliade Pasiphae, entbrannte in Liebe zu dem als Tribut für den Minotauros landenden Theseus und gab ihm ein Fadenknäuel, das er am Eingang des Labyrinths festknüpfen und während des Einschreitens durch die Irrgänge in der Hand ablaufen lassen sollte bis dahin, wo der Minotauros Wache hielt, zugleich auch ein gefeites Schwert, das Ungeheuer zu töten. So gelang es Theseus, mit seinen Gefährten von Minos in das Labyrinth geschickt, den Minotauros zu erlegen und sich aus den Irrgängen des Labyrinths glücklich herauszuwinden. Darauf entfloh er mit A., auf deren Rat er den Boden der kretischen Schiffe zerhieb, um das Nachsetzen unmöglich zu machen. Aber auf der Insel Dia (Naxos) verließ Theseus die A., die dann von Artemis getötet ward. Nach andern findet Dionysos auf der Rückkehr von Indien auf Naxos die verlassene Jungfrau schlummernd in einer Grotte, wird von ihrer Schönheit gefesselt und feiert mit der Erwachten seine Vermählung. Als Brautgeschenk erhält sie von der Aphrodite und den Horen oder von Dionysos selbst eine Krone, ein Werk des Hephästos. Nach ihrem Tod begräbt Dionysos die Geliebte in Argos. Ihre Krone wurde unter die Gestirne versetzt, sie selbst göttlich verehrt. Auf Naxos wurden ihr zwei Feste gefeiert, eins der Verlassenen unter Trauer, das andre der Vermählten mit Jubel. Wegen der Verwandtschaft dieser mit den Osiris- und Adonisfesten vgl. Dionysos. Der Mythus von Dionysos und A., wie letztere im Schlaf von Dionysos überrascht wird, findet sich oft auf antiken Kunstwerken, besonders Reliefs und Wandgemälden, dargestellt. Bekannt ist die Statue der schlafenden A. im Museum des Vatikans, die auch in andern Nachbildungen erhalten ist. Danneckers Meisterwerk zu Frankfurt a. M. stellt A. als Braut des Dionysos auf dem Panther reitend dar. Auch dramatisch und musikalisch ("A. auf Naxos",