Schnellsuche:
Info: Zur Zeit wird der Volltextindex aktualisiert. Sie erhalten daher bei Suchen nicht die volle Anzahl an Treffern. Die Aktualisierung dauert typischerweise wenige Minuten.

Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Arisch; Arista; Aristagŏras; Aristänĕtos; Aristäos; Aristarchos; Aristeides

810

Arisch - Aristeides.

A. war unter Cäsars Konsulat (59 v. Chr.) vom Senat zum König und Freund des römischen Volks ernannt worden. Cäsar hielt es daher für angemessen, zuerst den Weg der Verhandlung zu versuchen. Da aber A. eine Unterredung, die ihm Cäsar vorschlug, stolz zurückwies und auch auf die Forderungen, die Cäsar hierauf an ihn stellte, ebenso stolz antwortete, so begann Cäsar den Krieg gegen ihn, kam ihm in der Besetzung von Vesontio (Besançon) zuvor und suchte ihn dann, nachdem er in Vesontio die Zaghaftigkeit seiner durch die Gerüchte von der Körpergröße und Tapferkeit der Germanen erschreckten Truppen durch seine geschickte Behandlung überwunden hatte, in dem heutigen Elsaß auf. Hier standen beide Teile am Ostabhang der Vogesen in der Gegend des heutigen Cernay eine Zeitlang einander gegenüber; endlich kam es nach mehreren kleinen Gefechten zur entscheidenden Schlacht, in welcher die Germanen nach langem tapfern Widerstand eine völlige Niederlage erlitten. Die meisten wurden auf der Flucht niedergemacht; nur ein Teil rettete sich über den Rhein, unter ihnen A., dessen weitere Schicksale unbekannt sind.

Arisch (Kalaat el A.), Stadt in Unterägypten, an der syrischen Grenze, da, wo das große Wadi el A. in das Mittelmeer ausgeht, liegt, vom Meer durch eine lange Dünenreihe geschieden, auf einem Felsen und ist von einer alten massiven Befestigung umgeben. Der Ort, jetzt kaum 1000 Einw. zählend, ist das alte Rhinocolura, der berüchtigte Verbannungsort unter den Pharaonen, wo man den Verbannten die Nase abschnitt.

Arista, s. Granne.

Aristagŏras, Tyrann von Milet, Miturheber des Kampfes der Griechen mit Dareios Hystaspes, war Schwiegersohn und Vetter des Histiäos, nach dessen Abberufung er die oberste Gewalt in Milet erhielt. Aus Furcht vor Strafe wegen des Scheiterns der von ihm mit Megabates gegen Naxos geführten Expedition reizte er durch das Versprechen einer demokratischen Verfassung die ionischen Städte zur Empörung, erhielt von den Athenern und Eretriern 25 Schiffe und lenkte die Gesamtmacht der verbündeten Griechen gegen Sardes, das verbrannt wurde. Nach der Niederlage der Griechen bei Ephesos und dem Abzug der Athener 499 v. Chr. ging A. nach Myrkinos im Lande der Edoner, wo er 498 bei der Belagerung von Ennea Hodoi (später Amphipolis) umkam.

Aristänĕtos, griech. Rhetor aus Nicäa in Bithynien, Freund des Libanios, kam 358 n. Chr. bei einem Erdbeben zu Nikomedia um. Seinen Namen trägt fälschlich eine erst im 5. oder 6. Jahrh. verfaßte Sammlung von 50 erotischen Briefen, matten Nachahmungen des Alkiphron von zum Teil abenteuerlicher Erfindung, schlüpfrigem Ton und deklamatorischer Sprache. Neuere Ausgaben von Boissonade (Par. 1822) und Hercher (in "Epistolographi graeci", das. 1873); Übersetzung von Herel (Altenb. 1770); dichterische Bearbeitung von Philander von der Linde in seinen "Galanten Gedichten" (Leipz. 1710).

Aristäos (griech., "dem Besten gleich"), eine Gottheit der Griechen, deren Dienst weitverbreitet war, deren Mythus aber ziemlich dunkel ist. A. war der Sohn des Uranos und der Gäa, nach andern des Apollon und der Kyrene, der Enkelin des Flußgottes Peneios in Thessalien. Von den Horen oder auch den Nymphen (Bienen), die ihn mit Nektar und Ambrosia nährten, und von Cheiron erzogen, begab er sich später nach Theben, wo er von den Musen in der Heil- und Wahrsagekunst unterrichtet ward und sich mit einer Tochter des Kadmos vermählte. Nach dem unglücklichen Ende seines Sohns Aktäon wandte er sich nach der Insel Keos, wo er einer großen Dürre abhalf, indem er dem Feuchtigkeitsspender Zeus Altäre errichtete. Dann besuchte er die Inseln des Ägeischen Meers, Sizilien, Sardinien und Großgriechenland, überall wohlthätig wirkend. Zuletzt begab er sich nach Thrakien zu Dionysos und ward in dessen Mysterienkult eingeweiht. Er wurde vornehmlich als Pfleger der Bienen- und Schafzucht und des Ölbaums sowie als Beschützer der Jäger und Hirten verehrt. Spätere identifizieren ihn mit Zeus, Apollon, Dionysos.

Aristarchos, 1) A. aus Samos, Astronom um 270 v. Chr., ist bekannt als der Hauptvertreter des heliozentrischen Weltsystems im Altertum. Nach dem Zeugnis des Archimedes sah er den Fixsternhimmel als unendlich weit entfernt an; er lehrte ferner, daß derselbe stillsteht, während die Erde sich um ihre Achse dreht und gleichzeitig in einem gegen den Äquator geneigten Kreis um die Sonne läuft. Deshalb wurde er, wie Plutarch berichtet, von dem Stoiker Kleanthos der Gottlosigkeit angeklagt. In seiner uns erhaltenen Schrift "Über Größe und Entfernung der Sonne und des Mondes" (hrsg. von Wallis, Oxf. 1688; deutsch von Nokk, Freiburg 1854) gibt er eine sinnreiche Methode an, das Verhältnis zwischen diesen Entfernungen zu bestimmen mittels des Winkels, den die vom Auge des Beobachters nach den Mittelpunkten beider Gestirne gehenden Geraden in dem Augenblick einschließen, wenn der Mond genau halb beleuchtet erscheint. Da aber dieser Winkel nur um 10 Bogenminuten von 90° abweicht, so konnte ihn A. nicht mit hinlänglicher Genauigkeit messen; er fand dafür 87° und berechnete daraus 1:18 bis 1:20 für jenes Verhältnis, während dieses in Wahrheit 1:3,44 ist.

2) A. von Samothrake, berühmter griech. Grammatiker und Kritiker, lebte in der ersten Hälfte des 2. Jahrh. v. Chr. zu Alexandria als Lehrer der königlichen Prinzen und als Vorsteher der Bibliothek. Unter der tyrannischen Regierung seines Zöglings Ptolemäos VII., Physkon, floh er nach Cypern, wo er, 72 Jahre alt, an der Wassersucht starb. Seine Thätigkeit war namentlich den griechischen Dichtern zugewendet, vorzugsweise dem Homer. Um diesen erwarb er sich das größte Verdienst durch seine kritische Textausgabe, die wesentliche Grundlage des heutigen Textes, und die sich daran schließenden Erläuterungsschriften, die auf einer außerordentlichen Kenntnis der Sprache und des sachlichen Inhalts der Homerischen Gedichte beruhten. An ihn schloß sich eine eigne Schule an, die der Aristarcheer, welche bis über den Anfang der Kaiserzeit in seinem Sinn fortwirkte. Von seinen mehr als 800 grammatischen und exegetischen Schriften (außer Homer über Pindar, Archilochos, die Tragiker, Aristophanes u. a.) sind nur zerstreute Fragmente erhalten; über seine Homerischen Studien geben namentlich die zum großen Teil aus Auszügen der Schriften der Aristarcheer Didymos und Aristonikos beruhenden venezianischen Scholien zur Ilias Auskunft. Vgl. Lehrs, De Aristarchi studiis Homericis (2. Aufl., Königsb. 1865); Ludwich, Aristarchs Homerische Textkritik (Leipz. 1884-85, 2 Bde.). Sprichwörtlich bezeichnet man einen unerbittlichen Kritiker mit dem Namen A.

Aristeides, 1) ausgezeichneter athen. Feldherr und Staatsmann, Sohn des Lysimachos, geboren um 530 v. Chr., trat zuerst 509 öffentlich auf, indem er nach dem Sturz der Peisistratidenherrschaft Kleisthenes bei seiner Reform der Solonischen Verfassung behilflich war. Einfach, lauter und offenherzig, erwarb er sich früh durch seine Uneigennützigkeit, Gerechtigkeit