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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Armalist; Armançon; Armand; Armansperg; Armarĭum; Armatōlen

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Armalist - Armatolen.

von dem erstern 1410 gebildeten Heer angehörten. Dieselben leisteten im Kampf gegen England gute Dienste, wurden aber durch ihre Roheit und Plünderungssucht lästig und hießen deshalb Ecorcheurs (Leuteschinder). Als daher Kaiser Friedrich III. die Schweizer sich unterwerfen wollte und den König Karl VII. von Frankreich um Hilfstruppen bat, schickte dieser die wilden Söldnerhaufen an den Rhein in der Hoffnung, zugleich die Länder am linken Oberrhein in seine Gewalt bringen zu können. So entstand der Armagnakenkrieg (Armejäcken-, Armegeckenkrieg, bellum Armeniacum). Statt 5000 Reisige, wie der Kaiser zuerst verlangt, oder 10,000, wie man dann übereingekommen, schickte Karl mehr als 40,000 Mann und zwar nicht alle wider die Schweizer, sondern mit Rene, Herzog von Anjou, Lothringen und Bar, auch gegen das diesem feindliche Metz sowie mit dem Grafen Jakob von Lützelstein wider Toul und Verdun und mit Siegfried von Venningen und Jakob von Lichtenberg in das Elsaß. Der Dauphin Ludwig selbst zog mit mehr als 30,000 Mann nach dem Sundgau gegen die Schweizer. Der Herzog von Burgund gestattete dem Dauphin den Durchmarsch und ließ viele herumstreifende Rotten zu ihm stoßen. Vor Prattelen und bei St. Jakob an der Birs unweit Basel kam es 26. Aug. 1444 zur Schlacht. 1600 Männer der Schweizer Vorhut kämpften hier zehn Stunden lang gegen eine große Übermacht und fielen, nachdem sie 6000 Feinde erschlagen, bis auf 16 Flüchtige. Der Dauphin zog sich nach dem Elsaß zurück und sagte bald darauf im Frieden von Ensisheim den Eidgenossen beständige Freundschaft zu (28. Okt. 1444). Im Elsaß und in der Pfalz hausten die A. bis ins nächste Frühjahr fort, raubend und plündernd; die Bauern rächten sich, indem sie alle "Gecken", die sie gefangen nahmen, hinrichteten. Zwar säuberten nach und nach die Truppen der Städte und Reichsfürsten das Land, aber die blutigen Spuren ihrer Anwesenheit konnte man noch lange wahrnehmen. In Frankreich verlor sich der Name A., seit Karl VII. aus ihnen 4500 Schützen und 15 Lanzenreiter hatte auswählen, die übrigen aber verabschieden lassen. Vgl. Barthold, Der Armegeckenkrieg 1444 und 1445 (in Raumers "Historischem Taschenbuch", Leipz. 1842); Wülcker, Urkunden und Schreiben, betreffend den Zug der A. (Frankf. 1873); Witte, Die armen Gecken und ihr Einfall ins Elsaß 1439 (Straßb. 1883).

Armalist, in Ungarn ein privilegierter Bürgerlicher, welcher das Recht hat, ein bestimmtes Wappen (lat. arma) zu führen (s. Wappengenossen).

Armançon (spr. -mangssóng), Fluß im mittlern Frankreich, der in den östlichen Verzweigungen des Morvanhochlands entspringt und in nordwestlich gerichtetem, 200 km langem Lauf bei Cheny rechts in die Tonne mündet. Sein Thal mit dem Hauptort Tonnerre ist als wichtigste Verbindungsstraße zwischen Paris und dem Mittelmeer von Bedeutung, es enthält die Eisenbahn von Paris nach Lyon u. den Canal de Bourgogne.

Armand, Schriftsteller, s. Strubberg.

Armansperg, Joseph Ludwig, Graf von, bayr. Staatsmann, geb. 28. Febr. 1787 zu Kötzting in Niederbayern als Sprößling einer alten, 1790 in den Grafenstand erhobenen Familie, trat 1808 in den bayrischen Staatsdienst und war 1813 und 1814 Armeekommissar beim bayrischen Heer. Nach dem ersten Frieden von Paris ward ihm die Verwaltung der abgetretenen Departements übertragen, ebenso 1815, nachdem er inzwischen Bayern auf dem Wiener Kongreß vertreten. Im J. 1816 wurde er Direktor und 1823 Vizepräsident der Regierung des Rheinkreises; 1825 in die Kammer gewählt, erwarb er sich durch seine Kenntnisse und seine freimütige Art zu reden großes Ansehen. Im J. 1826 wurde er von König Ludwig I. zum Minister der auswärtigen Angelegenheiten ernannt, vertauschte aber bald darauf dies Portefeuille mit dem des Innern und der Finanzen. Während seiner kurzen Verwaltung war er mit Erfolg bemüht, das bayrische Finanzwesen nach festen Regeln zu ordnen, die Lasten zu mildern und gleichmäßig zu verteilen. Seine Ersparungsmaßregeln waren allerdings mitunter unbeliebt und brachten ihm den Spottnamen "Sparmannsberg" ein. Wegen seiner Hinneigung zum Liberalismus und zu der Politik der Westmächte war er den Klerikalen verhaßt, die 1831 seine Entlassung durchsetzten. Nach kurzer Muße wurde er 1832 von der Londoner Konferenz zum Präsidenten der neu zu organisierenden Regentschaft berufen, die während der Minderjährigkeit König Ottos Griechenland regieren und den Grund zur neuen Staatsordnung legen sollte. Armanspergs Wirksamkeit beschränkte sich anfangs auf das Präsidium der Regentschaft, dann übernahm er auch das Finanzwesen. Doch konnte er bei der gänzlichen Verarmung und Zerrüttung des Landes in den Finanzen keine großen Erfolge erzielen, zeigte indes in den übrigen Zweigen der Verwaltung große Thätigkeit. Mit seinen Kollegen Maurer und Abel geriet er wegen seiner Abhängigkeit von der englischen Diplomatie bald in Zwist und veranlaßte 1834 ihre Abberufung; er selbst blieb in seiner Stellung bis zur Volljährigkeit des Königs Otto 1. Juni 1835, an welchem Tag A. zum Staatskanzler befördert wurde. In dieser Eigenschaft war er Präsident des Ministerrats und erster Rat im Kabinett des Königs. Als dieser 1836 nach Deutschland reiste, übertrug er A. als Reichsverweser die Administration des Staats. Als solcher schaltete A. mit fast unumschränkter Vollmacht; aber nach der Rückkehr des Königs erhielt er 14. Febr. 1837 seine Entlassung, worauf er im März Griechenland verließ. Er lebte seitdem zurückgezogen auf seinem Gut Egg bei Deggendorf und starb 3. April 1853 in München.

Armarĭum (lat., davon franz. armoire, spr. -mŏahr), Schrank für Gerätschaften, auch Bücherschrank. Armariŏlum, Schränkchen; Hostienbehältnis. Armarĭus, Waffenschmied; Bücheraufseher; Bewahrer der Kirchenbücher und Vorsänger in Klöstern.

Armatōlen, die kriegerischen Bewohner der sogen. Armatolien (Waffengebiete) in den nördlichen griechischen Gebirgen, besonders in Makedonien, Epirus und Thessalien. Als Mohammed II. Griechenland erobert hatte, flüchteten sich viele Bewohner zum Teil in das Gebirge, um unter kühnen Häuptlingen (Kapitani) den Krieg im kleinen fortzusetzen oder als Räuber (Klephthen) zu leben. Der Kapitano sammelte eine Schar von 50-200 Jünglingen und Männern, die ihm auf Leben und Tod verpflichtet waren, und überfiel den Feind auf Straßen und in Städten. Die Paschas, unvermögend, sich zu schützen, knüpften gewöhnlich Unterhandlungen an, und so erhielten die Kapitani gegen Zusage friedlichen Betragens Sold, Lebensmittel und die Oberaufsicht in dem durch ihre Waffen beschirmten Bezirk. Diese Bezirke wurden Armatolien, ihre Bewohner A. genannt; letztere waren aber zum kleinsten Teil Griechen, vielmehr meist wegen politischer und religiöser Differenzen verfolgte, christlich gewordene Albanesen. Sie vornehmlich regten auf die Aufforderung der Hetärie den griechischen Freiheits-^[folgende Seite]