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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Armenien

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Armenien (Geographisches).

gegen N. und S., in tiefer liegende Landschaften ab. Der Nordost- und Nordrand zieht von dem Durchbruch des Araxes bis etwa 42° östl. L. v. Gr. von SO. gegen NW. Gegen N. fällt er zu den Ebenen des Kur und Rion ab, wird im Maximum seiner Annäherung an den Kaukasus zwischen 61 und 62° östl. L. vom Kur durchbrochen und lehnt sich an die Hochebenen von Achalzych, Kars, Eriwan und Nachitschewan an. Dieses Bergland wird aus mehreren terrassenartig aufsteigenden Parallelketten gebildet und trägt zahlreiche Porphyr-, Basalt- und Trachytberge. Zwischen den Ketten liegen langgestreckte, wohlbewässerte Hochebenen. Der Südrand liegt zwischen 39 bis 37½° nördl. Br. und 44 bis 37° östl. L. Die innerste und höchste Kette dieses Berglands ist der Ala Dagh. Dasselbe umgibt mit seinen beständig in Schnee gehüllten Kalksteinbergen, welche im Tura Dschelu bis 4220 m ansteigen, den Wansee und lehnt sich im N. unmittelbar an die vom östlichen Euphrat durchflossenen Hochebenen an. Wenige beschwerliche Pässe, worunter der von Bitlis, führen über die Kette. Im S. des Ala Dagh folgt eine breite Längenstufe, in welcher der Tigris, in der Thalebene von Diarbekr, nach O., weiter westlich auch der Euphrat auf eine Strecke nach W. fließt. Im S. wird die breite Längenstufe von dem von O. nach W. ziehenden, bis 1000 m hohen Tûr Addîn (Mons Masius) begrenzt und von der ersten Stufe Mesopotamiens getrennt. Am Ostrand steigt man aus Aserbeidschân allmählich über mehrere Stufen auf die Hochebenen Armeniens hinauf; kurze, die Terrassen miteinander verbindende Engpässe führen über dieselben. Am Westrand wird, wie auf der Ostseite, der Abfall des Hochlands nach dem Gestade des Schwarzen Meers und zu den niedriger liegenden Hochebenen Kleinasiens durch mehrere Stufen vermittelt. Zwischen der Hochebene von Erzerum (1965 m) und Trapezunt am Schwarzen Meer, auf einer Entfernung von 185 km, zieht sich eine Bergkette, über die man in die vom Tscharuch durchflossene Mittelstufe von Baiburt, sowie ein zweiter Gebirgszug hin, über den man zum pontischen Gestade gelangt. Plutonische Kräfte haben an der Bildung des armenischen Gebirgssystems überwiegenden Anteil genommen. Die geschichteten neptunischen Formationen und die ältern Bildungen, wie Granit, Syenit, Gabbro etc., sind im Verhältnis zu den später entstandenen (Trachyt, augitischer Porphyr) schwach repräsentiert. Die armenischen Gebirge scheinen als Ketten mit dem Kaukasus und den Gebirgen Kleinasiens, Kurdistans und Westpersiens gleiche Ursachen wie eine gleiche Epoche der Entstehung gehabt zu haben. Das große Hebungssystem aller dieser Gebirge zeigt genau dieselbe Richtung von SO. nach NW.; der Kern sämtlicher Hauptketten besteht aus Gesteinsmassen, welche petrographisch entweder identisch oder doch nahe verwandt sind. Nach der Erhebung der armenischen Alpenketten scheint eine Periode vulkanischer Thätigkeit eingetreten zu sein, welche im eigentlichen Hochland nur einzelne Erhebungskrater inmitten der Kette bildete und Schlacken und geschmolzenes Gestein aus der Tiefe emporhob. Übrigens ist der vulkanische Herd Armeniens noch keineswegs erloschen; seine fortdauernde Thätigkeit gibt sich nicht nur in warmen Mineralquellen (z. B. die Schwefelquellen bei Tiflis von 32,7° C.), sondern auch in den immer wiederkehrenden Erdbeben kund, deren Hauptfokus der Ararat ist. A. ist reich an Metallen. Berühmt sind die Bergwerke zu Gümüschchane, Kure, Baiburt etc., welche Silber, Blei, Eisen, Arsenik, Alaun, Steinsalz, besonders aber Kupfer liefern. - Armeniens Flüsse gehören mit wenigen Ausnahmen zu den Stromsystemen des Euphrat (Tigris), Araxes und Kur, welche sämtlich in A. entspringen. Der Euphrat bildet sich aus zwei Quellflüssen, dem Murad Su oder östlichen und dem Kara Su oder westlichen Euphrat. Von Malatia bis Gerger durchbricht er den Taurus und bildet eine Reihe von Wasserfällen und Stromschnellen. Der Tigris, eigentlich schon zu Kurdistan gehörig, entsteht ebenfalls aus zwei Quellflüssen: der östliche, der Schatt, entspringt südlich vom Wansee; der westliche, der Arm von Diarbekr, entquillt dem Alindschik Dagh; der vereinigte Strom durchbricht die südlichste Tauruskette und beginnt bei Mosul seinen Mittellauf. Der Aras entspringt zwischen den beiden Euphratarmen und fließt auf weiter Hochebene gegen O. und SO.; die Quelle des Kur liegt (auf jetzt russischem Gebiet) nordöstlich von Kars. Außer diesen ist noch der in das Schwarze Meer mündende Tscharuch (Akampsis) zu erwähnen. An größern Seen enthält A. den Wansee, auf türkischem, und den Göktscha, auf russischem Gebiet gelegen.

A. zerfällt in drei Klimaregionen: in die des Regens mit subtropischem Klima, in die des veränderlichen Niederschlags und in die des ewigen Schnees. Die erste Region begreift nur das Kurthal von Tiflis bis zum Kaspischen Meer und die Thallandschaft des obern Tigris; die zweite umfaßt die Hochebenen, die Randgebirge und die Plateauketten Armeniens bis zu einer absoluten Höhe von etwa 4000 m und bietet sehr viele Abstufungen dar. Während in der Ebene von Karahissar südeuropäisches Klima herrscht, haben die Mittelstufen der Randgebirge mitteleuropäisches Klima, und die Ernten können hier erst im August und September eingebracht werden. Die Hochebenen Armeniens haben im allgemeinen sehr rauhes Klima, besonders lange und strenge Winter und kurze Sommer mit sehr heißen Tagen, aber immer kalten Nächten; indessen wird das Klima durch die verschiedene absolute Höhe der Hochebenen bedeutend modifiziert. Ein charakteristischer Zug des armenischen Himmels besteht in den scharfen Gegensätzen feuchter Luftschichten von verschiedenen Temperaturen und in der häufigen Ausgleichung derselben durch heftige Entladungen (Schneeschauer im Winter, Regen- und Hagelschauer im Sommer). Von N. her haben die kalten Nordwinde ungehinderten Zutritt und treten dann den ohnehin auf dem armenischen Plateau sich abkühlenden Süd- und Ostwinden entgegen, wodurch jene heftigen Stürme erzeugt werden, welche von jeher die Küstenschiffer des Schwarzen Meers in Schrecken setzten. Die Region des ewigen Schnees begreift die höchsten Teile des Berglands; sie beginnt am Ararat bei 4000 m, reicht aber im Innern des Landes noch über 800 m tiefer herab. - Die Pflanzenregionen des armenischen Berglands sind erst ziemlich unvollständig bekannt. Die untern Regionen der Randgebirge sind mit immergrünen Bäumen bewachsen; in den höhern Regionen findet man wohl kräftigen Baumwuchs, aber eigentlicher Hochwald vermag sich in größerm Umfang nicht zu entwickeln. Vorherrschende Waldbäume sind Buche und Eiche zwischen 300 und 1250 m Höhe; Fichte und Ahorn steigen vereinzelt bis 1850 m; als oberster Waldbaum macht sich die Birke geltend, die bis über 2500 m Höhe erklimmt. Die noch höhern Regionen sind mit Sträuchern und