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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Arnheim; Arnhemsland; Arni; Arnica; Arnim

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Arnheim - Arnim.

und "Joseph II. und Leopold von Toscana, ihr Briefwechsel" (das. 1872, 2 Bde.). Außerdem erschienen von ihm: "Beaumarchais und Sonnenfels" (Wien 1868) und "Joh. Christ. Bartenstein und seine Zeit" (das. 1871). Als Direktor des Archivs erwarb er sich durch die Liberalität, mit der er allen Forschern die Schätze desselben zugänglich machte, gerechte Anerkennung. Seine Verdienste um die österreichische Geschichte wurden dadurch gewürdigt, daß er 1881 zum Präsidenten der k. k. Akademie der Wissenschaften in Wien gewählt wurde.

3) Arthur, Mathematiker und Physiker, geb. 19. Sept. 1802 zu Heidelberg, war seit 1838 Professor der Mathematik an der Universität daselbst; starb 16. Dez. 1858. Er schrieb: "System der Geometrie" (Stuttg. 1840, 2 Bde.); "Die Geschichte der reinen Mathematik in ihrer Beziehung zur Entwickelung des menschlichen Geistes" (das. 1852).

Arnheim (Arnhem), Hauptstadt der niederländ. Provinz Geldern, in schöner Umgebung am Südabhang der Hügelkette der Veluwe und am Rhein, von dem sich 2 km oberhalb die Yssel absondert, Station der Niederländischen Rheinbahn, von welcher hier Linien nach Zütphen und Nimwegen abzweigen. Unter den Gebäuden sind bemerkenswert: die Groote Kerk (mit dem prächtigen Grabmal des Herzogs Karl von Egmont), der Prinzenhof, wo vorzeiten die Herzöge von Geldern residierten, das Rathaus (wegen seiner Verzierungen "Teufelshaus" genannt), die neue Kaserne etc. A. zählt (1884) 44,436 Einw., darunter zahlreiche Ostindien-Rentiers (Sücker-Lords), die sich neuerdings nach A. zurückzuziehen lieben. Die Stadt hat ein Gymnasium, eine höhere Bürgerschule, ein Seminar für Lehrerinnen, eine Kunstschule, eine Schiffbrücke über den Rhein, Fabriken für Tischlerwaren, Spiegel, Kutschen, mathematische und physikalische Instrumente, Schriftgießereien, zahlreiche Papiermühlen in der Umgegend, einen sichern Hafen und treibt lebhaften Getreide-, Vieh-, Tabaks- und Speditionshandel, namentlich mit Deutschland. In der Umgebung der Stadt liegen zahlreiche Landhäuser mit Parkanlagen (berühmt ist der Park des Landguts Svasbeek) und blühenden Dörfern. - A. gilt für das Arenacum der Römer und wird urkundlich zuerst 996 erwähnt; 1233 machte es Herzog Otto III. von Geldern zu seiner Residenz und ließ es befestigen. Die Stadt trat dem Hansabund bei, kam mit ganz Gelderland später an Kaiser Karl V. und ward 1585 von den Holländern erobert, worauf sie der niederländischen Union beitrat. 1672 wurde sie von den Franzosen erobert, darauf zu Anfang des 17. Jahrh. von General Coehoorn von neuem befestigt. Am 30. Nov. 1813 nahmen die Preußen unter Bülow die Stadt mit Sturm und bahnten der Befreiung Hollands dadurch den Weg. Jetzt sind die ehemaligen Festungswerke in Promenaden umgewandelt.

Arnhemsland, der jetzt nicht mehr gebräuchliche Name für den nordöstlichen Teil des zur britisch-australischen Kolonie Südaustralien gehörigen Nordterritoriums (s. d.) zwischen dem Golf von Carpentaria und der Hraforasee. An der Nordostküste liegt die Arnhemsbai, welche ebenso wie A. nach dem holländischen Seefahrer Arnhem benannt wurde, der 1623 diesen Teil der Nordküste Australiens entdeckte.

Arni (Riesenbüffel), s. Büffel.

Arnica Rupp. (Wohlverleih), Gattung aus der Familie der Kompositen, perennierende Kräuter mit meist einfachem oder wenig ästigem Stengel, gegenständigen, ganzrandigen oder gezahnten Blättern, großen, langgestielten, einzeln endständigen, gelbblütigen Köpfchen und fast linealischen Achenen. Zehn Arten in Europa, Asien und Nordamerika. A. montana L. (Bergwohlverleih, Fall-, Engel-, Johannisblumenkraut, Mönchs-, Mutterwurz, s. Tafel "Arzneipflanzen I"), auf Wiesen der süd- und mitteleuropäischen Gebirge, in Norddeutschland in der Ebene, auch auf Labrador, besitzt einen schief in der Erde liegenden, meist einfachen Wurzelstock, einen einfachen Stengel mit wenigen länglich-eiförmigen, ganzrandigen Blättern und oft an 5 cm im Durchmesser haltenden, dunkel goldgelben Blütenkörbchen. Die Wurzel riecht schwach aromatisch, schmeckt anhaltend scharf gewürzhaft, etwas bitterlich; sie enthält Gerbstoff, Harz, Fett, gelbliches ätherisches Öl und Arnicin. Die Blüten, welche eigentümlich, schwach, nicht unangenehm riechen, enthalten neben Arnicin ein besonderes kamillenartig riechendes ätherisches Öl. Die A. scheint als Volksmittel seit langem in Gebrauch zu sein, zu allgemeiner medizinischer Anwendung kam sie aber erst im vorigen Jahrhundert; sie genoß einen außerordentlichen Ruf, geriet aber sehr bald wieder in Vergessenheit. Arnikatinktur, als Volksheilmittel durch Auspressen der ganzen blühenden Pflanze und Mischen des Saftes mit Spiritus, in den Apotheken durch achttägiges Digerieren von 1 Teil Blüten mit 10 Teilen Spiritus gewonnen, wird zu Umschlägen bei Blutextravasaten und Quetschungen sowie als Wundheilmittel sehr gerühmt.

Arnim, 1) Johann Georg von, kaiserlicher und kursächs. General während des Dreißigjährigen Kriegs, von den katholischen Soldaten wegen seiner Nüchternheit der "katholische Kapuziner" genannt, geb. 1581 zu Boitzenburg in der Ukermark aus einer alten Adelsfamilie (in Urkunden auch Arnym, Arnimb und Arnheim genannt), trat zuerst in schwedische, dann in polnische, 1626 aber als Oberst in kaiserliche Dienste. Wallensteins Vertrauter, ward er von diesem mit der Belagerung von Stralsund beauftragt, dann nach Polen gegen die Schweden entsandt und 1628 zum Feldmarschall befördert. Als guter Protestant mit der Politik des Kaisers nicht einverstanden, nahm er seinen Abschied und trat 1631 in die Dienste des Kurfürsten Johann Georg von Sachsen. Er schloß für diesen das Bündnis mit Gustav Adolf, befehligte die Sachsen in der Schlacht bei Breitenfeld (17. Sept. 1631), drang dann in die Lausitz und in Böhmen ein, bemächtigte sich Prags und operierte, nachdem er Böhmen vor Wallenstein wieder hatte räumen müssen, glücklich in Schlesien, blieb auch dort mit Genehmigung des Königs, als dieser zur Rettung Sachsens herbeieilte. Nachdrücklich, aber vergeblich drang er bei dem Kurfürsten auf eine kräftige Führung des Kriegs, um dadurch zu einem baldigen und ersprießlichen Frieden zu gelangen. Im J. 1633 ging er wieder nach Schlesien und unterhandelte hier mit Wallenstein, mit dem er inzwischen fortwährend in Verbindung gestanden. Er zog dann dem Kurfürsten von Brandenburg zu Hilfe und belagerte im Winter Frankfurt vergebens. Die von ihm 1634 geführten geheimen Unterhandlungen mit Wallenstein vereitelte dessen Sturz. Alsbald brach A. nach der Lausitz auf, nahm Bautzen weg, siegte über Colloredo (Mai 1634) bei Liegnitz, eroberte Zittau und Großglogau, fiel dann mit dem schwedischen General Banner in Böhmen ein und besetzte nach einem gescheiterten Anschlag auf Prag Limburg und Königgrätz. Infolge des Prager Friedens (1635) nahm er seinen Abschied und begab sich auf sein Gut Boitzenburg. Feindlicher Pläne gegen Schweden beschuldigt, ward er hier 7. März 1637 verhaftet und