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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Arnim

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Arnim.

nach Stockholm gebracht. Von dort floh A. im November 1638, hielt sich einige Zeit verborgen und trat dann als Generalleutnant von neuem zugleich in kaiserliche und kursächsische Dienste. Mit der Bildung eines neuen Heers beschäftigt, starb er 8. April 1641 in Dresden. Über sein Verhältnis zu Wallenstein vgl. die "Briefe Wallensteins", herausgegeben von Förster (Berl. 1828, 3 Bde.); Helbig, Wallenstein und A. 1632-34 (Dresd. 1850), und Hallwich im "Archiv für sächsische Geschichte", Bd. 8, 1870.

2) Ludwig Achim von, Dichter der romantischen Schule, geb. 26. Jan. 1781 zu Berlin, studierte in Göttingen Naturwissenschaften und veröffentlichte selbst eine "Theorie der elektrischen Erscheinungen" (Halle 1799), wendete sich aber bald ausschließlich der poetischen Produktion zu, ließ sich nach mehrfachen Reisen 1806 in Heidelberg nieder, wo er, mit Klemens Brentano eng befreundet, die "Zeitung für Einsiedler" (deren Titel dann poetischer in "Trost-Einsamkeit" umgewandelt ward; neu herausgeg. von Pfaff, Heidelberg 1883) herausgab und mit Brentano jene vielberufene Sammlung der ältern deutschen Volkslieder: "Des Knaben Wunderhorn" (das. 1808-19, 3 Bde.; einen vierten Band gab Erck 1853 aus Arnims Nachlaß heraus; neueste Ausgabe des Werks von Birlinger und Crecelius, Wiesb. 1873) veranstaltete, deren Verdienst es bleibt, zuerst wieder die vergessenen Schätze der deutschen Volkslyrik erschlossen zu haben. Inzwischen war A. mit selbständigen Arbeiten hervorgetreten und entfaltete bald eine nimmer rastende Schöpfungslust. Die anonym erschienenen Jugendromane: "Hollins Liebeleben" (Götting. 1802) und "Ariels Offenbarungen" (das. 1804) zeigten schon die reiche Phantasie und phantastische Willkür, welche den begabten Dichter nie verlassen sollten. Die Novellensammlung "Der Wintergarten" (Berl. 1809) erneuerte vergessene Erzählungen; höher stand der Roman "Armut, Reichtum, Schuld und Buße der Gräfin Dolores. Eine wahre Geschichte, zur lehrreichen Unterhaltung armer Fräulein aufgeschrieben" (das. 1810, 2 Bde.). Er schilderte zwar nicht ohne phantastisches und selbst gespenstisch-spukhaftes Beiwerk, aber im ganzen mit lebendigen Meisterzügen und echt dichterischer Stimmung die Geschicke einer edlen, aber wilden, heißblütigen Frauennatur, die, aus tiefster Armut zu glänzenden Verhältnissen erhoben, von der neuen Welt des Scheins überwältigt, zu einer Untreue gegen ihren Gemahl verleitet wird, welche sie tief und bitter zu büßen hat. Obwohl ihr der Gemahl vergibt, sich mit ihr aussöhnt und ferner in glücklicher, kindergesegneter Ehe mit ihr lebt, so nagt der Wurm der schlimmen Erinnerung an ihr, und da sie durch ein Mißverständnis wähnt, daß ihr Gemahl ihr untreu sei, und sie das Recht verloren hat, ihm darum zu zürnen, so erliegt sie dem nagenden stillen Kummer, erst im Tod zur Klarheit und innerlichen Versöhnung gelangend. Im Jahr 1811 verheiratete sich A. mit Brentanos Schwester Elisabeth (Bettina), lebte von da an teils in Berlin, teils auf seinem Gut Wiepersdorf in der Mark, ununterbrochen poetisch thätig, überdies durch eine anziehende, im besten Sinn ritterliche Persönlichkeit hoch ausgezeichnet. Sein wunderliches Drama "Halle und Jerusalem. Studentenspiel und Pilgerabenteuer" (Heidelberg 1811) war für das als geistreich erachtete willkürliche Ineinanderschieben der verschiedensten poetischen Elemente und Motive, für die völlige Auflösung jeder künstlerischen Form vielleicht die charakteristischte Probe der gesamten romantischen Dramatik. Auch die in seiner "Schaubühne" (Berlin 1813) vereinigten Dramen schwanken zwischen dem Ton des Ernstes und dem toller, phantastischer Puppenspiele in einer Weise, welche den rechten Eindruck gefährdet. Viel glücklicher war A. als Erzähler, wo alle tüchtigen Eigenschaften seines Wesens: die kernige Gestaltungskraft, der übersprudelnde Humor und die tiefe, innige Empfindung, von der abspringenden Laune und der Vorliebe für das Barocke minder beeinträchtigt werden. Unter seinen Erzählungen, die teils einzeln in Taschenbüchern, teils gesammelt unter den Titeln: "Vier Novellen" (Berl. 1811), "Landhausleben" (Leipz. 1826) und "Sechs Erzählungen" (Berl. 1835) erschienen, finden sich Meisterstücke, wie: "Isabella von Ägypten", "Der tolle Invalid auf Fort Ratonneau", "Die drei liebreichen Schwestern und der glückliche Färber", "Die Kirchenordnung", "Die Majoratsherren", "Fürst Ganzgott und Sänger Halbgott" u. a. Seine Hauptschöpfung sollte der historische Roman "Die Kronenwächter" werden, dessen erster Teil noch den Titel: "Bertholds erstes und zweites Leben" (Berl. 1817) führte, während ein zweiter, unfertiger Teil erst aus Arnims Nachlaß hervortrat. "Die Kronenwächter" sind ein historischer Roman von großartiger Anlage und mächtiger Ausführung; die historischen Studien haben sich in Fleisch und Blut rein poetischer, selbständiger Erfindung gewandelt; die bedeutende Zeit, der übergang vom Mittelalter zur Neuzeit (Beginn des 16. Jahrh.), ist lebensvoll und farbenreich geschildert, und die ausgeführten Episoden sind voll Wärme und Heimatszauber, so daß die Nichtvollendung dieses Werks zu beklagen bleibt. A. starb 21. Jan. 1831 in Wiepersdorf. Seine "Sämtlichen Werke" mit einer Vorrede von W. Grimm (Berl. 1839-46, 19 Bde.; 1853-56, 22 Bde.) fanden nur ungenügende Verbreitung; bessere wurde den "Ausgewählten Novellen und Erzählungen" (das. 1853, 3 Bde.) zu teil.

3) Elisabeth von, gewöhnlich Bettina genannt, Gattin des vorigen, Schwester von Klemens Brentano, Enkelin der Sophie Laroche, geb. 4. April 1785 zu Frankfurt a. M., verlebte ihre Jugend teils in einem Kloster, teils bei Verwandten in Offenbach und Marburg, teils in Frankfurt selbst. In ihrer Kindheit schon zu Exzentrizitäten und poetischen Sonderbarkeiten geneigt, gab sie sich, besonders seit ihrer Bekanntschaft mit dem Stiftsfräulein v. Günderode (s. d.), einer Naturschwärmerei hin, die endlich in wirkliche Krankheit ausartete. Nach dem Tode der Günderode trat sie mit Goethes Mutter in ein enges Freundschaftsverhältnis und faßte zu Goethe selbst, den sie 1807 persönlich kennen lernte, nachdem sie schon vorher in Briefwechsel mit ihm gestanden hatte, eine Neigung, die der Dichter zwar freundlich duldete, jedoch nicht erwiderte. Nach ihrer Verheiratung (1811) lebte sie, nachdem sie mit Goethe vollständig gebrochen, teils in Berlin, teils zu Wiepersdorf, dem Gut ihres Gatten. Erst nach dessen Tode trat sie als Schriftstellerin auf; dabei faßte sie lebhaftes Interesse für die sozial-politischen Zeiterscheinungen, gab sich in Berlin mit großem Eifer der Sorge für Arme und Kranke hin und nahm an den Hoffnungen und Erregungen des Jahrs 1848 einen Anteil, der ihr in den höhern Kreisen sehr schadete. Sie starb 20. Jan. 1859 in Berlin. Man hat Bettina mit Recht die "Sibylle der romantischen Litteraturperiode" genannt Ihre Werke sind Phantasien, geniale Improvisationen, in einem schwunghaften und blütenreichen, oft auch verworren stammelnden und pythisch-dunkeln Stil abgefaßt. So das bekannte Buch "Goethes Briefwechsel mit einem Kind" (Berl. 1835, 3 Bde.), das