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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Arrhephorien; Arrhidäos; Arrhythmie; Arria; Arrĭa; Arriānos; Arriāza y Superviēla

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Arrhephorien - Arriaza y Superviela.

Avena, Hafer, gezogen), mit mittelgroßen, zweiblütigen Ährchen, wovon die untere Blüte männlich und auf dem Rücken mit geknieter Granne versehen, die obere zwitterig, grannenlos oder nur unter der Spitze kurz begrannt ist. A. elatius Beauv. (Avena elatior L., hoher Glatt- oder Wiesenhafer, französisches Raigras, s. Figur), 60-140 cm hoch, wächst auf gutem, tiefgrundigem, leichtem, warmem Boden und ist eins der besten Obergräser, muß aber als solches herrschend sein, weil es frühere Ernte fordert als andre Gräser. Es ist weniger nahrhaft als manches andre Gras, entschädigt aber durch großen Ertrag und reich es zartes Grumt. Gebrauchswert 15 Proz.

Arrhephorien, s. Errhephorien.

Arrhidäos, Sohn des makedon. Königs Philipp II. und der Tänzerin Philinna aus Larissa, Halbbruder Alexanders d. Gr., blödsinnig infolge eines Gifttranks, den ihm Olympias beigebracht, wurde nach dem Tod Alexanders 323 v. Chr. vom Fußvolk unter dem Namen Philippos zum König erhoben. A. vermählte sich mit einer Enkelin Philipps, der herrschsüchtigen Eurydike, und begleitete den Reichsverweser Perdikkas auf seinem Zuge gegen Ägypten. Nach des Perdikkas Ermordung (321) stand er unter der Leitung Pythons, dann des Antipatros, mit dem er nach Europa zurückkehrte, und zuletzt unter der seiner Gemahlin Eurydike, die 317 Kassandros als königlichen Oberbefehlshaber nach Makedonien rief. Kaum aber war dieser nach Griechenland zurückgekehrt, so brach die vertriebene Olympias, unterstützt von dem epeirotischen König Äakides, in Makedonien ein. A. und Eurydike wurden gefangen genommen und, da das Heer sich ihrem Hungertod widersetzte, A. mit Pfeilen erschossen, Eurydike gezwungen, sich an ihrem Gürtel zu erhängen.

Arrhythmie (griech.), Mangel an Rhythmus.

Arrĭa, die heldenmütige Gattin des Römers Cäcina Pätus, der als Teilnehmer an einer Verschwörung gegen den Kaiser Claudius 42 n. Chr. zum Tod verurteilt ward. Sie folgte ihrem Gemahl auf der Flucht, stieß sich, als sie jeden Weg zur Rettung versperrt sah, den Dolch in die Brust und reichte ihn dem Gatten mit den Worten: "Pätus, es schmerzt nicht!" Irrtümlich hat man eine der schönsten Gruppen des Altertums (der Gallier und sein Weib), die sich in der Villa Ludovisi zu Rom befindet, auf diese Geschichte gedeutet und "A. und Pätus" genannt.

Arriānos, Flavius, einer der besten griech. Schriftsteller des spätern Altertums, in der zweiten Hälfte des 1. Jahrh. n. Chr. zu Nikomedia geboren, Schüler und Freund des Stoikers Epiktet, erhielt das athenische, von Kaiser Hadrian auch das römische Bürgerrecht, später (136) die Präfektur von Kappadokien und bekleidete das Konsulat unter Antoninus Pius, besiegte die in das Land eingefallenen Alanen und starb in Nikomedia unter Mark Aurel. In allen seinen Schriften zeigt er sich als glücklichen Nachahmer Xenophons, auch in der Wahl der Gegenstände. So zeichnete er, um dem Epiktet zu werden, was Xenophon dem Sokrates, mit wortgetreuer Genauigkeit die philosophischen Vorträge desselben in acht Büchern auf, deren noch erhaltene erste Hälfte das Beste ist, was wir über die Ethik der Stoa besitzen. Ausgaben davon ("Diatribae Epicteti") lieferten Schweighäuser in "Philosophiae Epicteteae monumenta" (Leipz. 1799) und Korais (Par. 1826, 3 Bde.); deutsche Übersetzungen Schulz (Altona 1801-1803, 2 Bde.) und Enk (Wien 1866). Daran schließt sich das "Enchiridion Epicteti", ein kurzes Handbuch der Moral, schon im Altertum als Lehrbuch in Hörsälen und Schulstuben benutzt, von Simplicius aus Sizilien um 550 kommentiert, auch zweimal nach christlichen Grundsätzen paraphrasiert (vom heil. Nilus um 430) und herausgegeben zuerst Venedig 1528 mit des Simplicius Kommentar und später öfter, am besten von Heyne (3. Aufl., Leipz. 1783) und von Schweighäuser (das. 1800; deutsch von Briegleb, Koburg 1805). Wie als Philosoph, nimmt A. auch unter den Historikern und Geographen seiner Zeit den ersten Rang ein. Seine "Anabasis" (Geschichte der Feldzüge Alexanders d. Gr. in sieben Büchern) ist sehr anschaulich und nach den besten Quellen, wie Aristobulos, Ptolemäos, welche Alexander begleiteten, mit Umsicht und Kritik gearbeitet; Ausgaben davon lieferten Ellendt (Königsb. 1832, 2 Bde.), Krüger (Berl. 1851), Sintenis (neue Aufl., Berl. 1867), Abicht (Leipz. 1871 ff.); deutsche Übersetzungen Cleß (Stuttg. 1862-65, 4 Bde.), Hartung (Leipz. 1861). Eine Ergänzung des Werks bildet die in ionischem Dialekt abgefaßte Schrift "Indica", welche über Indien, seine Bewohner etc. mit größtmöglicher Genauigkeit und Vollständigkeit berichtet (hrsg. von Schmieder, Halle 1798; deutsch von Schmid, Wolfenb. 1764), erläutert von Dodwell, Vincent ("The voyage of Nearchus", Lond. 1797), van der Chijs ("Commentarius geographicus in Arrianum", Leiden 1828). "Anabasis" und "Indica" zusammen gaben heraus Trincavelli (Vened. 1535), besser und mit Noten J. ^[Jakob] Gronovius (Leiden 1704) und Schmid (mit den Noten des Raphelius, Amsterd. 1757). Wichtig ist die dem Hadrian gewidmete Beschreibung einer (137) gemachten Küstenfahrt um das Schwarze Meer (hrsg. zuerst von Gelenius, Basel 1533), am besten in den "Geographi graeci minores" von Gail (Par. 1831). Von der verloren gegangenen Geschichte der Alanen ist ein Bruchstück: "Ektaxis" (Schlachtplan gegen die Alanen), herausgegeben worden von Scheffer (Ups. 1664) und von Blancard (Amsterd. 1683 u. 1750). Andre noch erhaltene Schriften des A. sind: "Kynegetika", eine den Xenophon ergänzende Abhandlung über die Jagd, hrsg. zuerst von Holstenius (Par. 1644), dann in Zeunes Ausgabe der "Opuscula politica" von Xenophon (Leipz. 1778) und von Sauppe (Helmst. 1840); die ihm ebenfalls fälschlich zugeschriebene Taktik ist die ältere Bearbeitung der Taktik des Älianus (s. d.). Die beste kritische Ausgabe der historischen Werke des A. veranstaltete C. Müller (Par. 1846). Sämtliche Werke des A. edierten Dübner und Müller (Par. 1846). Eine Übersetzung lieferte Dörner (Stuttg. 1829-34, 6 Bde.). Die "Scripta minora" des A. gab Hercher (Leipz. 1854) heraus. Unter den verloren gegangenen Werken des A. waren die Geschichte der Nachfolger Alexanders, woraus Photios ein Bruchstück aufbewahrt hat, und "Parthica" (Beschreibung der Kämpfe der Parther mit den Römern, in 17 Büchern) die bedeutendsten.

Arriāza y Superviēla, Don Juan Bautista de, span. Staatsmann und Dichter, geb. 1770 zu Madrid, ward in der Militärschule zu Segovia gebildet und betrat 1798 als Legationssekretär bei der spanischen Gesandtschaft zu Paris (später in London) die diplomatische Laufbahn. Im J. 1807, kurz vor dem Ausbruch der Revolution, nach Spanien zurückgekehrt, zeigte er sich fortan als eifriger Anhänger des absoluten Königtums, weshalb ihn Ferdinand VII. zu seinem Rat und Kabinettssekretär, zum Offizial im Ministerium des Auswärtigen und zum Kammerherrn und Ritter ernannte. A. starb 1837 in Madrid. Seine politische Thätigkeit, deren Prinzipien er in den "Discursos patrioticos" ausgesprochen hat, ging mit der poetischen Hand in Hand. Als Dichter ist A.