Schnellsuche:
Info: Zur Zeit wird der Volltextindex aktualisiert. Sie erhalten daher bei Suchen nicht die volle Anzahl an Treffern. Die Aktualisierung dauert typischerweise wenige Minuten.

Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Artilleriewerkstätten; Artisan; Artischocke; Artist; Artistenfakultät; Artium liberalium magister; Artocarpus; Artois

887

Artilleriewerkstätten - Artois.

und werden dann, nach ihrer Beförderung zum Offizier, zum Besuch der Artillerieschule kommandiert (Kursus ein Jahr), worauf sie nach bestandenem Examen zu Artillerieoffizieren ernannt werden. Der Unterricht für Feld- und Fußartillerie ist getrennt. 25 Schüler können auf 9 weitere Monate zum Besuch der Selekta zugelassen werden. Österreich: Höherer Artilleriekurs in Wien soll besonders befähigte Offiziere dieser Waffe in ihrer Ausbildung vervollkommnen. Frankreich: In den 19 A. (jede der 19 Artilleriebrigaden hat eine) werden die Offiziere ausgebildet. Ein Teil derselben erhält in der École d'application de l'artillerie et du génie zu Fontainebleau (bis 1870 in Metz) in zweijährigem Kursus fachliche Fortbildung. England hat eine Artillerieschule in obigem Sinne nicht. Die auf der Militärakademie zu Woolwich ausgebildeten Offiziere besuchen ein halbes Jahr die Artillerieschießschule zu Shoeburyneß. Rußland: Michael-Artillerieakademie zu Petersburg mit zweijährigem Kursus. Italien: Militärakademie zu Turin, Kursus dreijährig, daran anschließend die Applikationsschule für Artillerie und Genie mit zweijährigem Kursus. Spanien hat eine Schule zur Heranbildung von Artillerieoffizieren, die nicht aus den Unteroffizieren hervorgingen, in Segovia, für Genie in Guadalajara; die Türkei hat eine Artillerie und Ingenieurschule in Konstantinopel. Die ersten A. errichtete Venedig zu Anfang des 16. Jahrh. In diesen Anstalten erlernten die angehenden Artilleristen die Rechenkunst, die Geometrie, das Modellieren und Zeichnen der Geschütze und Festungswerke, die Verfertigung der Ladeschaufeln, den Gebrauch der Instrumente zum Richten, das Probieren der neugegossenen Geschütze, die Verfertigung der Kunstfeuer, den Batteriebau, die Anlegung der Minen etc.; besonders aber wurden sie im Zielschießen mit den verschiedenen Arten Geschützen geübt. Nach dem Muster dieser Schulen errichtete Karl V. ähnliche zu Burgos in Spanien und in Sizilien; in Deutschland dauerte aber der alte Brauch fort, die Artillerie zunftmäßig für Geld zu lehren und zu treiben, wobei besonders die Feuerwerkerei hervorgehoben ward, die selbst Fürsten zu ihrem Zeitvertreib ausübten. In Frankreich wurde 1675 zu Montesson, unweit Paris, eine Übungsschule im Schießen und Werfen angelegt, die 1679 durch Ludwig XIV. zu einer wirklichen theoretischen Artillerieschule in Douai umgestaltet wurde. Sachsen bekam 1766 eine Artillerieschule.

Artilleriewerkstätten, in Deutschland unter militärischer Direktion stehende Fabriken, in welchen die Artilleriefahrzeuge und Artilleriegeräte angefertigt werden. Solcher A. gibt es für Deutschland in Spandau, Deutz, Danzig, Straßburg i. E., Dresden und München; Österreich: in Wien; Frankreich: Mézíères, Rennes, Besançon, Nevers, Toulouse; England: Woolwich; Italien: Turin, Neapel; Spanien: Sevilla; Rußland: Petersburg, Briansk, Kiew, Kertsch, Warschau; s. Technische Institute der Artillerie.

Artisan (franz., spr. -sang), Handwerker.

Artischocke, Pflanzengattung, s. Cynara.

Artist (franz.), Künstler; in Frankreich mit Vorliebe gewählte Bezeichnung für Schauspieler und Opernsänger. Artiste vétérinaire, Tierarzt; artistisch, künstlerisch, auf Kunst bezüglich.

Artistenfakultät, bei den Universitäten ehemals die Fakultät der freien Künste, s. v. w. philosophische Fakultät; s. Universität.

Artium liberalium magister, s. Magister.

Artocarpus L. (Brotbaum, Brotfruchtbaum), Gattung aus der Familie der Urtikaceen, Bäume mit meist fiederspaltigen, handförmigen oder buchtig eingeschnittenen Blättern und zweihäusigen Blüten, von denen die männlichen Kätzchen bilden, während die weiblichen gedrängt auf einem fleischigen Kolben stehen, welcher zu einer kugeligen, höckerigen Frucht auswächst, die bei manchen Kulturvarietäten samenlos ist. Etwa 30 tropische Arten. A. incisa L. fil. (gemeiner Brotfruchtbaum, s. Tafel "Nahrungspflanzen"), ein 12-18 m hoher Baum mit eingeschnittenen Blättern, auf den Südseeinseln, besonders auf Tahiti, heimisch, von wo er im vorigen Jahrhundert nach Westindien und Südamerika verpflanzt ward, enthält sehr zähen, fadenziehenden Milchsaft und trägt ovale, 40 cm lange und 24 cm dicke, fleischige Früchte. Diese enthalten vor der Reife ein weißes, mehliges Mark und bilden in diesem Zustand für die Südseeinsulaner das vorzüglichste Nahrungsmittel. Sie werden geschält, in Blätter gewickelt, auf heißen Steinen gebacken und besitzen dann einen den Bananen ähnlichen Geschmack. Drei Bäume sind im stande, einen Menschen jahraus jahrein zu ernähren, denn während der drei Monate, wo der Baum keine Früchte hat, leben die Insulaner großenteils von der eingemachten Frucht. Die völlig reife Frucht mit breiigem, gelbem Mark schmeckt unangenehm. Die öligen Kerne sind dagegen genießbar. Auf Martinique, Réunion, in Guayana und Brasilien bereitet man aus den Früchten Stärkemehl. Die Milch der Rinde gibt Vogelleim, auch kann daraus Kautschuk gewonnen werden. Das gelbe, schwammige Holz dient als Bauholz. Aus dem Bast junger Zweige des Baumes fertigen die Insulaner Kleider. A. integrifolia L., fil. (indischer Brotbaum) trägt an den dicken Ästen und am Stamm bisweilen bis zur Erde herabhängende, 5-12½ kg schwere Früchte, Jaka genannt, welche auch im reifen Zustand genießbar sind. Auf Ceylon dienen sie einen großen Teil des Jahrs über als Nahrung. Man ißt sie roh, gekocht oder in Palmöl gebraten; aus dem getrockneten Mehl des Fleisches bäckt man Kuchen. Der indische Brotbaum liefert auch Kautschuk und ein Harz, welches als Dammar selo in den Handel kommt. Der Absud der Wurzel wird gegen Durchfall, das harte Holz (Jakholz, Jacqueiraholz) wie Mahagoni angewendet; die Rinde dient zum Gerben und Färben. Das Vaterland dieser Art ist Ostindien. A. pubescens Willd. ist ein ansehnlicher Baum in Ostindien, dessen Holz sehr hart, inwendig rötlich ist. Die Frucht ist faustgroß, weichstachlig, dem Stechapfel ähnlich, sehr wohlschmeckend; aber ihr übermäßiger Genuß bewirkt leicht Durchfall, wogegen jedoch die Wurzel und Rinde des Baumes selbst die sichersten Heilmittel sind. Das Holz wird zu Kisten und Kähnen verwendet. Die beiden ersten Arten sind Zierden hoher und großer Warmhäuser. Vgl. Forster, Geschichte und Beschreibung des Brotbaumes (Kassel 1784).

Artois (spr. artoa, deutsch Atrecht), alte Grafschaft im nordwestlichen Frankreich, bildete mit der Picardie eins der alten Gouvernements und gehört jetzt größtenteils zum Departement Pas de Calais (s. d.). Die Bewohner, gleichsam ein Übergang von den lebhhaften Picarden zu den gemessenern Vlämen, sind fest und arbeitsam, eifersüchtig auf ihre politischen Rechte wie vorzeiten auf die Privilegien ihrer Stände und eifrige Katholiken. Die Hauptstadt des Landes ist Arras. A., das Land der Atrebaten, wurde erst von den Römern, im 5. Jahrh. von den