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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Artokarpeen; Artolatrīe; Artôt; Artus

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Artokarpeen - Artus.

Franken erobert und kam durch die Heirat von Karl des Kahlen Tochter Judith mit dem Grafen Balduin Eisenarm 863 an Flandern. Philipp, Graf von Flandern, gab A. 1180 seiner Nichte Isabella von Hennegau, der Gattin Philipps II. August von Frankreich, zur Mitgift. Im J. 1237 erhob Ludwig IX. A. zu einer Grafschaft für seinen jüngern Bruder, Robert. Später kam A. durch Heirat an das Herzogtum Burgund. Nach dem Tod Karls des Kühnen (1477) nahm Ludwig XI. von Frankreich auch A. in Anspruch und erhielt es im Frieden von Arras (1482) zugesprochen. Allein im Frieden zu Senlis (1493) fiel A. nebst der übrigen Mitgift Margaretas von Österreich (Tochter Kaiser Maximilians) an Österreich. Von da an teilte A. die Schicksale der österreichisch-spanischen Niederlande. Im Frieden von Madrid (1526) und in dem zu Cambrai (1529) leistete Franz I. Verzicht auf Flandern und A. und ebenso Heinrich II. im Frieden zu Câteau-Cambresis (1559). Während des Dreißigjährigen Kriegs bemächtigte sich indes Frankreich mehrerer Plätze in A., namentlich der Hauptstadt Arras, und im Pyrenäischen Frieden (1659) mußte Spanien fast ganz A. an Frankreich abtreten. In der Folge ward durch die Friedensschlüsse von Nimwegen, Ryswyk und Utrecht Frankreich der Besitz der ganzen Grafschaft A. bestätigt und dieselbe mit der Picardie zu einem Generalgouvernement vereinigt. Ludwig XV. verlieh seinem dritten Enkel, Karl Philipp, den Titel eines Grafen von A., den derselbe bis zu seiner Thronbesteigung als Karl X. (1824) führte.

Artokarpeen (Brotfruchtbäume), dikotyle, etwa 200 Arten umfassende Pflanzenfamilie aus der Ordnung der Urticinen, milchsaftführende Holzpflanzen der Tropenzone, die sich von den verwandten Moreen durch die anfangs zu einer Tute verwachsenen Nebenblätter und die gerollte Knospenlage der Laubblätter unterscheiden. Vgl. Bureau, Artocarpeae (in De Candolles "Prodromus", Bd. 17). Die fleischigen Fruchtstände einiger in den Tropen kultivierter Arten von Artocarpus (Brotfruchtbaum) sind eßbar. Auch die Feigenbäume (Ficus), deren Früchte aus dem krugförmig gestalteten, fleischig werdenden. Blütenboden hervorgehen, gehören hierher. Der Milchsaft von Antiaris toxicaria liefert den Javanern ein gefürchtetes Pfeilgift, der Milchsaft des südamerikanischen Kuhbaumes (Galactodendron utile) wird genossen. - In der vorweltlichen Flora sind die A. durch mehrere Arten von Artocarpus L., Artocarpoides Sap., Artocarpidium Ung. und Cecropia L. vertreten, deren Blätter in der Braunkohle und andern Tertiärbildungen gefunden werden.

Artolatrīe (griech., "Brotdienst"), Anbetung der Hostie; Artolatrist, Brotanbeter.

Artôt (spr. árto), Désirée, eigentlich Montagney, Opernsängerin, geb. 21. Juli 1839 zu Paris von belgischen Eltern, wurde von Frau Viardot-Garcia für die Bühne ausgebildet und debütierte 1858 auf Meyerbeers Veranlassung an der Pariser Großen Oper als Fides mit glänzendem Erfolg, verließ jedoch bald darauf Paris, um in den größern Städten Frankreichs und Belgiens zu gastieren. Im J. 1860 kam sie mit der Lorinischen Gesellschaft nach Berlin, wo sie gleich bei ihrem ersten Auftreten (im "Barbier von Sevilla") den entschiedensten Erfolg hatte und seitdem zu den häufig wiederkehrenden Gästen der königlichen Oper gehörte. Die übrige Zeit trat sie bald in Brüssel, Amsterdam oder Petersburg, bald in London, bald auf der Hofbühne in Wien auf, wo sie zur kaiserlichen Kammersängerin ernannt wurde. Was diese Künstlerin vorzugsweise charakterisiert, ist die harmonische Einheit ihrer ganzen Erscheinung. Das Heroische, für das die Kraft ihrer Stimme (Mezzosopran) nicht ausreicht, ist ihr ein fremdes Feld; dagegen beherrscht sie das Gebiet der lyrischen und komischen Oper mit seltener Meisterschaft. Sie gehört zu den würdigsten Vertreterinnen des heutzutage so selten gewordenen italienischen Kunstgesangs und konnte als solche im Konzertsaal dieselben Triumphe feiern wie auf der Bühne. Seit 1869 ist sie mit dem spanischen Baritonisten Padilla verheiratet, der sie auf ihren Kunstreisen begleitet und als Bühnen- wie als Konzertsänger ebenfalls reichen Beifall erntet. Beide nahmen 1884 ihren Wohnsitz in Berlin.

Artus (Arthur), myth. König in England, der Mittelpunkt eines walisisch-bretonischen Sagenkreises, bald König der Siluren, bald der Dumonier genannt. Sein Vater war Uter, sein Oheim Ambrosius Aurelianus, der Nachfolger des Königs Vortimer. A. wurde von dem Bischof Dubricius zu Kaerllion ar Wsk (Urbs legionum), seiner Residenz am Usk in Monmouth, der altrömischen Isca colonia, die in Bezug auf A. oft verwechselt wird mit der römischen Stadt Lugevallum, dem brigantischen Karleol ("Stadt Leol", jetzt Carlisle), gekrönt und erwarb sich den Ruhm eines walisischen Nationalhelden durch den Widerstand, den er an der Spitze der Briten den im O. der Insel herrschenden Angelsachsen entgegensetzte. Er wehrte die völlige Unterdrückung von seinen Gebirgsvölkern ab, schützte die Freiheit, Sprache und Sitte des Vaterlandes und verteidigte das Kreuz gegen die Heiden. Durch den Sieg bei Bath, den er im ersten Jahr seiner Regierung (516) nach zweitägigem Kampf errang, bewirkte er, daß Cerdik von Wessex die Belagerung von Bath (Thermae aquae solis) aufgeben mußte; dagegen mußte er später Hamptonshire und Somerset dem Cerdik überlassen. Doch behauptete er sich gegen Cynrik, Cerdiks Sohn und Nachfolger in Wessex. Den Zug gegen Rom, den A. auf dessen Aufforderung, sich zu unterwerfen, unternahm, sucht Lappenberg als eine historische Thatsache zu begründen. Der Verrat seines in der Heimat zurückgelassenen Neffen Mordred (Medraud), der sich empört und die Gemahlin des A., die sagenberühmte Ginevra (Guanhumara, Ginover, die Tochter eines Herzogs von Cornwallis aus dem Haus Cadors), verführt hatte oder sie der Untreue gegen ihren Gemahl beschuldigte, nötigte A. zu schleuniger Rückkehr, und im Kampf mit diesem und dem ihm verbündeten Sachsenherzog Childerik fiel er in der dritten Schlacht in Cornwallis 537 (oder 542). Sein lange unbekanntes Grab auf der Insel Avallona (südlich von Bristol), in der Nähe des Klosters Glastonbury (nach der Sage durch Joseph von Arimathia gegründet, ein für die Gestaltung der Sage wichtiger Umstand), wurde unter König Heinrich II. 1189 aufgefunden. A.' Namen führen noch gegenwärtig mehr als 600 Plätze in Wales, Cornwallis und andern Gegenden.

Der historische Kern, der in den Erzählungen von A. wenigstens insofern liegt, als er Führer seines Volks gegen die Angelsachsen war, ist von einem reichen Sagengewand umsponnen, in welches wohl noch andre historische Erinnerungen, kaum unterscheidbar, verwebt sind. In seiner geschichtlichen Bedeutung als Vorkämpfer der Briten gegen die Sachsen erscheint A. mit seinen Mitstreitern Owein (Iwein), Geraint (Erek), Urien etc. in den walisischen Bardenliedern des 6. und 7. Jahrh., die gleichzeitig mit den gefeierten Helden oder unmittelbar nach ihrer Zeit gesungen