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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Aschaffīt; Aschango; Aschanti

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Aschaffit - Aschanti.

ausführen ließ. A. zählt mit der Garnison (2. Jägerbataillon) (1880) 12,152 Einw., darunter 1479 Evangelische und 493 Juden. Die hervorragendsten Industriezweige sind Fabrikation von Buntpapier (drei Anstalten) mit starkem Export, Cellulose und Papier, Holzstoff und Pappe, Farben, Lack, Eisschränken, Tabak, Zigarren, Wachs, Leim, Likör; ferner gibt es ansehnliche Bierbrauereien, zwei Samenklenganstalten, eine Gas und Wasserleitung und Handel mit Holz und Wein. An Anstalten besitzt A. 1 Forstlehranstalt, 1 Gymnasium, 1 lateinische Schule, 1 Studienseminar, 1 Realschule, 1 Lehrerinnenseminar, 1 höhere weibliche Erziehungsanstalt; ferner 1 Bankinstitut, 2 Waisenhäuser, 1 Krankenhaus etc. A. ist Sitz eines Bezirksamts und eines Landgerichts (für die zehn Amtsgerichte zu Alzenau, Amorbach, A., Klingenberg, Lohr, Marktheidenfeld, Miltenberg, Obernburg, Schöllkrippen und Stadtprozelten). Belustigungsorte und Spaziergänge in der Umgebung der Stadt sind das "schöne Thal", parkähnliche Anlagen, welche sich fast rings um A. ziehen; die Fasanerie und der vielbesuchte "schöne Busch", ein großer Park mit Seen, Irrgarten, Restauration etc. Auf dem Friedhof ruhen W. Heinse, der Verfasser des "Ardinghello", dem König Ludwig I. an der Mauer einen Denkstein setzen ließ, und der Dichter Klemens Brentano. - A., im Mittelalter Aschafaburg, auch Askenburg genannt, bestand als Kastell schon zur Römerzeit. Im 10. Jahrh. kam A., das bereits im 8. Jahrh. als Stadt genannt wird, an den Herzog Otto von Schwaben, der 974 daselbst das Stift der Heiligen Peter und Alexander gründete. Das Stiftsgebiet kam bald an Kurmainz, das bis 1558 die Propstei A. bestehen ließ. Die Stadt wurde 1122 von Erzbischof Adalbert I. stark befestigt. Auf dem Fürstentag zu A. setzte Enea Silvio im Juli 1447 die Lossagung der deutschen Fürsten vom Baseler Konzil und die Anerkennung des Papstes Nikolaus V. durch und bereitete das Wiener Konkordat vor, das deshalb auch Aschaffenburger Konkordat benannt wird. Im Dreißigjährigen Krieg wurde A. 1631 von Gustav Adolf besetzt, 1634 nach der Schlacht bei Nördlingen von den Spaniern, 1646 von den Franzosen, noch in demselben Jahr von den Bayern und dann von den Schweden, 1647 von dem kaiserlichen General Garnier sowie 1672 von den Franzosen unter Turenne eingenommen. Nach Auflösung des Erzstifts Mainz (1803) ward A. Hauptstadt des gleichnamigen Fürstentums (s. oben) und kam mit diesem 1814 an Bayern. Bei A. wurde 14. Juli 1866 die österreichische Division Neipperg nach heftigem Kampf von der preußischen Division Goeben geschlagen und zum Rückzug in die Stadt genötigt, worauf diese von den Preußen im Sturm genommen wurde. Vgl. Beilhack, A. (Aschaffenb. 1878).

Aschaffīt, s. Granitporphyr.

Aschango, Waldland im Innern Westafrikas, zwischen 1° und 2° südl. Br., 370 km von der Küste des Atlantischen Ozeans entfernt, bildet ein Hochland von durchschnittlich 500 m Erhebung mit höhern, von S. nach N. streichenden Gebirgen. Eigentümlich ist ihm eine Otterart, die Du Chaillu Potamogale velox nannte. Die Gewässer des Landes nehmen ihren Lauf nach O., um sich in einen Nebenfluß des Congo zu ergießen. Die Bewohner gehören zu den Bantu. Sie zerfallen in viele kleinere Stämme und halten zahlreiche Sklaven. Unter ihnen haust das merkwürdige Zwergvolk der Obongo, die eine schmutzig gelbe Hautfarbe, in Büscheln wachsendes, gekräuseltes Haupthaar haben und an Brust und Schenkeln wollig behaart sind. Die kleinsten Männer sind 1,3, die größten 1,5 m hoch. Erforscht wurde das Land 1864 von Du Chaillu, dessen Reiseberichte man mit Unrecht anzweifelte. Vgl. Du Chaillu, A journey to Ashangoland (Lond. 1867).

Aschanti (Ashantee, As-janti), Negerreich in Guinea, im Innern der Goldküste, wird südlich von den unter britischer Oberheit stehenden Negerreichen Akkim und Assin, östlich vom Voltafluß, westlich vom Akba begrenzt, während die Grenze nach N. zu unbekannt ist (s. Karte "Guinea etc."). In früherer Zeit gehörten noch die sämtlichen an der Goldküste zwischen den Mündungen des Volta und Prah gelegenen Landschaften zu A., das jetzt aber durch die Engländer 130 km weit von der Küste zurückgedrängt worden ist. A. im weitern Sinn mit seinen Tributärprovinzen umfaßt etwa 193,000 qkm (3500 QM.) mit 4,5 Mill. Einw., während für das eigentliche Reich wechselnd eine Einwohnerzahl von 1-2 Mill. angegeben wird. Das Land ist vorwiegend eine fruchtbare, waldreiche Ebene, die gegen N. terrassenförmig aufsteigt. Die Adansigebirge im S. und Aduarikenniberge im N. sind von geringer Erhebung. Hauptflüsse sind der Prah oder Busemprah mit dem Ofim, der Tenda, Assini und der Volta. Der Boden des Landes ist meist leichter Lehm. Das Klima ist gemäßigt und in den höhern Berggegenden sogar dem italienischen entsprechend. Zweimal im Jahr, Ende Mai und Ende Oktober, ist Regenzeit, in welcher häufige Gewitter mit Hagelschauern vorkommen. Die nutzbarsten Bäume der Wälder sind Palmen, Gummibäume, zwei Arten von Baumwollbäumen; daneben wird die Baumwollstaude kultiviert. Übrigens gedeihen hier fast alle tropischen Gewächse. Die Hauptnahrung gibt die Yamswurzel ab; Reis wird hin und wieder gebaut; verbreiteter ist die Pflege der Kürbisse. Das Tierreich trägt das Gepräge der tropischen westafrikanischen Fauna. Schlangen kommen überall vor, von der kleinen Hausschlange bis zur Boa Constrictor. Auch Elefanten werden gejagt. Pferde kennt man fast gar nicht. Die Rinder sind klein; die Schafe dagegen zeichnen sich durch Größe aus, haben aber eine haarartige Wolle. Hunde (die haarlosen und nicht bellenden Guineahunde) werden der Jagd wegen gehalten, und ihr Fleisch gehört zu den Lieblingsspeisen. Zahmes Geflügel, Hühner und Perlhühner, gibt es in allen Ortschaften. Die Aschanti sind echte, kraushaarige Neger, welche das Odschi sprechen; sie sind namentlich im Teppichweben und in Goldarbeiten geschickt. Das Land ist das eigentliche Goldland von Guinea und Gold das einzige Geld, welches hier in kleinen Stangen von bestimmtem Gewicht im Umlauf ist. Die Prunkgefäße bestehen immer aus Gold, das gewöhnliche Geschirr aus Kupfer oder Eisen. Das Gold wird teils aus dem Sand und dem Lehmboden der Flüsse ausgewaschen, teils aus Gruben in den südlichen Provinzen Dadiassie und Inguanta gewonnen, und der Reichtum verbreitet einen Luxus, den man in einem Negerland nicht vermuten sollte. Der Handel in A. hat eine große Ausdehnung gewonnen, wirkt belebend auf das Volk und fördert die Ordnung. In den vom Handel durchzogenen Ortschaften befinden sich Niederlagen mit Waren aus den englischen Faktoreien an der Küste; zugleich hat sich ein sehr merkwürdiges Kreditsystem entwickelt. Da es an Lasttieren fehlt, wird der Warentransport durch Trägerkarawanen besorgt. Hauptstadt des Reichs und Residenz des Königs ist Kumassi (s. d.).

Die Verfassung von A. kann man eine monarchisch-aristokratische nennen, indem der König von