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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Ascoli Satriano - Asen.

in A.; dazu an der Küste, welche die Eisenbahn durchschneidet, Porzellanerde und Seesalz. Von geringerer Bedeutung ist dagegen die Industrie. Die Provinz zerfällt in zwei Kreise: A. und Fermo. - Die gleichnamige Hauptstadt am Tronto, südlich von Ancona gelegen, hat mehrere alte Brücken (teilweise aus der Römerzeit), Mauern und Thore, eine schöne Kathedrale, an der Stelle eines Herkulestempels erbaut, einen Palazzo Anzianale mit reichem Museum, ein Gymnasium, Lyceum und technische Schule, Industrie in Majolika, Glas, Eisenwaren, Seide, Papier, Orgeln etc. und (1881) 11,199 Einw. Sie ist Sitz eines Bischofs und eines Präfekten. A. hieß im Altertum Asculum und war die Hauptstadt der Picentiner (daher Asculum Picenum), unter den Römern ein Munizipium. Im J. 90 v. Chr. gab A. durch die Ermordung des Prokonsuls Q. Servilius das Signal zum Bundesgenossenkrieg und wurde deshalb nach der Eroberung durch den Konsul Pompejus Strabo (89) niedergebrannt.

Ascŏli Satrĭano, Stadt in der ital. Provinz Foggia, an der Zweigbahn nach Candela, Bischofsitz mit (1881) 6478 Einw., das alte Asculum Apulum oder A. Satrianum, berühmt durch die Schlacht, welche Pyrrhus 279 v. Chr. hier gegen die Römer gewann. Im 12. Jahrh. von Roger, dem Sohn Robert Guiscards, zerstört, kam sie nicht wieder zu Bedeutung.

Asconĭus, Q. A. Pedianus, röm. Grammatiker, wahrscheinlich zu Padua um 3 n. Chr. geboren, später in Rom ansässig, starb um 88 nach zwölfjähriger Blindheit. Er verfaßte unter Claudius und Nero für seine jungen Söhne auf sorgfältigen Studien und damals noch vorhandenen Aktenstücken beruhende wertvolle historische Kommentare zu Ciceros Reden, von denen noch die zu fünf Reden (leider in sehr verstümmeltem Zustand) erhalten sind. Beste Ausgabe von Kießling und Schöll (Berl. 1875). Fälschlich tragen seinen Namen die Scholien zu Ciceros Verrinischen Reden. Vgl. Madvig, De Asconii Pediani commentariis in Ciceronis orationes (Kopenh. 1828).

Ascot Heath (spr. äskott hith), große Heideebene in Berkshire (England), 7 km von Windsor, wo alljährlich im Juni berühmte Wettrennen (Ascot races) stattfinden.

Äsculapius, s. Asklepios.

Äsculīn, s. Roßkastanienbaum.

Aescŭlus, s. Roßkastanienbaum.

Ascus (lat.), s. Sporenschlauch.

Asdod (griech. Azotos), eine der fünf Fürstenstädte der Philistäer, Sitz des Dagondienstes. Von den Israeliten erst unter Salomo gewonnen und nicht auf die Dauer behauptet, erscheint es noch zu Nehemias Zeit als philistäische Stadt. Die Pforte Ägyptens von Syrien aus, war A. ein wichtiger Platz für alle Eroberer. Psammetich von Ägypten belagerte A. 29 Jahre lang; der Makkabäer Judas und nach ihm sein Bruder Jonathan nahmen es ein, und letzterer zerstörte es; doch stellte der römische Feldherr Gabinius den Ort 55 v. Chr. wieder her. In christlicher Zeit war A. Bischofsitz; jetzt Esdud.

As dur, s. As.

Asebīe (griech.), Unfrömmigkeit.

Asega (Asga), ehedem ein fries., von der Volksgemeinde aufgestellter Richter oder Gemeindeschulze. Daher Asegabuch, Sammlung der alten friesischen Gesetze mit dem Landrecht der Rüstinger, aus dem Anfang des 13. Jahrh., in altfriesischer und plattdeutscher Sprache geschrieben. Vgl. Wiarda, Asegabuch (Berl. 1805); v. Richthofen, Friesische Rechtsquellen (das. 1840).

Aseĭtät (neulat.), Selbstwesenheit, Selbständigkeit, in der scholast. Theologie nie absolute Unabhängigkeit Gottes, vermöge deren er den Grund seiner Existenz lediglich in sich selbst hat.

Aselēnisch (griech.), mondlos.

Asellus s. Asseln.

Asen (altnord. As, im Plur. Aesir; got. Ans, Plur. Anzeis; althochd. Ans, Plur. Ensī; angels. Os, Plur. Es), in der nord. Mythologie das mächtige Göttergeschlecht, als dessen Stammvater Odin angesehen wird, weshalb derselbe Allvater (Allfadur) heißt. Odins Sohn von seiner ersten Gemahlin, der Jötunin Jördh, ist der Donnergott Thor, der stärkste und gewaltigste unter den A.; mit der zweiten, der Asin Frigg, zeugte er Balder, den besten der A., Bragi, den Gott des Gesangs und der Beredsamkeit, Tyr, den mutigen Gott des Kriegs, und Höder, den blinden, starken Gott, das Symbol der vom Verstand nicht gezügelten Gewalt; mit andern Frauen: den weisen Heimdall, den rachefertigen Wali, den schweigsamen Widar, den liebreichen Hermoder. A. waren noch Uller, Thors Stiefsohn, der flinke Schütz, und Forseti, gerecht und mild als Richter wie sein Vater Balder. Ihnen stehen zwölf weibliche Gottheiten zur Seite, von denen Idun und Saga die bekanntesten sind. Die A. sind die freundlichen, wohlthätigen, guten Mächte im Gegensatz zu den bösen Riesen. Um dieses Gegensatzes willen, der in dem Charakter der A. und Riesen lag, war vom Anfang an Kampf und Streit zwischen beiden. Nachdem die Brüder Odin, Wili und We den Riesen Ymir erschlagen (s. Nordische Mythologie), bildeten sie aus dem Körper desselben die Welt und in deren Mitte Asgard (s. d.), den himmlischen Wohnsitz der A., gleich der Erde vor den Einfällen der Riesen sicher durch die Himmelsbrücke, die mit ihrer Lohe (dem Roten im Regenbogen) alles, was nicht Ase oder Muspels Sohn ist, verbrennt. Die A. sind dem Einfluß der Zeit unterworfen, die Sage erzählt von ihrer Jugend sowie von ihrem Untergang. Die Kindheit der A., in sorgloser Ruhe, in fortdauerndem Frieden und unter frohem Würfelspiel hingebracht, war das goldene Zeitalter für die Götter, dessen Ende dadurch herbeigeführt wurde, daß aus Jötunheim drei Thursenmädchen (Thursen, d. h. Jötnar, Riesen) erschienen und ihnen die wunderbaren goldenen Tafeln und damit den goldenen Himmelsschatz wegnahmen. Mit Hilfe der Zwerge schufen sich die A. zwar neues Gold aus dem Schoß der Erde, daran knüpften sich aber Verhängnis und Streit ("da wurde Mord in der Welt zuerst"). Der Kampf mit dem Göttergeschlecht der Wanen (s. d.) reihte sich sofort daran. Durch einen Vertrag wurde er beigelegt, nach welchem von den Wanen der mächtige Wind- und Wogenherr Njörd mit seinen Kindern Freir und Freia als Geiseln zu den A. kamen, während jenen dafür Hönir zu teil ward. Mit den Riesen dauerten aber die Kämpfe der A. fort, und der erbittertste Feind jener ist Thor, der deshalb fortwährend gen Osten zieht, wo die Riesen hausen, um sie zu bekämpfen und zu töten; er wird auch von den Riesen am meisten gefürchtet. So sehr die A. den Riesen überlegen sind, so haben die letztern doch durch Zauberei eine gewisse Gewalt über die A.; vorzüglich trachten sie nach Iduns verjüngenden Äpfeln, durch deren Genuß die A. sich jung erhielten. Auch Freia, die Schönste in Asgard, suchen die Riesen zu gewinnen sowie überhaupt schöne Frauen zu entführen, um selbst die Väter schöner Kinder zu werden. Der allgemeine Weltbrand aber wird endlich nicht nur alle Schöpfungen der A.,