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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Asien

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Asien (Pflanzen- und Tierwelt).

der Kräutersteppe mit Pfriemengräsern, Tragantsträuchern, Beifuß und großen Disteln, die der Wind abreißt und als blattlose Ballen auf den Ebenen zur trocknen Zeit umhertreibt, bis zur Salzsteppe und der völligen Wüste aus Flugsand oder mit steinigem Boden oder mit einer festen, salzdurchdrungenen Lehmtenne. Üppigen Pflanzenwuchs zeigt dieses Vegetationsgebiet in der Niederung nur bei künstlicher Bewässerung. Waldwuchs bedeckt die Gebirge Zentralasiens nur da, wo ewiger Schnee der Höhen die Abhänge feucht erhält. Die gurkenartigen Gewächse, insbesondere Melonen, sind die natürlichen Kulturpflanzen des Landes, wo nicht die Höhe über dem Meer ihren Anbau verbietet; die Heimat der Melonen ist wohl die kaspische Niederung. Viehzucht macht den eigentlichen Reichtum des Landes aus, und selbst die Kälte des Winters hindert sie auf den Hochebenen der Mongolei nicht. Reich ist die höhere Tierwelt entwickelt; unter den niedern Tieren ist vor allen die gefräßige Wanderheuschrecke zu nennen. In dem weiten Gebiet der innerasiatischen Steppen begegnen sich die Raubtiere des Südens, Tiger, Gepard, Hyäne, Schakal, mit dem Luchs und Wolf des Nordens, die zahlreichen Nagetiere des Ostens mit unsern Hasen, der Igel mit dem Stachelschwein, und das Muflon der Mittelmeerländer reicht bis zu dem Plateau des Usturt. Die Geier (Vultur) der Mittelmeerfaunen kommen mit den Raub-, Sing- und Klettervögeln Mitteleuropas und zugleich mit den Schneeammern, dem nordischen Häher, der Fasan mit dem südeuropäischen Steinhuhn und unsern Rebhühnern, Wachteln und Birkhühnern zusammen vor. Lerchen, Steppenhühner und Trappen, die herdenweise auftretenden Antilopen, die Springmäuse und die düsterfarbigen Käfer (Pimelia) sind in A. wie in Afrika die charakteristischen Tiere der Steppe und Wüste. Aber das Klima ruft auch hier große Unterschiede hervor. Arabien schließt sich an Afrika an mit seinen Antilopen und dem Strauß; andre Antilopen finden sich in Persien, andre in der kaspischen Niederung (Antilope Saïga), in der Hohen Tatarei und Mongolei (A. subgutturosa), andre endlich auf den Hochebenen Tibets. Wie im W. das Dromedar, so dient im ganzen Osten das zweihöckerige Kamel (Camelus bactrianus) als Lasttier. Auf den Hochebenen von 3000-5500 m weiden in ganz Tibet Herden von Jaks oder Grunzochsen (Bos grunniens), von verwilderten Pferden, wilden Eseln (Equus onager) und Dschiggetais (E. hemionus), die letztern bis zum Kaspischen Meer verbreitet. Pferde, Schafe, Rinder, Ziegen, Kamele sind Haustiere.

Es folgt das tropische A., der wärmste Teil des Kontinents, der mit einem schmalen Streifen über Malakka und die östlichen Inseln dem Gürtel der Kalmen angehört, wo Regen wieder in allen Zeiten des Jahrs fällt, zumeist aber in die Zone des Sommerregens und trocknen Winters hinanreicht. Wo die tropischen Regen (s. oben unter Klima) das Land treffen, steigern Feuchtigkeit und Wärme Pflanzen- und Tierreich zur höchsten Entwickelung in Form, Farbe und Masse. Dazu ruft die reiche Gliederung des Südostens von A. in Halbinseln und große Inseln eine Individualisierung auch in der Welt der Organismen hervor, wie sie auf der ganzen Erde nicht weiter ihresgleichen hat. Im Archipel, in Hinter- und Vorderindien, zum Teil noch im östlichen China und Japan haben die wichtigsten, gegenwärtig durch den Menschen über die ganze wärmere Erde verbreiteten Nutzpflanzen ihre Urheimat, so Zuckerrohr, Baumwolle, Indigo; Pfeffer, Zimt, Kassiazimt, Gewürznelken, Muskatnuß, Nelkenpfeffer, Ingwer, Kardamom; Bananen, Kokos-, Areka- und Sagopalmen; der Brotfruchtbaum und der wichtige Reis; von den tropischen Laub- und Obstbäumen die Mangos u. a. Zahllos ist die Menge der dort vorkommenden Droguen (Kampfer, Opium), der für die Industrie wichtigen Produkte (Kautschuk, Guttapercha, Katechu, Indigo) sowie der Hölzer (Eben-, Teak-, Sandelholz).

Die alpine Region Südasiens zeigt uns im Himalaja wie im hinterindischen Gebirge die dem Tiefland fehlenden Eichen und Koniferen. Bäume steigen im Himalaja empor bis 3540 m, in Westtibet bis 4500 m, im Kuenlün bis 2700 m; Sträucher kommen noch vor bei 4560, 5100 und 3810 m (im Karakorum, wo Bäume gänzlich fehlen, bei 5000 m); Gras- und Weideplätze erreichen eine Höhe von 4500, 4900 und 4400 m; die Getreidegrenze liegt in diesen drei Gebirgen bei 3500, 4400 und 2900 m. Affen sind im Himalaja noch häufig bei 3300 m, Tiger vereinzelt; Hasen erscheinen noch bei 5400 m, Raben noch höher; Fische traf man noch in Seen bei 4500 m Höhe. In den schneebedeckten Gebirgen des nördlichen A., wie am Bolor, Thianschan, dem Transilenischen Alatau und Altai, erhebt sich im Durchschnitt die Steppenregion bis 500 m; sie ist baumlos, der Aufenthaltsort des wilden Esels, der Saiga-Antilope und der Nomaden mit ihren Herden. Die Kulturregion reicht bis 1200 m und hat guten Ackerboden, reichliche Bewässerung und in ihren Gewächsen Ähnlichkeit mit der Pflanzenphysiognomie des osteuropäischen Tieflandes. Die Waldregion, bis zu 2000-2400 m ansteigend, enthält bald ausreichende Vorräte an Bauholz, so der Alatau, früher auch der Altai; bald ist sie arm an Bäumen, so der Thianschan und jetzt der Altai. Pinus Schrenkiana, Birken (Betula alba), Pappeln, verschiedene Weiden, Vogelbeeren, Himbeeren und Juniperus Sabina, dann Hirsch und Bär sind Hauptrepräsentanten. Die Alpenwiesenregion, bis 2700 m, enthält gesunde und an Viehfutter reiche Alpentriften. Die hochalpine (bis 3300 m) und die Schneeregion (bis zur Gipfelhöhe) sind nur durch ihre Pässe von Bedeutung. Das Argalischaf, das Murmeltier, der Alpenwolf, einige Antilopenarten, Geier etc. beleben diese Regionen.

Im südlichen A. mischen sich in der gemäßigten Waldregion, die zwischen der tropischen und alpinen Region (im W. zwischen 1200 und 3600 m, im O. zwischen 2100 und 3900 m) eingeschlossen ist, tropische Formen mit denen des gemäßigten A. und Europas; in den Nilgiri erreicht die Region des Rhododendron arboreum 1500-2400 m Höhe. Wie auf dem Festland, so auch auf den Inseln. Auf Java unterscheidet Junghuhn vier Regionen. Die heiße Region, vom Gestade bis 650 m mit einer mittlern Temperatur von 27-24° C., wo die weiten Reis- und Zuckerrohrfelder abwechseln mit den Dickichten des hohen Alanggrases, die Pflanzungen von Palmen mit dem fikusreichen, von Rotang durchflochtenen Urwald und schattenarmen Akazienwäldern. Den Strand begrenzt der Mangrovewald. Von 650-1450 m herrscht das gemäßigte Klima mit 24-19° C. mittlerer Temperatur. Der Urwald, der in seiner höchsten Entwickelung erscheint, hat vielfach der Kultur von Kaffee und Thee weichen müssen; wo die Kultur aufgegeben wurde, haben Baumfarne oder Gräser das Land in Besitz genommen. Die kühle Region, zwischen 1450 und 2300 m, die feuchteste der Insel, mit einer mittlern Temperatur von 19-14°