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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Asien

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Asien (Bevölkerung).

C., nimmt der Urwald ein, gebildet aus Eichen, Lorbeerbäumen, Podokarpen (tropischem Nadelholz) mit dem prächtig blühenden Unterholz von Melastomaceen, mit wenigen Lianen, aber zahlreichen parasitischen Orchideen. Im O. der Insel herrscht der lichte Kasuarinenwald. Mais, Kartoffeln, Zwiebeln werden um die Dörfer bis 1600 m, ja im Tenggergebirge bis über 2300 m gebaut. Keine Palme erreicht aber diese Region. In der kalten Region, von 2450-3300 m mit 14-7° C. mittlerer Temperatur, sind Krummholz von Heiden, Baumfarne, Gräser die charakteristischen Pflanzen; keine alpine Form tritt auf. Darüber folgen noch die schlacken- und aschebedeckten höchsten Vulkangipfel.

Die Tierwelt des tropischen A. und die Zone der gemäßigten Waldregion schließen die Heimat der großen Pflanzenfresser, des Elefanten, der Nashörner, der wilden Büffel, der Hirsche, zahlreicher Wasser- und Landvögel ein. Die Dschangeln (Gebüschdickichte) bewohnen die großen Raubtiere, Tiger, Panther, die Gebüsche Schakale und Hyänen. Moschustiere kommen in der gemäßigten Waldregion und in der alpinen Region vor. An allen Tierklassen ist das tropische A. reich. Halbaffen und langarmige Affen (Semnopithecus), die pflanzenfressenden Vampire (Pteropus), der Mungos (Viverra Mungos), Zibetkatzen, eigentümliche Eichhörnchen, zahlreiche Katzen, wilde Hunde mit den genannten Raubtieren, in den Gebirgen eigentümliche Bären und in den Steppen eigentümliche Antilopen (Nylgau) und Hirsche, das Schuppentier (Manis), Geier, Papageien, prächtige Trogons, Tauben, Hühner, der Marabustorch, in den Steppen Trappen, an den Sümpfen Flamingos, am Ufer die Pelikane, zahlreiche Reptilien, Schildkröten, Baumagamen, Chamäleons, Pythonschlangen, eigentümliche Fische und Krokodile (Gangeskrokodil) sind Tiere dieser Zone, die besonders charakterisiert wird durch die mächtigen erwähnten Pflanzenfresser. Auf den Inseln erreicht die tierische Entwickelung Asiens ihre höchste Höhe, und nicht wenige der ausgezeichnetsten Formen sind auf einzelne Inseln beschränkt. So besitzen Sumatra und Malakka den Tapir, Java sein eigentümliches Nashorn und seinen Büffel, Celebes den Babirussa-Eber, die Molukken den wunderlichen Tarsius, einen Halbaffen, und den Vampir; ja, der Elefant von Ceylon soll eine selbständige Spezies sein. Auch die Kakadus kommen auf den Inseln vor, Gold- und Silberfasanen in Südchina, der Arguspfau auf Sumatra, die Nashornvögel auf Sumatra und Java. Der fliegende Drache, die Salanganschwalben gehören ebenfalls den Inseln an. Einer Ausnutzung des Reichtums an Tieren wie der Ausrottung der schädlichen Arten stellt sich in einem großen Teil des Gebiets der religiöse Glaube entgegen. Schwein und Huhn werden um des Fleisches willen nur von Malaien und Chinesen gezogen; dem Tiger und Wolf stellt man aus Furcht vor Unheil durch den ihnen innewohnenden bösen Geist nicht nach. Das tropische und Indische Meer ist sodann die Heimat der riffbildenden Korallen, die ihre nördlichste Verbreitung im Roten Meer haben; Schnecken und Muscheln (Kegelschnecken, Schiffsboot, Perlmuschel, Riesenmuschel) kommen nirgends anderswo so vielgestaltig vor. Die kostbare Perle wie die billige Kauri liefern der Indische Ozean und der Persische Golf; der Trepang, der Molukkenkrebs, die Wasserschlangen, der Dugong sind andre unter den vielen interessanten Bewohnern dieses Meers. Groß ist der Reichtum an eigentümlichen Fischen; die Fischerei liefert aber gegenwärtig nur den Küstenbedarf.

Bevölkerung.

(Hierzu die Tafel "Asiatische Völker".)

Für die Berechnung der Zahl der A. bewohnenden Menschen liegen noch immer nicht so genaue Angaben vor, wie wir sie für europäische Staaten verlangen. Volkszählungen sind bisher nur in zwei einheimischen Staaten vorgenommen worden: in dem eigentlichen China, wo die Bevölkerung seit 1664 regelmäßig registriert wurde (der letzte Zensus fand 1812 statt), und in Japan (zuerst 1872); für alle andern asiatischen Reiche hat man nur Schätzungen. In den Besitzungen europäischer Staaten sind Zählungen aber wiederholt vorgenommen worden, in Britisch-Indien zuerst 1871-72, dann 1881, ebenso 1877 auf den Philippinen und Marianen, 1882 in Niederländisch-Indien. Die Schätzungen sind jedoch viel genauer geworden, und da es jetzt doch keinen größern Bezirk Asiens mehr gibt, der nicht in den letzten zwei Jahrzehnten von Europäern oder ihren Abgesandten besucht worden wäre, so ist mannigfaches Material zur Berichtigung der ältern Berechnungen geboten. Die Bevölkerung Asiens können wir jetzt, wie weiter unten (S. 928) im einzelnen ausgeführt, auf rund 800 Mill. Menschen berechnen.

Das Verhältnis der Europäer zu den Staaten Asiens ist seit der Gründung großer Reiche in Indien durch die Engländer, auf den großen Inseln des Südens durch die Holländer, im N. und im Innern von A. durch die Russen, dann durch die glücklichen Kriege der Engländer und Franzosen gegen China und hinterindische Staaten und endlich durch die Erfolge der Amerikaner, welche hierin den europäischen Großmächten vorangingen, in Vertragsabschlüssen mit Japan etc. ein ganz andres geworden, als es früher war. Statt sich abzuschließen, suchen die Regierungen die Europäer oder dürfen sie doch nicht mehr zurückstoßen. Nur wenige und kleine Gebiete, wie Korea, Tibet, können von Europäern noch nicht bereist werden. Den europäischen Ideen hat sich dagegen völlig zugeneigt die Regierung Japans; auch Siam und China können der Fremden zur Verwaltung ihrer Zölle, zur Bildung ihres Heers, zur Leitung ihrer obersten Bildungsschulen und Fabriken nicht mehr entbehren und müssen ihnen Zutritt im Innern des Reichs gestatten. Unter unmittelbarer Regierung europäischer Mächte (mit Zurechnung der Türkei) oder Überwachung als Schutzstaaten stehen 44 Proz. der gesamten Bevölkerung Asiens (vgl. die Tabelle, S. 928). Die Dichtigkeit der Bevölkerung ist überaus verschieden. In Sibirien wohnt in Teilen der Provinz Jakutsk noch nicht einmal ein Mensch auf der Quadratmeile; 16,000 übersteigt die Dichtigkeit in reinen ackerbautreibenden Kreisen des nördlichen Vorderindien, sie sinkt aber in den Waldgebirgen unter den Resten der Urbewohner unter 100 herab. Im Archipel schwankt sie zwischen 83 und 6310 Einw.; im Kaukasus ist das Mittel 612,8, ein Beweis, daß auch Gebirgsgegenden in der Region der Kulturzone einer nicht unbedeutenden Bevölkerungszahl entgegengeführt werden können. Ethnographisch spaltet sich die Bevölkerung Asiens in eine Menge von Völkern und Stämmen, die unter sich in Sprache, Körpergestalt und Kultur ungemein verschieden sind und verschiedenen Rassen zugeteilt werden müssen. Wenn wir die Völker nach den Sprachen einteilen, die sie jetzt reden, so erhalten wir nach F. Müller folgende Stämme, Abteilungen und Gruppen: