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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Asien

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Asien (Religionen).

bigkeit an die übernatürliche Herkunft des Dalai-Lama, der zugleich Herr des Landes ist. Im Himalaja hat sich eine große Zahl von Resten der ältern vorarischen Bewohner erhalten. Die Kopfzahl der einzelnen Stämme ist nicht groß; im O. stehen sie auf der niedrigsten Stufe der Kultur, günstiger sind ihre Verhältnisse, aber auch größer die Mischung des Bluts im W. des Gebirges. In Hinterindien hat sich ebenfalls noch eine große Zahl von Dialekten erhalten. Thai ist die Sprache der Schan oder Lao (Fig. 16) wie der Siamesen, zusammen ca. 3 Mill. Die Birmanen sind zerstreut in der britischen Provinz und in dem noch unabhängigen Gebiet; die Kambodscher, Tongkingesen, Kochinchinesen und Anamiten bewohnen den Osten und Südosten der Halbinsel, die Malaien die Südspitze. Reste der frühern Bewohner Chinas sind in den Sifan, Miaotse etc. erhalten. Die gegenwärtigen Chinesen (Fig. 17) zeigen in ihren physischen und intellektuellen Eigenschaften, im Charakter und in der Beschäftigung große Verschiedenheiten, je nachdem sie das nördliche, mittlere oder südliche China bewohnen. Sie sind aber sämtlich Ackerbauer, die nördlichen, mehr rot gefärbten, stärker gebauten Chinesen betreiben daneben noch ansehnliche Viehzucht. Die blaßgelben Bewohner des mittlern China sind schmächtiger, aber am geschicktesten von allen, während die südlichsten, am wenigsten starken Bewohner als die rohesten erscheinen. Unter den Südasiaten sind die Bewohner der Inseln im O. Asiens zu sondern in einen Papua- oder Negritostamm, der das Innere der westlichen Inseln bewohnt und den afrikanischen Negern vergleichbar ist (Fig. 18). Die malaiischen Sprachen zerfallen in die tagalische (auf Formosa, den Marianeninseln und Philippinen) und in die malaio-javanische Gruppe. Die Malaien sind heiter, aber leicht erregt, friedlich und arbeitsam. Sie bewohnen die Philippinen als Tagalen und Bisaya, die Halbinsel Malakka (Malaien im engsten Sinn), die Insel Java unter verschiedenen Bezeichnungen, als Sundanesen (Fig. 19) den westlichen, als Javaner (Fig. 20) den östlichen Teil, an welche sich unmittelbar die Bewohner von Bali (Fig. 21) anschließen, als Batta Sumatra (Fig. 22), als Dajaken Borneo (Fig. 23), als Makassaren und Buginesen Celebes (Fig. 24).

Die Kaukasier zerfallen ihrer Sprache nach in eine kaukasische, eine semitische und eine indogermanische Gruppe. Die Kaukasusvölker unterscheiden sich scharf von den im N. von ihnen wohnenden Stämmen und schließen sich an die südlichern Glieder der mittelländischen Rasse an, mit denen sie aber sprachlich nicht zusammenhängen. Von den vier oben aufgeführten Abteilungen enthält die erste die jüngsten, erst später von SO. eingewanderten Stämme, unter welchen die Georgier (Fig. 25) im S. des Kaukasus den Grundstock der Abteilung bilden und mit den sprachlich zugehörigen Imerethiern 700,000 Köpfe stark sind; die türkischen Lasen sind Nachkommen der alten Kolchier. Die drei andern Abteilungen im nördlichen Kaukasus sind als die ältere Bevölkerung zu betrachten, sie umfassen die 400,000 Seelen starke lesghische Gruppe, die 140,000 Seelen starken Kisten, von den Russen Tschetschenzen genannt, und die 490,000 Seelen zählenden Adighe- und Asegavölker, deren größter Teil in neuester Zeit auf türkischen Boden übergesiedelt ist. Sie sind allgemeiner unter ihrem türkischen Namen als Tscherkessen (Cirkassier) oder nach ihrem Wohnplatz, der Kabarda, als Kabardiner (Fig. 26, 27) bekannt.

Im Innern Vorderasiens bis zum Halysfluß herrschte vor alters die altphrygische Sprache, welche nach den glaubwürdigsten Nachrichten eine Tochter der armenischen war. Die Nordküste der Halbinsel war großenteils mit eingewanderten thrakischen Stämmen besetzt. Eine noch größere Mannigfaltigkeit der Mundarten scheint in den gebirgigen Südländern der Halbinsel (Pisidien, Pamphylien und Kilikien) stattgefunden zu haben. Von der semitischen Gruppe haben wir in A. heute nur noch die Araber (Fig. 28) und die Juden (Fig. 29). Ehedem aber gab es im westlichen A. zwischen Halys und Tigris zwar nur eine Sprache, die semitische, aber doch eine ganze Reihe von Völkern und Dialekten. Der semitische Sprachstamm teilt sich im allgemeinen in drei Hauptzweige: den aramäischen, kanaanitischen und arabischen, von denen allein der arabische, dieser aber in großer Verbreitung, jetzt noch gesprochen wird. Das Aramäische ward im Altertum in Syrien, Babylonien und Mesopotamien gesprochen und zerfiel hauptsächlich in das Syrische (Westaramäische) und Chaldäische (Ostaramäische); außerdem besitzen wir noch Dokumente in den Dialekten der Samaritaner, Sabier und Palmyrener, welche ebenfalls zum aramäischen Zweige gehören. Zu dem Kanaanitischen in Palästina und Phönikien gehört das Hebräische des Alten Testaments nebst den wenigen Überbleibseln des Phönikischen und Punischen, sodann das Neuhebräische oder Talmudische und Rabbinische, welches aber schon wieder mit Aramäischem gemischt ist. Die asiatischen Indogermanen umfassen neben den beiden Hauptgruppen der Arier, den Indern und Iraniern, noch mehr oder weniger bedeutende Bruchstücke des slawischen und germanischen Stammes. Die indische Familie fand, als sie aus ihren Ursitzen, den Südostabhängen der Pamirhochthäler, nach Indien vordrang, dort die Drawida vor, welche sie nun in die unzugänglichen Gebirgsgegenden zurückdrängte, wo wir sie mit ihren eignen Sprachen unter verschiedenen Namen (Tamulen, Telugu, Kanaresen u. a.) heute noch finden; in Ceylon gehören zu ihnen die Wedda (Fig. 30), wie ihr mit indischen Elementen durchsetztes Idiom, das Elu, beweist. Ihre Stelle nahmen die in zahlreiche Kasten zerfallenden Hindu (Fig. 31, 32) ein. Den Grundstock der iranischen Familie bildeten im Altertum die Meder und Perser, heute fallen in ihren Bereich die ansässigen, Ackerbau und Handel treibenden Tadschik (Fig. 33), die Parsi, die Kurden, Belutschen (Fig. 34), die Afghanen, Armenier u. a. Endlich ist der indogermanische Stamm noch vertreten durch slawische Bestandteile, wie die Kosaken (Fig. 35) im asiatischen Rußland, und durch andre Familien (germanische, keltische) in den von Europäern kolonisierten Gebieten.

Religionen, Kultur, Staaten.

Die Stifter sämtlicher höherer und jetzt noch bestehender Religionen: Zoroaster, Moses, Buddha, Christus und Mohammed, gehören A. und zwar der subtropischen Zone dieses Erdteils an. Versprengte Reste der Anhänger Zoroasters, Gebern oder Parsi, haben sich noch in den westlichen Küstenländern Vorderindiens und in einzelnen kleinen Kolonien bei Baku am Kaspischen Meer erhalten Elemente des alten Sabäismus, mit mohammedanischen, teilweise auch christlichen Ideen versetzt, finden wir bei den Jeziden im obern Tigrisgebiet und unter Sabiern in seinem Mündungsland, Anklänge an den altsyrischen Götterdienst unter den Hirtenvölkern der Drusen und Ansarier in den Gebirgen Nordsyriens. Der Brahmanismus