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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Asien

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Asien (Entdeckungsgeschichte: Altertum und Mittelalter).

Sohn Antiochos den Indischen Ozean befuhr, auch über das Kaspische Meer Aufklärungen gab, welche in Verbindung mit denen des Demodamas oder Demonax, eines gleichzeitigen Heerführers, die durch Alexanders Geschichtschreiber über jenes Meer verbreiteten Fabeln berichtigten. Neue Quellen eröffneten einerseits die von den Ptolemäern veranstalteten Fahrten von Ägypten nach Indien, anderseits die Entstehung griechischer Königreiche in Baktrien und Indien, die sich der sinkenden Macht der Seleukiden zu entziehen wußten. Die Herrschaft der Römer in Vorderasien und die Kriegszüge derselben gegen die Parther blieben gleichfalls nicht ohne Nutzen für die geographische Kenntnis Asiens, ebenso öftere Handelsreisen nach Mittelasien und nach Indien.

Das gesamte den alten Kulturvölkern bekannte A. zerfiel zur Zeit der Antonine, in der blühendsten Periode des römischen Kaiserreichs, in folgende Teile. 1) Den Römern unterworfen waren: Pontus, Paphlagonia, Bithynia, Asia propria (Mysia mit Hellespontus und Troas, Äolis, Ionia, Doris nebst Rhodus, Lydia, Phrygia major, Caria), Lycia, Galatia, Pamphylia, Pisidia, Isauria und Lycaonia, Cappadocia mit Melitene und Cataonia, Armenia minor, Cilicia, Cyprus, Syria mit Commagene, Phönice, Cölesyria, Trachonitis und Palmyrene, Palästina, Arabia peträa mit Idumäa. 2) Zu dem parthischen Reiche gehörten: Mesopotamia, Babylonia, Assyria, Media, Parthia, Hyrcania, Margiana, Aria, Drangiana, Arachosia. 3) Mehr oder weniger selbständig waren: Sarmatia, das asiatische Kolchis, Iberia, Albania, Armenia major, Arabia (deserta und felix), Susiana, Persis, Carmania, Gedrosia, Paropamisadä, Bactriana, Sogdiana, Sacä, Scythia (intra Imaum und extra Imaum), Serica und Sinä, India (extra Gangem und intra Gangem), Taprobane. Nachdem das Christentum dort festen Fuß gefaßt hatte, teilte man seit Diokletian oder Konstantin d. Gr. Westasien in zwei Diözesen: Asiana (Asia propria und die übrigen südwestlichen Provinzen: Lykien, Pamphylien, Lykaonien etc.) und Pontica (Pontus, Bithynien, Galatien und Kappadokien). Über Ostasien berichtete der Armenier Moses von Chorene (Mitte des 5. Jahrh. n. Chr.) einiges; erst durch die Araber wurde aber der über Asiens Ostteil verbreitete Schleier einigermaßen gelüftet. Wahad und Abu Seid (in der Mitte des 8. Jahrh.) durchwanderten einen großen Teil Asiens und beschrieben ihre Reise. Hauptsächlich sind die Araber Massudi Kothbeddin und Ibn Haukal (zu Anfang des 10. Jahrh.) zu nennen; auf sie folgte (1232) ihr Landsmann Ibn al Wardi. Andre trieben Seehandel nach China und Hinterindien. Vorderasien durchzogen die Araber erobernd bis an den Kaukasus. Europäer wurden seit dem 10. Jahrh. durch religiöses Interesse nach A. geführt; man wallfahrtete nach dem Heiligen Grab, schickte (um 1000) Missionen nach Palästina und endlich sogar seit 1096 in den Kreuzzügen bewaffnete Heerhaufen. Obgleich die Eroberungen der Europäer in A. nicht von Dauer waren, so blieben doch von nun an die Verbindung und der Verkehr mit A. ununterbrochen und zwar nicht bloß im Interesse des Handels, sondern auch in politischer Beziehung; man bezweckte dabei hauptsächlich die Verbreitung des Christentums im O. Die christliche Sekte der Nestorianer hatte seit dem 11. Jahrh. zahlreiche Gemeinden in allen Oasen der Wüste Gobi und in Turkistan gegründet; der Herrscher Korchan, der 1125 ein mächtiges Reich zwischen dem Kaspisee und der Chinesischen Mauer gründete, ist der als Presbyter Johannes im Mittelalter so viel genannte und gesuchte König (vgl. Oppert, Der Presbyter Johannes in Sage und Geschichte, 1864). Unter den Missionen, die Ludwig IX. an die Mongolen sandte (1253), hat der Reisebericht des Franziskaners Wilhelm Rubruquis (Ruysbroek) bleibende Bedeutung erlangt. Auch sind Joh. v. Montecorvino und Oderico v. Pordenone zu erwähnen, welche nach Peking reisten, jener 1291 über Persien und Madras, der letztere 1316. Rubruquis' Bericht kommt an Wert nur der des Venezianers Marco Polo gleich, welcher im Handelsinteresse und im Auftrag des Papstes zu Ende des 13. Jahrh. in einem Zeitraum von 25 Jahren die Mongolei, China und Bengalen und in Begleitung des Großchans der Mongolen die entlegensten Teile Ostasiens besuchte. Erst die Neuzeit hat ihn durch Bestätigung des von ihm aus eigner Anschauung Mitgeteilten vom Makel eines Aufschneiders befreit, mit dem sein Name von der Mitwelt verunglimpft ward. Mehr Anerkennung fand bei den Zeitgenossen schon Abulfeda (13. und 14. Jahrh.) mit seinem "Takwim al Boldam" ("Beschreibung des Bewohnten"). Die meisten Aufschlüsse verdankt man in der nächstfolgenden Zeit den wichtigen Reisen des Arabers Ibn Batuta, der 1324-53 bis Indien und China vordrang. Weniger Bedeutung haben die Berichte Schildbergers, Ruy Gonzalez Clavigos (zu Anfang des 15. Jahrh. von Heinrich III. von Portugal an Tamerlan geschickt), Barbaros, Abd ul Rizaks, Covilhãos. Gefördert wurde die Land- und Völkerkunde Asiens auch durch die Gesandtschaftsreise, welche Schah Rokh (1420) nach China unternehmen ließ, und durch die Reisen des Venezianers Niccolò Conti, des einzigen Europäers, welcher im 15. Jahrh. das Plateau von Dekhan durchschnitt und nach Hinterindien vordrang. Die eigentliche Entdeckungsstraße nach A. wurde aber gebahnt durch den von Emanuel d. Gr. von Portugal mit einer Anzahl von Schiffen ausgesandten Portugiesen Vasco de Gama, der 1498 das Vorgebirge der Guten Hoffnung umschiffte, bei Kalikat an der Küste von Malabar landete und so den neuen Weg zur See nach Ostindien auffand. Wenn man früher teils durch das Arabische Meer über Alexandria, teils vom Schwarzen Meer aus über Persien (wie namentlich die Genuesen) mit Ostindien Handel getrieben hatte, so kam man jetzt unmittelbar dahin. Der große Albuquerque faßte bald den Gedanken, Portugals Herrschaft über alle Länder und Meere Indiens zu verbreiten; seit 1510 eroberte er Goa, Malabar, Ceylon, die Sundainseln und Malakka. Franz de Almeida entdeckte 1508 die Lakadiven, Anton d'Abreux 1511 Amboina, die Bandainseln und die Molukken 1512, Simon d'Andrada die Malediven und João de Silveira Bengalen. An den meisten Orten wurden Faktoreien und Niederlassungen angelegt. Fernando Perez fand 1516, bis Tama vordringend, die Liukiuinseln.

Bedeutenden Einfluß auf die neuern Entdeckungen in A. hatte auch die Entdeckung Amerikas; man fuhr nun teils auf westlichem Weg nach Ostasien (schon Magelhaens entdeckte 1521, von Amerika ausfahrend, die Ladronen und Philippinen), teils aber unternahm man besondere Reisen zur Untersuchung des nordöstlichen A., um die Frage, ob Amerika mit A. zusammenhänge oder nicht, zu lösen, wobei der Hauptzweck die gewünschte Teilnahme an den ungeheuern Handelsgewinsten der Portugiesen in Ostindien war, die sich dort immer mehr ausbreiteten.