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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Asien

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Asien (Forschungsreisen in Westturkistan).

kolonisieren; es scheinen sich jedoch nur einzelne Teile derselben dazu zu eignen.

Westturkistan.

In den Ländern am Kaspischen und Aralsee waren neben vielen andern thätig: Klaproth 1807 (Kaukasus), Porter 1817-20 (Georgien, Armenien und Persien), Murawiew 1819 (Bucharei und Chiwa), Negri, Eversmann und Meyendorff 1820-21 (Bochara), Eichwaldt 1825 (Kaukasien, Georgien etc.), Baer und Helmersen seit 1827 (daselbst), Koch und Thümmel 1836 (Kaukasus), Lehmann 1841-42 (Bochara und Samarkand), Basiner 1842-43 (Chiwa), Haxthausen 1843 (Transkaukasien), Schultz 1847-49 (Kaspisches Meer und Aralsee), Abich seit 1850 (Kaukasus und Armenien). Die kaukasischen Lande bis zum Ararat im S. wurden sorgfältig trianguliert (1860-62) und vermessen, wobei sich namentlich Oberst Chodzko großes Verdienst erwarb; Melgunow bestimmte die Südküsten des Kaspischen Meers (bis 1863), Radde erforschte den Kaukasus (seit 1864). Auch hier hat die kaukasische Sektion der russischen Geographischen Gesellschaft zu Tiflis erfolgreich gewirkt. Mit der Besiedelung des Tscherkessengebiets durch russische Einwanderer ist auch die Kenntnis dieser früher ganz unzugänglichen Gebiete angebahnt worden. Im Kirgisenland, am Balchasch und Issikul ist mit der russischen Eroberung die gründliche Untersuchung des Landes vorwärts geschritten. 1860 veröffentlichte Atkinson die Eindrücke seiner Reise unter den Kirgisen und am untern Amur, sein Bericht ist aber nicht immer zuverlässig. W. Radloff hat seit 1861 wiederholt den Altai, die beiden Alatau sowie das Ilithal in China besucht und nach seinen Bewohnern und Zuständen sorgfältig beschrieben (zuletzt 1885). In der Provinz Turkistan (organisiert 1867) begann Butakow 1853 am untern Sir Darja die speziellen Aufnahmen, welche die russischen Eroberungen in Zentralasien einleiteten. Die mannigfachen Arbeiten über die Umgebungen des Issikul faßte 1868 Spörer in Petermanns "Mitteilungen" zusammen; der Nord- und Westabhang des Thianschan ist durch Osten-Sacken und Sewerzow 1867 bereist worden. Radloff besuchte die Bewohner des nördlichen Samarkand und begann 1871 ein ausgezeichnetes Werk über die Sprachen der türkischen Stämme Südsibiriens. Nach Persien und Herat erstreckte sich die 1857-59 ausgeführte politische Mission Khanikows, der uns ebenso wie der Ungar Vambéry über die orographischen und sozialen Verhältnisse dieser Länder neue Aufschlüsse gab. Vambéry, dessen Vorläufer 1821 Alex. Csoma war, reiste 1863-64 als Derwisch verkleidet von Teheran durch das Turkmenengebiet an der Ostküste des Kaspischen Meers nach Chiwa, Bochara und Samarkand und kehrte über Herat nach Persien zurück. 1868 ff. drang Fedtschenko durch Turkistan ins Pamirplateau ein, forschte am mittlern und 1870 im Anschluß an die Expedition des Generals Abramow am obern Serafschan und seinem Quellsee Iskanderkul, v. Kaulbars 1869 ff. im Thianschan am Naryn (Quellfluß des Sir) und Musartpaß. Daneben sind zu verzeichnen die Routen von Skobelew 1871 und von Markosow 1872 im transkaspischen Gebiet, welche den Feldzug gegen Chiwa 1873 vorbereiten halfen. Dessen glückliche Beendigung gab wiederum den Anstoß zu einer Reihe von Forschungsreisen: 1873 befuhr Kostenko den untern Amu und den Aralsee; 1874 erforschte die große Amu Darja-Expedition, an der Barbot de Marny, Sewerzow, Smirnow, Dorandt u. a. unter Stoljetows Oberleitung sich beteiligten, den Strom, dessen Namen sie trug, und sein Delta nach allen Richtungen hin. In die Jahre 1874-76 fallen die geologischen Arbeiten Muschketows im Alai und Thianschan; 1875 erforschte Majew das Bergland von Hissar zum erstenmal und hat es später (1878) wiederholt bereist. 1875 nahm auch Lupandin den Usboi, das trockne Oxusbett, auf und besuchte der Ungar v. Onody im landwirtschaftlichen Interesse Chiwa. 1876 folgte die große Expedition unter Skobelew, wobei Kostenko und Lebedew bis zum Karakul auf dem Pamirplateau vordrangen, 1877 die hauptsächlich ethnographischen Zwecken gewidmete Reise Ujfalvys durch die russischen Besitzungen und 1877-78 die bedeutende naturwissenschaftliche Expedition Sewerzows, welchen die Spezialisten Schwarz, Skasi und Rudnew begleiteten, durch das neueroberte Ferghana bis zum Rankul und der Alitschur-Pamir (unter 38° nördl. Br.). Dasselbe Ziel hatte 1878 die Expedition von Oschanin, ohne es ganz zu erreichen; doch erforschte sie Karategin am obern Surchab. 1878 nahm Bykow den mittlern Amu auf, studierte v. Middendorf die landwirtschaftlichen Verhältnisse von Ferghana, ging Matwäjew nach der westlichen Dsungarei, erforschten Romanowski und der oben genannte Muschketow die Geologie des Kreises Semiretschinsk und Ferghanas, während Ruksow den Süden des Sirarja-Gebiets und den Serafschanbezirk geologisch untersuchte.

Die großartigste Unternehmung in Turkistan war die sogen. Samara-Expedition unter Rostowtzew 1878 ff. behufs endgültiger Bestimmung der Richtung der projektierten "zentralasiatischen" Eisenbahn über Taschkent und Samarkand und zur Untersuchung der Schiffbarkeit des Amu Darja. Es wurde die Schiffbarkeit der Flüsse Surchan, Kafirnahan und Wachsch untersucht, der ganze Amu von einem Punkt 75 km oberhalb der Vereinigung seiner Hauptquellflüsse Wachsch und Pandsch abwärts in großen Booten befahren, eine Reihe astronomischer und hypsometrischer Bestimmungen gemacht, Sammlungen angelegt sowie täglich Barometer und Thermometer beobachtet. Zum Beschluß unterhandelte die Expedition mit dem Chan von Chiwa hinsichtlich der Wiedereinleitung des Amu Darja in sein trocknes Flußbett, den Usboi, und erlangte von ihm die Niederreißung der Dämme, welche den Laudan und Darjalyk (Abzweigungen des Amu nach W.) versperren, und die Zusage, diese und andre Kanäle vertiefen zu lassen, um dadurch den Amu Darja in das Kaspische Meer zu leiten. Ein Mitglied dieser Expedition, Oberstleutnant Majew, vervollständigte bei dieser Gelegenheit seine Erforschung des Berglands Hissar. Die weitern Untersuchungen und Vorarbeiten für jenen Ableitungsplan wurden in den folgenden Jahren fortgesetzt von Ingenieur Hellman, General Gluchowski, Gedroitz u. a.; doch ist man über die Ausführbarkeit des Projekts auch jetzt noch (1884) sehr verschiedener Meinung, indem das Vorhandensein solcher alten Oxusarme von mancher Seite bestritten wird. Der letzte Krieg gegen die Turkmenen von Merw hat weitere Forschungen und Aufnahmen südwärts nach Iran hin zur Folge gehabt, so von Lessar 1881 ff., Gladyschew, Lukianow, Komarow u. a. Aber auch weiter nördlich sind in der letzten Zeit mehrere Expeditionen thätig gewesen. Balchaschin suchte neben seinen ethnologischen Arbeiten 1880 einen Fahrweg durch die Kirgisensteppe nach Taschkent; v. Schulz untersuchte 1880 das Terrain für eine Eisenbahn von