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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Asien

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Asien (Forschungsreisen in Hochasien).

Orenburg zum Aralsee; Capus und Bonvalot bereisten 1881-82 in naturwissenschaftlichem Interesse die Chanate Westturkistans (Chiwa, Bochara, Ferghana) bis ins Gebirge hinein. Die Gletscher des obern Serafschan untersuchten 1880 Muschketow und Iwanow. Fetissow machte 1879 botanische Exkursionen bis in den westlichen Thianschan. Das noch ganz unbekannte Darwas am obern Amu (Pandsch) wurde 1881 von dem Botaniker Smirnow besucht und mehrmals (1881 und 1882) auch von Regel, welcher sich zuerst durch seine Reisen im östlichen Thianschan (von Kuldscha aus) verdient gemacht hat (s. unten) und demnächst Darwas und das noch unerforschte Schugnan besuchte, um dann 1883 mit Iwanow und Putjäta zum erstenmal das Pamirplateau in seinem östlichen, noch unbekannten Teil zu enthüllen, wo nur erst der Pundit Abd ul Subhan 1878-81 von Indien aus Exkursionen gemacht hatte. Seit Oktober 1881 untersuchte Lessar das südliche Turkmenenland, welches durch Skobelews Expedition gegen Merw 1881 eben erst erschlossen ward, und machte daselbst wichtige topographische Aufnahmen bis nach Afghanistan hin, wie er auch nördlicher die Wüste Karakum und die angeblichen alten Oxusarme eingehender untersuchte. Ende 1884 begann eine britisch-russische Kommission ihre Arbeiten zur Feststellung der Nordgrenze von Afghanistan.

Hochasien.

Nach Hochasien oder dem Land nördlich vom Himalaja, das im W. vom Bolor, im O. von der Wüste Gobi begrenzt wird, drangen vor und zwar von Indien aus nach Westtibet und dem Süden des chinesischen Tibet: Webb (1805), Fraser (1815), Moorcroft (1822), Strachey (1828), Csoma (1834), dem wir die erste genaue Grammatik und ein Wörterbuch des Tibetischen verdanken; Cunningham (1846 und 1847), Hodgson (1848, Sikkim), 1856-58 die Gebrüder Schlagintweit (in dieselbe Zeit fällt in Lahol die Gründung einer Mission der Brüdergemeinde, welche schon viele wichtige Nachrichten über Ladak gesammelt hat); 1865-66, dann 1868 ff. die Punditen, gebildete Inder, welche die englische Vermessungskommission zur genauen Vornahme geodätischer Arbeiten ausbildete, und welche manche den Europäern schwer oder gar nicht zugängliche Gebiete durchzogen und erforschten. Der Bereisung und sprachlichen Erforschung Dardistans, des westlichsten Teils von Tibet, wandte sich 1866-1869 Leitner zu. An der tibetisch-chinesischen Grenze haben sich 1854 in Bonga die französischen katholischen Missionäre niedergelassen. Von Sibirien aus unternahm der Maler Atkinson 1844-53 seine Streifzüge durch den Altai und die Mongolei. Den Jantsekiang aufwärts drang 1868 der Engländer Cooper mit der Absicht vor, seinen Weg durch Tibet nach Indien fortzusetzen; er wurde aber schon an der tibetisch-chinesischen Grenze zur Umkehr genötigt. Der Ostrand der Gobi wird auf der Postroute Kiachta-Peking regelmäßig von Europäern benutzt; auch Seitenrouten konnten schon eingeschlagen werden. Von Indien aus nach Ostturkistan vordringend, überschritten 1857 die Gebrüder Schlagintweit als die ersten Europäer den Kuenlün und stellten seine Richtung, Höhe etc. fest; der eine der Brüder (Adolf) wurde 22. Aug. 1858 zu Kaschgar ermordet. Ihnen folgten 1865-69 Forsyth, Shaw und Hayward, welch letztere Kaschgar erreichten; Hayward bereiste auch das noch ganz unbekannte Kafiristan, wurde aber 1870 nördlich von Yassin ermordet. In der Zeit von 1868 bis 1874 führte der Engländer Shaw, der erste, welcher nach Adolf Schlagintweits Ermordung es wagte, drei Reisen nach Ostturkistan aus; 1870 und 1873 leitete Sir D. Forsyth englische Gesandtschaften dorthin, deren letzte namentlich durch die Teilnahme zahlreicher Offiziere und Gelehrten (Stoliczka, Bellew, Chapman, Trotter, Gordon, Biddulph) und durch die Ausdehnung der Reise bis auf das Pamirplateau reiche wissenschaftliche Ergebnisse lieferte. Von Rußland aus forschte 1857 Permikin am See Kossogol, Walichanow ging 1858 bis 1859 an den Issikul und nach Kaschgar, Sewerzow forschte 1864-68 überaus erfolgreich in dem noch sehr wenig bekannten Thianschansystem bis zu den Quellen des Sir Darja, und 1867 drang Osten-Sacken in der Richtung gegen Kaschgar bis über den Südrand des Thianschan vor. 1870 durchzogen Matusowski und Pawlinow die westliche Mongolei über Kobdo bis Uliassutai, Palladius, der russische Archimandrit, die Mandschurei; zugleich brach Prschewalskij zu seiner ersten großen Reise auf, welche ihn im Verlauf von drei Jahren durch die Gobi nach Peking und über den Kuku-Nor bis an den obern Jantsekiang führte. 1872 begaben sich Kaulbars und Scharnhorst an der Spitze einer russischen Gesandtschaft nach Kaschgar, und 1873 erforschte der Pundit Rain Sing im Dienste der Engländer das innere Tibet, jenes System von Flüssen und Seen nördlich vom Jarudzangpo, indem er von Ladak über den Tengri-Nor und Lhassa nach Assam vordrang. 1876-77 ist zu verzeichnen die Reise Kuropatkins und Wilkens' nach Ostturkistan längs des Südfußes des Thianschan bis Karaschahr und 1877 die glänzende Expedition Prschewalskijs mit Eklon über Kuldscha ins Ilithal und am Tarim hinab zum Lop-Nor und Altyn Dagh im Herzen des ganzen Kontinents. 1877 erforschte Potanin die westliche Mongolei und durchschnitt dabei zweimal die Wüste Gobi zwischen dem Altai und Thianschan. Fetissow bereiste im Sommer 1879 den westlichen Thianschan, besuchte das Nordufer des Tschatyrkub (nördlich von Kaschgar) und überstieg den 4200 m hohen Paß Sujok. Die ausgedehnte Bereisung des östlichen Thianschan erfolgte durch A. Regel, russischen Bezirksarzt in Kuldscha, der seit 1877 unermüdlich die weitere Umgebung Kuldschas, das Thal des Ili und der abflußlosen Seen Sairam-Nor und Ebi-Nor durchzog und dabei die Geographie, Geologie, Fauna, Flora und Ethnographie erforschte. Zweimal (1878 und 1879) drang er nordöstlich von Kuldscha auf chinesischem Boden bis Schicho vor, und 1879 gelang es ihm auch, Turfan in Ostturkistan zu erreichen, das vor ihm nur ein einziger Europäer, der Jesuit Benedikt Goes, im ersten Jahrzehnt des 17. Jahrh. besucht, aber nur in dürftigster Weise beschrieben hat.

Die nordwestliche Mongolei hat sich seit 1876 der Russe Potanin zu seinem Forschungsgebiet erwählt. Am 14. März 1879 trat er eine neue Reise dorthin an, ging zuerst an den See Kirgis-Nor, den Mittelpunkt des westmongolischen Beckens, der weit größer sein soll, als er auf unsern Karten erscheint, und dann südwärts nach Kobdo. 1883 unternahm Potanin von Petschili aus eine neue große Forschungsreise durch die südliche Mongolei. Päwtzow, ein andrer russischer Offizier, welcher schon früher die Mongolei bereiste, hat in der Zeit vom September 1878 bis Oktober 1879 im Gefolge einer großen Karawane Biisker Kaufleute eine Reise über Kobdo durch die Wüste Gobi nach der chinesischen Handelsstadt Kukuchota oder Kweihwatschöng (unweit des