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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Asien

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Asien (Forschungsreisen in China).

großen nördlichen Bogens des Huangho) und von dort zurück über Urga und Uliassutai ausgeführt.

Der sonst glücklichste und hervorragendste unter allen russischen Reisenden, Oberst Prschewalskij, hat auf seiner Expedition, die er 1. Febr. 1879 von Petersburg aus wieder mit Eklon angetreten hat, sein Ziel, die tibetische Hauptstadt Lhassa, nicht erreichen können. Über Saisan und Zaidam, über den Blauen Fluß und über das Tanlaplateau kam er bis an die Grenze Tibets, wo er zu der äußerst beschwerlichen Umkehr nach Siningfu in der chinesischen Provinz Kansu gezwungen wurde. Von da aus erforschte er noch im Sommer 1880 das Quellgebiet des Huangho und kehrte dann nach Sibirien zurück. Seit 1883 ist er auf einer neuen ausgedehnten Forschungsreise durch jene Gebiete begriffen. Einige Jahre früher (1875) war der Pundit L- von Indien aus nach Schigatze am Jarudsangpo gegangen und hatte einen noch unbekannten Teil dieses Stroms erforscht, worauf ein andrer Pundit, N..m..y, 1878 ff. den Fluß noch ca. 320 km weiter östlich verfolgte. In Ostturkistan wurde Jarkand 1879 und 1880 von Ney Ellas besucht, Kaschgar 1880 von dem russischen Offizier Petrow.

China, Japan und Hinterindien.

China und Japan blieben auch während des 19. Jahrh. bis auf die letzten Dezennien europäischen Reisenden so gut wie unzugänglich, was von manchen Teilen des chinesischen Reichs in gewissem Sinn auch jetzt noch gelten kann. Lange Zeit waren es fast nur Missionäre, welche uns hin und wieder Nachrichten über jene Länder zukommen ließen, und nur äußerst selten wissenschaftlich gebildete Reisende. Timkowskis und Bitschurins Reise über Kiachta nach Peking 1820-21 wurde bereits erwähnt; 1830 begleitete Bunge russische Missionäre dorthin, 1823-1829 weilte Siebold in Japan. 1844-46 zogen die Missionäre Huc und Gabet durch China und die Mongolei bis an die Grenze von Tibet. Nachdem aber seit der amerikanischen Expedition unter Perry (1853-54) von Japan und seit dem französisch-englischen Krieg (1858) von China das System der fast völligen Abschließung aufgegeben ist, haben die Reisen in beiden Reichen schnell zugenommen.

Über China wird schon lange nicht mehr bloß von Missionären berichtet, unter denen Gützlaff, Lechler, Edkins, Beal, Eitel und die Mitglieder der russischen Mission in Peking sowie der China Inland Mission vor allen genannt werden müssen, oder von Besuchern der Küstenstädte; auch das Innere ist seit 25 Jahren wiederholt sowohl von der Küste als auch von Sibirien und Indien aus bereist und nach allen Richtungen hin genauer erforscht worden. Außer den schon unter Hochasien und Sibirien erwähnten Reisen, deren mehrere bereits das chinesische Gebiet betreffen, seien hier noch besonders angeführt: die Befahrung und Aufnahme des Jantsekiang und Sikiang 1858 ff. durch Bullock, Bleakiston, Sarel u. a., die gleichzeitigen Forschungen des Obersten Budogowski im Amurgebiet und bis Korea hin, die Schismarews 1864 und 1868 in der Mongolei, Michies und Pumpellys Reisen 1863 ff., des Abbé David Forschungen in China und Tibet (1861-1874), ferner Ney Elias, Swinhoe, Oxenhan 1868 ff., H. Fritsche 1868-71, Rocher, Palladius, Prschewalskij 1870 ff. Letzterer zog mit Pylzow durch die Wüste Gobi nach Peking und aber Tibet nach Sibirien zurück. Jünnan wurde 1866-68 von Kochinchina aus durch die französische Expedition auf dem Mekhongfluß erreicht; Cooper nahm 1868 den Weg von Chinas Küste nach Tibet; v. Richthofen zog 1868 ff. von Kanton in gerader Richtung bis Peking, besuchte dann die Provinzen Schingking, Nganhui und Tschekiang und drang südlich durch Setschuan bis Jünnan vor. 1875 unternahm der englische Konsulatsbeamte Margary seine interessante Reise quer durch China (Kueitschou und Jünnan) bis Bhamo in Birma, fand aber auf der Rückreise seinen Tod durch Mörderhand; seit 1875 bereiste auch Grosvenor mit Colborne Baber Jünnan und dann Baber 1877 die Provinz Setschuan sowie nochmals Jünnan, wo er bis zu den unabhängigen Lolostämmen vordrang. Sein Reisegefährte Leutnant Gill durchkreuzte in demselben Jahr das ganze Reich, indem er von Tschingtu, der Hauptstadt Setschuans, über Talifu und durch wildes Gebirgsland Bhamo in Birma erreichte, was in demselben Jahr auch dem Missionär Cameron gelang. 1878 ging Morrison von Hankeou nach Kanton und vom Jantsekiang zum Peiho, und Graf Széchényi trat über Lantschau eine große Reise nach Innerasien an, begleitet von dem Oberleutnant Kreitner. Die Expedition zog den Jantsekiang hinauf, dann durch die Provinzen Schensi und Kansu zum Kuku-Nor, durfte aber Tibet nicht durchqueren und mußte sich deshalb südwärts nach Bhamo am obern Irawadi begeben. Nicht ohne geographische Ergebnisse blieb auch die Reise des englischen Konsularbeamten W. C. Hillier 1879 durch die Provinzen Hupei und Honan. Ungemein ausgedehnt, wenn auch weniger wichtig vom wissenschaftlichen und speziell geographischen Standpunkt sind die Reisen der Missionäre der China Inland Mission, welche seit 1876 sämtliche Provinzen des westlichen China, namentlich Kansu, das westliche Setschuan, Schensi, Schansi, Hunan, Honan, Kuangsi; Kueitschou und Jünnan, durchwandert haben. In Schansi, Setschuan und Kueitschou haben sie Missionsstationen errichtet. Von besonderm Interesse ist darunter die Reise J. ^[Jacques] Mac Carthys, welcher 1877 den Jantsekiang aufwärts durch Setschuan gleichfalls Bhamo erreichte. Von sonstigen Missionären verschiedener Nationalität, die sich um die Erforschung des südwestlichen China verdient gemacht haben, nennen wir hier Riley, Clarke, Nicoll, Cameron, Pigott, Broumton, French, Baller, Dorward, Janssen und Creuse. Soltau und Stevenson gelangten 1880-81 zum erstenmal von Bhamo aus nach Itschangfu am Jantsekiang. Fast alle diese Reisen nach und durch Jünnan bezweckten die Aufsuchung einer bequemen Überlandroute für den Handelsverkehr mit dem südlichen China, und dasselbe gilt von der Reise der beiden englischen Ingenieure Colquhoun und Wahab, welche 1882 von Kantor aus den Sikiang und Jükiang hinauffuhren, beide Flüsse gut aufnahmen und dann über Pese, Kuëhuë (Kaihua) und Puër und durch das noch ganz unerforschte Gebiet des obern Papien über Talifu nach Bhamo gingen. Im nördlichen Setschuan reiste neuerdings E. H. Parker. Der Distrikt Hundes oder Nari-Chorsam im westlichen Tibet wurde im Sommer 1877 unter Leitung von E. C. Ryall zum Teil aufgenommen und zwar mit Genehmigung der sonst so mißtrauischen chinesischen Behörden. In dasselbe Jahr fällt die Reise des um die Erforschung Tibets so verdienten französischen Missionärs, des Abbé Desgodins, von Bathang in Tibet nach Tatsienlu in Setschuan. Im Herbst 1877 bereiste v. Möllendorff den nördlich der Großen Mauer gelegenen Teil der Provinz Tschili, und 1878 ging der englische Konsularbeamte E. C. Baber in Setschuan