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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Asien

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Asien (geographische Litteratur).

terer durch Kurdistan bis Persien vordrang. Auch Moltke, Schaefli und John Taylor verdanken wir wertvolle Nachrichten über Kurdistan, und 1864 begann auch Radde in Tiflis seine langjährigen sehr verdienstvollen Forschungen in Transkaukasien, Hocharmenien und südlich vom Kaspischen Meer, die er noch gegenwärtig durch jährliche Exkursionen erweitert. Das Euphratbett war schon 1830, dann 1835 f. von Chesney behufs Herstellung einer Postverbindung mit Indien untersucht worden, und 1872-73 wurde das Euphrat-Tigrisgebiet für Eisenbahnzwecke von Cernik bereist und vermessen. Im letzten Jahrzehnt ist dieser Teil Vorderasiens, namentlich in seinem nördlichen Teil, von Naturforschern, Ethnologen, Linguisten, Archäologen und Topographen mehrfach besucht und durchzogen worden: Kaukasien von Osk. Schneider 1875, N. v. Seidlitz, Zagurski, Prof. Müller, Komarow; Armenien von Deyrolle 1870, Rev. Tozer 1879, Clayton 1881; Kurdistan von Floyer 1875 (bis Iran), Josefowitsch 1882, Puchstein und Sester 1882 durch Nordsyrien bis Diarbekr, Wünsch 1882; Mesopotamien von Cahun 1880 und Rassam.

Auch Syrien, Palästina und die Sinaihalbinsel sind in unserm Jahrhundert von europäischen Reisenden fleißig besucht worden. Abgesehen von denjenigen, welche diese Länder mehr auf der Durchreise nach dem Innern passierten, verdienen hier genannt zu werden: 1802 Leake, 1803-1807 Seetzen, 1808-12 Burckhardt, welche vorzugsweise im Ostjordanland und auf der Sinaihalbinsel forschten, 1831 f. Michaud. 1835 begann Titus Tobler seine mit Unterbrechungen 30 Jahre lang währenden sehr verdienstvollen Forschungen in Palästina und etwas später (1838) Edw. Robinson die seinigen. Weitere Palästinareisende sind: 1837 Schubert, Moore und Beke, 1841 Symonds, 1850-51 Saulcy, 1851 van der Velde und Michon, 1852 Smith u. a. Die ersten richtigen Küstenaufnahmen wurden 1859 und 1860 gemacht. Für das Innere des Landes waren von Bedeutung die Höhenmessungen des Professors J. B. Roth (seit 1857), die Expeditionen Cyril C. Grahams (1857) und des Konsuls Wetzstein (1858) in den Hauran und die östlich davon liegenden Wüstenlandschaften; ferner die Reisen Guérins (1863 und 1870-1871) in Samaria und Galiläa, A. Garovaglios und G. Vigonis (1869), des Prof. Kiepert (1870) im Transjordanland, besonders aber die von Tyrwhitt Drake im Dezember 1871 eröffnete vollständige Vermessung von Palästina, die im Auftrag des englischen Palestine Exploration Fund ausgeführt wird, während Steever im Auftrag einer amerikanischen Gesellschaft in ähnlicher Weise die Aufnahme des Transjordanlands in Angriff nahm, womit 1881 seitens der Engländer auch Conder noch beauftragt wurde. Die Sinaihalbinsel wurde 1868 von den englischen Ingenieuren Wilson und Palmer aufgenommen, das Land Midian 1877-78 von Rich. Burton erforscht. Syrien wurde in den letzten Jahren bereist von Seiff 1871-72, von dem Geologen Fraas 1875, von Blunt 1877-79, Cahun und Sachau 1879-80, Hartmann mit Schumacher, von Euting, der 1883 bei Palmyra Inschriften sammelte, und von dem Geologen Stübel, der bis zum Hauran vordrang. In Palästina forschte in jüngster Zeit (1880) Lortet, der schon 1875 ff. in Syrien thätig war, am See Tiberias, Langer 1881 im Transjordanland, dessen nördlichen Teil schon 1879 Oliphant durchzogen hatte, Hall endlich am Toten Meer und im Wadi el Arabah.

Kleinasien ward in neuerer Zeit der Gegenstand gründlicher Forschungen, und die Resultate waren um so erfreulicher, als die Kenntnis des Landes bisher noch eine äußerst unsichere gewesen war. Frühere Reisende sind: 1800 Wittmann, Leake und Beauchamps, 1802 Browne und Seetzen, 1809-1815 Burckhardt, der seine Wanderungen auch nach Syrien und Arabien ausdehnte, 1810 Clarke, 1816 Prokesch v. Osten, 1823 Parthey, 1830 Michaud, 1834 ff. zu wiederholten Malen Texier, 1835 Hamilton (bis nach Armenien), 1835 ff. Russegger und Kotschy, 1838 Fellows (an der West- und Südküste), 1839 Ainsworth, 1841 H. Kiepert (im nordwestlichen Kleinasien). Unter den spätern Erforschern stehen Tschichatschew (sechs Reisen, 1847-58) und Kotschy, der auch Cypern, den Taurus, Syrien und Kurdistan untersuchte (1840-62), in erster Reihe. Auch Mordtmann (1850-59), W. K. Loftus (1849-52), H. Barth (1858-59) haben Forschungsreisen in Kleinasien unternommen. Neben ihnen sind zu erwähnen: Lejean 1865-67 (bis nach Persien) und zahlreiche, vorzugsweise archäologische Untersuchungen, so von Curtius und Hirschfeld 1871 ff. (letzterer war 1882 auch in Paphlagonien thätig), Rayet und Thomas 1872 ff., Baumeister, Eggert, Favre, Mandrot 1874, Schliemann 1879 ff., Virchow 1879, Humann und Clarke (die letztern erforschten die alten Landschaften von Troas und Pergamon, Humann 1882 auch die Gegend von Angora); ferner: Bischoff 1881 und Benndorf 1881-82 in Kilikien. Neuerdings (1879) ist auch der Vulkan Argäus bei Kaisarieh mehrmals bestiegen worden, und seit 1880 läßt England durch seine dortigen Konsularbeamten und Offiziere die ganze asiatische Türkei eingehender untersuchen und aufnehmen.

[Litteratur.] Den ganzem Erdteil umfassende Spezialdarstellungen sind nur in geringer Zahl und keine aus jüngster Zeit vorhanden. Die Berichte der im vorhergehenden Abschnitt aufgeführten Forschungsreisenden bleiben daher die Hauptquellen für die Kenntnis Asiens, und es ist auf die den einzelnen Reisenden und den betreffenden Ländern gewidmeten Artikel hier kurz zu verweisen. Von zusammenfassenden Werken über den Erdteil sind besonders hervorzuheben: A. v. Humboldt, Fragments de géologie et climatologie asiatique (Par. 1832; deutsch von Löwenberg, Berl. 1832); Derselbe, Asie zentrale, recherches sur les chaînes de montagnes et la climatologie comparée (Par. 1843, 3 Bde.; deutsch von Mahlmann, Berl. 1844, 2 Bde.); Derselbe, Die Bergketten und Vulkane Innerasiens (in Poggendorffs "Annalen der Physik", Bd. 94, 1830); Ritter, Erdkunde von A. (2. Aufl., Berl. 1832-59, 20 Bde.); Brauer und Plath, Handbuch der Geographie und Statistik von A. (Leipz. 1864); Keane, Asia, with ethnological appendix (Lond. 1882); Marvin, Reconnoitring Central Asia (das. 1884).

Karten: d'Anville, Carte de l'Asie (Par. 1751-53, 6 große Blätter); Arrowsmith, Map of Asia (Lond. 1829, 4 Bl.); Berghaus, Atlas von A. (Gotha 1832-37, 15 Bl. mit Druckschriften); Ritter, Atlas von A. (zu seiner "Erdkunde" gehörig, bearbeitet von Grimm, Mahlmann und Kiepert, Berl. 1833-54, 20 Bl.); Mahlmann, Karte von A. (das. 1835); Klaproth, Tableaux historiques de l'Asie (Par. u. Stuttg. 1824); v. Spruner, Atlas zur Geschichte Asiens (2. Aufl., Gotha 1855, 10 Bl.); Derselbe, Atlas antiquus (3. Aufl., herausgeg. von Menke, das. 1868, 31 Bl.); Grunde-^[folgende Seite]