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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Askanios; Askarīden; Askenas; Askersund; Askēse

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Askanios - Askese.

gebaut sein soll. Nach einer zweiten Zerstörung (1140) bald wiederhergestellt, wurde sie 1252 die Residenz der Grafen von A. oder Aschersleben, welche 1315 erloschen. Die Grafschaft kam darauf an das Bistum Halberstadt. Die Burg, irrigerweise mit der alten Wallburg auf dem Wolfsberg bei Aschersleben identifiziert, geriet unter der Herrschaft der Bischöfe von Halberstadt in Verfall und wurde 1444 an die Stadt Aschersleben verkauft, welche sie abbrechen und das von ihr eingenommene Areal zum Teil von der Stadtmauer einschließen ließ. Mit der Säkularisation des Bistums Halberstadt kam die ehemalige Grafschaft A. an Brandenburg; doch führten die Fürsten und Herzöge bis auf die Gegenwart herab den Titel "Grafen von A." Vgl. Aschersleben.

Askanios, s. Ascanius.

Askarīden (Ascaridae), Familie der Nematoden oder Fadenwürmer, Eingeweidewürmer von ziemlich gedrungener Form mit drei zapfenförmigen Lippen am Eingang zur Mundhöhle. Als Parasiten des Menschen sind hervorzuheben je eine Art der Gattungen Ascaris (Spulwurm, s. d.) und Oxyuris (Madenwurm, s. d.); die übrigen A. schmarotzen in andern Wirbeltieren, namentlich in Haustieren, und auch in Insekten. Ascaris nigrovenosa lebt in den Lungen des Frosches und der Kröte und gebiert lebende Junge, welche sich im Innern ihrer Wirte einen Weg bis in deren Mastdarm bohren, von dort mit dem Kot in Schlamm gelangen und nun eine Zeitlang in andrer Gestalt (als sogen. Rhabditis) frei leben. Bei dieser Generation entwickeln sich im Innern der befruchteten Weibchen einige Embryonen, zehren das Muttertier auf und wandern gelegentlich in Askaridenform durch die Luftröhre wieder in die Lunge der Frösche etc. ein. Vgl. Leuckart, Die menschlichen Parasiten (Leipz. 1863-76).

Askenas, s. Aschkenas.

Askersund, Hafenstadt im schwed. Län Örebro, in schöner Gegend an der nördlichsten Bucht des Wettersees, mit (1881) 1638 Einw.

Askēse (griech. Askesis; Ascese), eigentlich Übung; insbesondere die enthaltsame, mäßige Lebensweise der griechischen Athleten zur Aneignung und Erhaltung der körperlichen Kraft und Gewandtheit während der Vorbereitung auf die Kampfspiele; auf das sittliche Gebiet übertragen, das zur Erlangung höherer Vollkommenheit auf Entsinnlichung gerichtete Handeln, sowohl die freiwillige Enthaltung von sinnlichen Genüssen als die Ertötung der sinnlichen Empfindungen und des Fleisches überhaupt; im weitern Sinn alles Handeln, welches die Erwerbung sittlicher Fertigkeit rein als solcher zum Zweck hat. Die Asketik bildet als Theorie der A. einen Teil der Ethik. Da das asketische Handeln seinem Begriff nach ein lediglich formales, inhaltloses ist, so ist für dasselbe bei wahrhafter und vollkommener Sittlichkeit kein Raum mehr, und es kann für den gereiften Christen nur noch insofern und insoweit Pflicht werden, als er sich noch unfrei und von der Sinnlichkeit gebunden fühlt. Bei fortschreitender Sittlichkeit wird statt einzelner asketischer Handlungsweisen (Tugendmittel) immer mehr nur eine asketische Tendenz die sittliche Pflichterfüllung begleiten. Als Tugendmittel, durch deren Gebrauch die A. die Erlangung der religiösen und sittlichen Vollkommenheit anstrebt, gelten, was die religiöse Seite betrifft: 1) die Andacht, welche die Meditation und die Kontemplation in sich schließt, und der sich als Hilfsmittel die asketische oder Erbauungslitteratur darbietet, wie auch die religiöse Kunst ihr dienen will; 2) die Bibelforschung; 3) das Gebet, teils als freies, teils als Formulargebet; 4) die gemeinschaftliche Gottesverehrung in den verschiedenen Arten des öffentlichen und des Hausgottesdienstes und der gottesdienstlichen Vereinigungen, Erbauungsstunden und Konventikel; 5) der Gebrauch der Sakramente. Auf der sittlichen Seite stehen: 1) die Selbstprüfung und Selbstbeurteilung, gefördert durch Einsamkeit; 2) der gesellige Umgang, der bei vorsichtigem Gebrauch ebenso die eignen Fehler erkennen und überwinden lehrt, als er uns das sittliche Vermögen andrer zur Nacheiferung reizend hinstellt. Herkömmlicherweise freilich sind es besonders drei Grundformen, in welchen sich die A. in den Dienst der sittlichen Arbeit zu stellen unternimmt: a) die formale Übung der Willenskraft zur Beherrschung unwillkürlicher Empfindungen, z. B. des Ekels oder des Abscheus; b) das Entsagen, dessen bekannteste und natürlichste Art das Fasten ist, ein längeres oder kürzeres Entbehren von Speise und Trank, oder ein freiwilliges Verzichten auf bestimmte Güter; dahin gehören die Ehelosigkeit (Cölibat), die freiwillige Armut und der Gehorsam, das Verzichten auf die eigne Willensbestimmung, in der katholischen Kirche als Consilia evangelica empfohlen; c) die eigentliche Selbstpeinigung. Das Mönchtum, in welchem die katholische Kirche eine höhere Stufe des sittlichen Lebens sieht, ist nichts andres als die durchgeführte entwickelte und organisierte A. in diesem engern Sinn, und das Wort A., asketisches Leben, gilt hier als gleichbedeutend mit Mönchs- und Klosterleben.

Die Rolle, welche die A. in der Geschichte der Religion spielt, entspricht genau der positiven oder negativen Wertung des Lebens, der optimistisch oder pessimistisch gerichteten Grundanschauung, von welcher die einzelnen Religionen beherrscht werden (s. Kasten). Wo das Irdische aufgefaßt wird als der reine, unvermittelte Gegensatz des Göttlichen und die Existenz selbst schon als eine Schranke erscheint (wie im Buddhismus und Brahmanismus), wird der Schmerz gesucht, um durch ihn dahin zu gelangen, an der Existenz wenigstens keinen Genuß mehr zu finden. Und nicht minder resultiert, wo der Gegensatz zwischen Gott und Natur dualistisch gespannt wird, so daß das Materielle das Böse, die Welt das Werk des bösen Geistes wird (wie im Manichäismus, Gnostizismus), A. als die unmittelbarste religiöse und sittliche Pflicht, als die Art und Weise nämlich, wie der Mensch sich seinerseits an dem Kampf gegen das Böse beteiligt und dessen Herrschaft vernichtet. Dagegen ist die Bedeutung der A. eine sehr beschränkte im Mosaismus, insofern sie hier nur formale, symbolische Bedeutung hat und dem Gedanken der levitischen Reinheit, der priesterlichen Aussonderung, der Scheidung des Eigentums Gottes von der Welt dient. Das Nasiräat insonderheit ist nur Steigerung und Verallgemeinerung der priesterlichen Reinheit. Überhaupt nicht religiöser Art endlich ist der Ursprung der asketischen Tendenz in manchen philosophischen Systemen, z. B. in dem der Cyniker, die aus der Verbildung die Rückkehr zu der Einfachheit der Natur suchen. Die Pythagoreische A. in der unmittelbar vorchristlichen Zeit war ohne Zweifel schon für das Judentum, wo ihr im Essäismus ein Seitengänger erstand, von Bedeutung. Unter religiösen Gesichtspunkt trat die philosophische A. des Altertums wieder im Christentum, so daß das kirchliche Leben selbst in der römisch-katholischen Kirche einen wesentlich asketischen Charakter angenommen hat. Insonderheit in der abendländischen Kirche hat sich die A. entwickelt teils im Zusammen-^[folgende Seite]