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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Astrachanisches Korn; Astragalus

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Astrachanisches Korn - Astragalus.

Die Küstenbevölkerung treibt Fischfang. Enorme Quantitäten von Fischen werden jährlich auf den Markt von Nishnij Nowgorod gebracht und von dort durch das ganze Reich versendet. Gegen 50 Mill. kg Fische für 8 Mill. Rubel sollen jährlich in den Handel gebracht werden. Die Salzausbeute (besonders aus den reichen Lagern bei Jenotajewsk und aus dem Eltonsee, s. d.) lieferte 1880: 2,6 Mill. metr. Ztr. im Wert von 6½ Mill. Rub. Die Industrie steht noch auf niedriger Stufe; die wichtigsten Fabriken arbeiten in Baumwolle, Leder und Seide. Im J. 1879 zählte man 171 Fabriken mit 881 Arbeitern und einem jährlichen Produktionswert von 3 Mill. Rub. Haupteinfuhrartikel sind Getreide und Bauholz. Beständige Bazare befinden sich auf der Moskauer Straße und an zwei andern Stellen im Kreis A.; außerdem werden mehrfach Jahrmärkte abgehalten. Eingeteilt ist das Gouvernement in fünf Kreise: A., Krasnijar, Jenotajewsk, Tschernijar, Zarew.

Die gleichnamige Hauptstadt des Gouvernements (im Mittelalter Dschitarchan und Ginterchan) liegt unter 41° 39' nördl. Br. und 42° 58' östl. L. v. Gr., zwischen den Mündungsarmen der Wolga, 66 km von deren Mündung, auf der hügeligen Wolgainsel Seitza, von Obst- und Weingärten umgeben, und ist eine der reichsten und größten Städte Rußlands. Sie besteht aus der Festung (Kreml), der Weißen Stadt (Beloigorod) und 16 Vorstädten (Sloboden); aber nur der Kreml und die Weiße Stadt haben Steinhäuser, die Sloboden, von denen die kasanische, sibirische und tatarische die größten sind, enthalten nur hölzerne Gebäude und unregelmäßige, kotige und ungepflasterte Straßen. Mittendurch zieht sich der Länge nach ein Kanal, welcher den Wolgaarm Kutum mit der Wolga verbindet. Die Stadt hat 37 griechische, 2 katholische, 1 protestantische und 4 armenische Kirchen, 15 Moscheen und eine lamaitische Pagode. Die schönste Kirche ist die auf dem höchsten Hügel im Kreml befindliche Kathedrale mit fünf Kuppeln, 1696 unter Peter d. Gr. erbaut. Wissenschaftliche Anstalten sind 1 Priesterseminar, 2 Kreisschulen, 1 Gymnasium, 1 armenische Schule und zahlreiche andre Unterrichtsanstalten, 1 botanischer Garten und 1 Gouvernementsbibliothek. Die Bevölkerung, welche 1879: 57,704 Einw. zählte, ist ein buntes Gemisch aus Russen, Armeniern, Tataren, Persern etc., deren Hauptbeschäftigung der Handel bildet. A. ist, obwohl nur, wenn südliche Winde das Wasser des Meers aufstauen, tief gehende Schiffe den Hafen erreichen können, der erste Seehafen des Kaspischen Meers, Kriegshafen der kaspischen Flotte und der Haupthandelsplatz zwischen dem innern Rußland und Persien nebst Turkistan. Es steht mit allen wichtigen Punkten des Kaspischen Meers durch Dampfschiffe in Verbindung, welche auch die Wolga aufwärts bis Rybinsk fahren. Große Messen versammeln viele Tausende von Menschen, und drei große Bazare oder Chane sind nach asiatischer Art für die vornehmsten Handelsgeschäfte bestimmt. Die Hauptartikel der Einfuhr sind Rohbaumwolle, Früchte und Fische, die der Ausfuhr Woll- und Baumwollwaren, unbearbeitete Metalle, Metallwaren und Thongeschirre. Der Wert der Einfuhr belief sich 1881 auf 3 Mill., der der Ausfuhr auf 2,6 Mill. Rub. Auch die Industrie ist beträchtlich; sie erstreckt sich auf Schiffbau, Färberei, Seidenmanufaktur, Chagrinbereitung (aus den harten Rückenstücken von Pferdehäuten), Talgschmelzerei, Thransiederei, Seifenfabrikation (sogen. tatarische Seife aus Seehundsthran) etc. Von außerordentlichem Belang ist der Fischfang. Die hiesigen Fischereien, nächst denen von Neufundland die größten der Welt, werden von der Krone verpachtet, beschäftigen viele Tausende von Menschen und liefern im Durchschnitt jährlich über 100,000 Hausen, 300,000 Störe (für Kaviarbereitung ist A. der wichtigste Ort Rußlands), 1½ Mill. Serugen und eine ungeheure Menge kleinerer Fische; auch der Robbenschlag ist sehr bedeutend. A. ist Sitz eines griechisch-katholischen und eines armenischen Erzbischofs und einer lamaitischen geistlichen Vorsteherschaft, ferner Sitz der Admiralität, welcher die Kaspiflotte, die Schiffswerfte und das kaiserliche Kontor der Fischerei unterstellt sind. In der Nähe der Stadt ziehen die Tataren viele und vorzügliche Küchengewächse und Obst, namentlich Weintrauben, Melonen und Arbusen; die Trauben von A. sind berühmt und werden durch ganz Rußland versandt.

A. wird von arabischen Schriftstellern unter dem Namen Torgichan schon frühzeitig erwähnt und war im 13. und 14. Jahrh. ein Sammelplatz indischer Waren. Der tatarische Eroberer Timur zerstörte die Stadt 1395; aber schon 1475 taucht sie wieder als ein auch von Russen stark besuchter wichtiger Handelsplatz auf, und 1485 wurde sie Sitz eines tatarischen Chans. Im J. 1554 eroberte der Zar Iwan Wasiljewitsch IV. A., es brach indessen gleich darauf ein Aufstand aus, und A. mußte 1557 zum zweitenmal endgültig erobert werden und bildete fortan die Hauptstadt des Zartums A., welches die jetzigen Gouvernements A., Samara, Orenburg, Saratow und Stawropol umfaßte. Im 17. Jahrh. war A. vielfach den Eroberungszügen mancher Rebellenscharen ausgesetzt. So zogen die aufrührerischen Kosaken 1670 unter Stenka (Stephan) Razin vor A.; mit 2600 Strelitzen und 50 Feldstücken zog ihnen der Gouverneur entgegen. Doch gingen die Strelitzen zu den Aufrührern über, und die Thore der Stadt wurden durch Verrat geöffnet. Bei seinem Einzug 25. Juni 1670 verfuhr Stenka grausam gegen die russischen Beamten, verließ aber die Stadt wieder und wurde bald darauf ergriffen und hingerichtet. Im J. 1693 ward die Stadt von einer Pest heimgesucht. Im J. 1705 hatte Peter d. Gr. hier einen Aufstand zu bekämpfen, welcher vornehmlich von den Sektierern (Raskolniken) ausging. Katharina II. gewährte jedem Fremden, der sich in A. selbst oder in dessen Gebiet niederlassen und Fabriken errichten würde, eine 30jährige Abgaben- und vollkommene Gewerbefreiheit, wodurch A. schnell wuchs.

Astrachanisches Korn, s. Weizen.

Astragalus (griech.), eigentlich ein Knöchel aus der Ferse von Tieren, dergleichen man sich im Altertum anstatt der Würfel zu Spielen bediente, wie aus vielen antiken Kunstwerken ("Knöchelspielerin") zu ersehen ist; daher auch Astragalomantie, Wahrsagung aus Würfeln. - In der Baukunst ist A. ein kleines, halbrund profiliertes, glattes (Fig. 1) oder als Perlschnur (Fig. 2) ausgebildetes Glied (auch Reif oder Ring genannt), das als Saum und Anhang größerer Glieder und als Abgrenzung einzelner horizontal übereinander liegender Bauglieder dient. Der A. tritt, als Perlenkette, namentlich an den Halsringen der ionischen Säule auf, wo er als Heftschnur des darüber befindlichen doppelten Blattkranzes (Echinus) erscheint;

^[Abb.: Fig. 1. Fig. 2. Astragalus.]