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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Astromantīe; Astrometeorologie; Astronomie

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Astromantie - Astronomie.

sein Schicksal vorhersagen will, so sucht er zuerst für die Zeit seiner Geburt nach dem Horoskop oder nach dem Punkte der Ekliptik, der im Augenblick der Geburt dieses Menschen eben aufging, die zwölf Häuser des Himmels auf (s. Figur). Diese werden nämlich durch die zwölf Positionskreise bestimmt, welche als die größten Kreise der Sphäre den Äquator in zwölf gleiche Teile teilen und durch den nördlichen und südlichen Durchschnitt des Horizonts mit dem Meridian gehen, während der Positionsbogen in der A. den zwischen dem Positionskreis und dem Meridian enthaltenen Teil des Äquators bildet. Jenes Horoskop fängt zugleich das erste Haus an, von welchem aus man nun die übrigen, gegen O. unter dem Horizont fortgehend, zählt. Die Häuser folgen der Reihe nach aufeinander als das Haus des Lebens, des Glücks oder Reichtums, der Brüder, der Verwandtschaft, der Kinder, der Diener (nach andern der Gesundheit), der Ehe, das mit dem untergehenden Punkte der Ekliptik aufhört, des Todes, der Religion, der Würden, welches mit dem zur Zeit der Geburt eines Menschen kulminierenden Punkte der Ekliptik anfängt, der Freundschaft und der Feindschaft. Das erste Haus ist direkt oder genau östlich gestellt, u. die übrigen folgen in fortschreitender Ordnung nach S., W., N. bis wieder zum O., gleich der Bewegung der Planeten. Sind die zwölf Häuser für die Zeit der Geburt des fraglichen Menschen gefunden, so sucht der Astrolog dann den Ort der Planeten in jedem Haus u. bemerkt die gegenseitige Lage oder die Aspekten, aus welchen er dann seine Vorhersagung zieht. Die aus der Blütezeit der A. herrührenden, noch jetzt in den Kalendern vorkommenden Regenten des Jahrs findet man durch die mit 7 dividierte Jahreszahl, wo dann der Rest der Division 1, 2, 3, 4, 5, 6 oder 0 in gleicher Ordnung anzeigt, daß Sonne, Venus, Merkur, Mond, Saturn, Jupiter oder Mars das Regiment des Jahrs führe. Außerdem sind der Kopf und der Schwanz des Drachen oder die Knoten, in welchen die Ekliptik durch die Planetenkreise geschnitten wird, und die Region des Glücks (der Fortuna) oder die Entfernung der Ebene des Mondes von der Sonne noch zwei für die A. wichtige Himmelsräume, welche, wenn sie innerhalb der einem Menschen gehörigen Konstellation liegen, den Grad seiner Macht etc. erhöhen. Das übrige der Kunst besteht hauptsächlich in einer genauen Ausfüllung des obigen Schemas durch Beobachtung und Berechnung, um dann daraus eine weissagende Antwort zu bilden. Vgl. Maury, La magie et l'astrologie dans l'antiquité et au moyen-âge (4. Aufl., Par. 1877); Mensinger, Über ältere und neuere A. (Berl. 1872); Häbler, A. im Altertum (Zwick. 1879, Programm); Hankel in "Westermanns Monatsheften", Bd. 25.

^[Abb.: Horoskop (Himmelsfigur).]

Astromantīe (griech.), Sterndeuterei.

Astrometeorologie, die vermeintliche Kunst, aus der Stellung der Sterne die Witterung vorherzusagen.

Astronomie (griech., "Sternkunde"), die Lehre von der Stellung der Gestirne am Himmel, den Gesetzen ihrer Bewegung und ihren physischen Eigentümlichkeiten. Der Begriff der A., anfangs fast nur die Ergebnisse der kunstlosen Beobachtung des Himmels und der Veränderungen an ihm umfassend, hat sich von Jahrhundert zu Jahrhundert erweitert. Ihr großes Gebiet läßt sich nach verschiedenen Gesichtspunkten einteilen. Am nächsten liegt die Trennung in praktische und theoretische A., von denen die erstere alles umfaßt, was sich auf die unmittelbare Beobachtung, sowohl mit bewaffnetem als mit unbewaffnetem Auge, bezieht, während die theoretische A., fußend auf dem von der Beobachtung dargebotenen Material, auf mathematischem Weg die Gesetze aufzufinden strebt, welche den Erscheinungen zu Grunde liegen. Sie findet in vielen Fällen, daß die praktische A. nur den Schein der Dinge erfaßt hat, und lehrt dann die wahre Sachlage kennen, wie sie z. B. die scheinbaren Bewegungen der Gestirne auf die wahren zurückführt. Sie ist im stande, mittels der ihr bekannten allgemeinen Gesetze den Ort der Gestirne für einen beliebigen zukünftigen Zeitpunkt zu bestimmen, z. B. Sonnen- und Mondfinsternisse, Oppositionen und Konjunktionen, Bedeckungen und Vorübergänge auf das genaueste vorherzubestimmen etc., und zeigt so auch wiederum der praktischen A. Ort und Zeit an, wo sie ihre Beobachtung anzustellen hat. Vielfach teilt man die gesamte theoretische A. in drei Teile: sphärische, theorische (bisweilen auch theoretische genannt) und physische A. Die sphärische A. betrachtet die Erscheinungen, wie sie sich unmittelbar am Himmel darstellen. Der Name rührt daher, daß die Gestirne dem unbefangenen Beobachter auf der Innenseite einer Kugel (sphaera) erscheinen, in deren Mittelpunkt sich das Auge scheinbar befindet. Unter theorischer A. (von Theorie, d. h. spekulierendes Nachdenken) versteht man den rein berechnenden, auf Raum- und Zeitbestimmungen beruhenden Teil der A.; sie geht von den scheinbaren auf die wahren Bewegungen zurück. Die physische A. dagegen wird alsdann bestimmt als die Lehre von den Ursachen der wahren Bewegungen, von den Kräften, durch welche die Himmelskörper aufeinander wirken, wohin z. B. die Gesetze der Gravitation, der Zentripetal- und Zentrifugalkraft gehören; zu ihr rechnet man daher auch die Theorie von den Gesetzen der elliptischen Bewegung der Himmelskörper, von den gegenseitigen Störungen der elliptischen Bewegung, von der durch die Rotation bewirkten Abplattung der Erde etc. Häufig versteht man aber unter physischer A. auch die Lehre von der physischen Beschaffenheit der Himmelskörper. Gegenwärtig wird indessen dieser Zweig der A., der in neuerer Zeit, besonders infolge der Anwendung der Photographie und Spektralanalyse auf die Beobachtung der Himmelskörper, einen glänzenden Aufschwung genommen hat, gewöhnlich mit dem Namen Astrophysik bezeichnet. Geht die nähere Betrachtung der Himmelskörper über das, was die Beobachtungen mit Sicherheit zu folgern gestatten, hinaus, und untersucht sie z. B. nach Wahrscheinlichkeitsgründen den Zweck der Weltkörper, die Natur ihrer Bewohner etc., so wird sie zur Konjekturalastronomie, die sehr leicht sich des Namens einer Wissenschaft ebenso unwürdig macht wie die Astrologie.

Hilfswissenschaften der A. sind: reine Ma-^[folgende Seite]