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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Astronomie

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Astronomie (Litteratur).

bildet. Man kann dann jede Zahl bis zu 40,000 durch ein Wort darstellen, indem die Seitenzahl die drei ersten Ziffern, die Ordnungszahl des Worts auf der Seite aber die beiden letzten gibt. Auf diese Art reichen sechs Wörter aus, um die Elemente einer Kometenbahn und auch eine die Richtigkeit kontrollierende Zahl zu telegraphieren. In ähnlicher Weise lassen sich auch andre Mitteilungen nach diesem immer noch in der Entwickelung begriffenen System telegraphieren, dessen Vorzug nicht allein in der Kürze, sondern auch in der größern Sicherheit besteht, weil ein fehlerhaftes Zahlzeichen die ganze Mitteilung unbrauchbar macht, ein Wort aber trotz eines falschen Buchstaben immer noch zu entziffern ist.

In ihrem gegenwärtigen Entwickelungsstadium und bei dem dermaligen Zustand der Naturwissenschaften tritt die A. täglich mehr und mehr in Berührung mit gewissen kosmogonischen Fragen nach der Art und Weise der Entstehung und des Untergangs des Planetensystems, ja ganzer Fixsternsysteme. Das meiste ist hier zur Zeit noch dunkel, aber die ersten Schritte sind bereits geschehen, und es ist in der von Wright und Kant (1750 und 1755) und ein Menschenalter später von Laplace (1796) entwickelten Theorie der Weltenbildung ein fester Grund gelegt worden, auf dem die Zukunft fortbauen wird. Wie der mathematische Teil der A. sich als eine "Mechanik des Himmels" zusammenfassen läßt, so gestaltet sich die gesamte A. mehr und mehr als eine "allgemeine Physik des Himmels", von der die Mechanik einen wichtigen Teil bildet. Das oberste Prinzip dieser Physik des Himmels ist das Gesetz von der Erhaltung und Umwandlung der Kraft, die fruchtbarste Entdeckung aller Zeiten.

Entsprechend den Fortschritten, welche die astronomische Beobachtungskunst sowie der Instrumentenbau gemacht haben, hat auch die Anzahl von glänzend ausgerüsteten Sternwarten ebenfalls in neuester Zeit beträchtlich zugenommen, und besonders haben auch Privatleute sich durch Ausstattung von solchen ausschließlich der Himmelsforschung gewidmeten Anstalten große Verdienste erworben; es seien in dieser Hinsicht bloß genannt v. Sina, v. Senftenberg, v. Bülow, v. Konkoly, Bischoffsheim in Europa, Lick in Amerika. In der Neuzeit hat man auch mehrfach Sternwarten an hoch gelegenen Punkten errichtet, wo die Reinheit und Durchsichtigkeit der Luft Beobachtungen gestattet, die anderwärts nicht möglich sind. Das großartigste Beispiel bildet die von Lick gestiftete Sternwarte auf dem Mount Hamilton (über 1200 m ü. M.) in Kalifornien. Unter den Astronomen und astronomischen Physikern des gegenwärtigen Jahrhunderts glänzen Deutsche in erster Reihe, dann Engländer, Franzosen und Amerikaner sowie Italiener. Wir nennen hier von den Deutschen: Argelander, d'Arrest, Bessel, Bruhns, Clausen, Encke, Förster, Gauß, Klinkerfues, Joseph und Karl v. Littrow, Mädler, Olbers, Peters, Rümker, Schmidt, Schönfeld, Schumacher, Fr. W. und O. Struve, Vogel, Weiß, Winnecke, Zach, Zech, Zöllner; den Schweden Gyldén; von den Engländern und Amerikanern: Bond, Burnham, Carrington, Gould, William und John Herschel, Hind, Holden, Huggins, Langley, Lassell, Newcomb, Rosse, South, Watson; die Franzosen Arago, Delaunay, Foucault, Lamont, Leverrier, Trouvelot; die Italiener Secchi, Schiaparelli, Tacchini, de Vico. - Über Astronomische Instrumente s. den besondern Artikel.

[Litteratur.] Von ältern klassischen Werken über A. nennen wir: "Ptolemaei Almagestum", deutsch von Bode (Berl. 1795); Kopernikus, De revolutionibus orbium coelestium libri VI (Nürnb. 1543; neueste Ausg., Berl. 1873); Galilei, Systema cosmicum (Bolog. 1656); Tycho Brahe, Astronomiae instauratae mechanica (Nürnb. 1601); Derselbe, Astronomiae instauratae progymnasmata (Uranienb. 1602, 2 Bde.; Frankf. 1616); Kepler, Astronomia nova (Heidelb. 1609); Newton, Philosophiae naturalis principia mathematica (Lond. 1687; deutsch von Wolfers, Berl. 1872).

Wissenschaftliche neuere Darstellungen: Lalande, Traité d'astronomie (3. Aufl., Par. 1792, 3 Bde.), Auszug daraus: "Abrégé d'astronomie" (deutsch nach der 2. Ausg. als Handbuch, Leipz. 1775); Gauß, Theoria motus corporum coelestium (Hamb. 1809); Laplace, Mécanique céleste (Par. 1799-1825, 5 Bde.; neue Ausg., das. 1878-82); Derselbe, Exposition du système du monde (das. 1796; neue Ausg., das. 1883), allgemeine Darstellung der in der "Mécanique céleste" auf analytischem Wege gefundenen Resultate; Delambre, Astronomie théorique et pratique (Par. 1814, 3 Bde.); J. J. ^[Josef Johann] v. Littrow, Theoretische und praktische A. (Wien 1821-26, 3 Bde.); Brünnow, Lehrbuch der sphärischen A. (4. Aufl., Berl. 1881); Humboldts "Kosmos", Bd. 3; Klein, Handbuch der allgemeinen Himmelsbeschreibung (Braunschw. 1871, 2 Bde.). Auch Friedrich Theodor v. Schubert, Biot, Bohnenberger, Piazzi, Santini schrieben geschätzte Lehrbücher.

Populäre Darstellungen: J. ^[John] Herschel, Outlines of astronomy (11. Aufl., Lond. 1871); Airy, Tracts on physical astronomy (4. Aufl., das. 1858; deutsch von K. L. v. Littrow, Stuttg. 1839); Bode, Anleitung zur Kenntnis des gestirnten Himmels (1806; 11. Ausg. von Bremiker, Berl. 1858); J. J. ^[Josef Johann] v. Littrow, Die Wunder des Himmels (7. Aufl., das. 1884); Mädler, Der Wunderbau des Weltalls (8. Aufl., Straßb. 1884); Valentiner, Astronomische Bilder (Leipz. 1881); Gyldén, Grundlehren der A. (das. 1877); Newcomb, Populäre A. (deutsch von Engelmann, das. 1881); v. Konkoly, Praktische Anleitung zur Anstellung astronomischer Beobachtungen (Braunschw. 1883). - Astronomische Wörterbücher: Klein, Populäre astronomische Encyklopädie (Berl. 1871); Drechsler, Illustriertes Lexikon der A. (Leipz. 1881), und Gretschel, Lexikon der A. (in "Meyers Fachlexika", das. 1881). - Die wichtigsten astronomischen Zeitschriften sind die von Schumacher gegründeten, von Peters und Krüger fortgesetzten "Astronomischen Nachrichten" (Kiel) und die "Vierteljahrsschrift der Deutschen Astronomischen Gesellschaft" (Leipzig).

Über die Geschichte der A. vgl. außer den ältern Werken von Weidler (Wittenb. 1741), Bailly (1771 bis 1782): Delambre, Histoire de l'astronomie ancienne, celle du moyen-âge et moderne (Par. 1817 s., 5 Bde.); Derselbe, Histoire de l'astronomie du XVIII. siècle (hrsg. von Mathieu, das. 1827); Fr. Schubert, Geschichte der A. (Petersb. 1804); Schaubach, Geschichte der griechischen A. bis auf Eratosthenes (Götting. 1802); Ideler, Untersuchungen über den Ursprung und die Bedeutung der Sternnamen (Berl. 1809); W. Whewell, Geschichte der induktiven Wissenschaften (aus dem Englischen mit Anmerkungen von J. J. ^[Josef Johann] v. Littrow, Stuttg. 1840); Grant; History of physical astronomy (Lond. 1852); Höfer, Histoire de l'astronomie (Par. 1873); Mädler, Geschichte der Himmelskunde (Braunschw. 1872, 2 Bde.); Wolf, Geschichte der A. (Münch. 1877). Vgl. auch