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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Ästuation; Ästung; Astur; Astura; Asturien; Astutiös; Astwucherung; Astyages

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Ästuation - Astyages.

artigsten aber sind die 20 Meilen breiten Mündungen des Amazonenstroms (s. Kärtchen), vor denen zwar die Insel Marajo und viele kleinere Inseln liegen, die aber nicht aus Alluvionen des Stroms gebildet, sondern durch Einbrüche des Meers vom Land getrennt sind. Es liegt nahe, die Bildung der Ä. mit der Ebbe und Flut in Verbindung zu bringen, und in der That zeigen alle Flüsse, welche sich ins Mittelmeer ergießen, wo die Flutbewegung eine nur geringe ist, sehr ausgedehnte Deltabildungen. Am Amazonenstrom anderseits ist die Flutbewegung eine so starke, daß sie noch über 500 engl. Meilen von der Mündung entfernt in Seitenströmen wahrgenommen werden kann. An der Nordsee dagegen, wo keine starke Flutbewegung herrscht, mündet der Rhein mit großartigen Deltabildungen, die Elbe und die Themse aber mit Ä. Es ist mithin nicht einfach die An- oder Abwesenheit von Ebbe und Flut, welche über die Natur der Mündung entscheidet, sondern es kommen dabei in Betracht die Menge und die Art des Erosionsmaterials, welches die Ströme mitbringen, das Verhältnis der Stromkraft des Stroms zu der Flutbewegung des Meers, die An- oder Abwesenheit von Küstenströmungen in der Gegend der Mündung, die herrschenden Windrichtungen, säkulare Hebungen und Senkungen etc. Vgl. Delta.

Ästuation (lat.), Wallung (des Wassers, Bluts etc.); ästuieren, wallen, brausen, leidenschaftlich erregt sein; Ästus, das Wallen, die Hitze; Ebbe und Flut.

Ästung, waldbauliche Maßregeln der Bestandspflege (s. d.), bestehend in der Wegnahme von Ästen am Schaft von Holzstämmen. Je nachdem sich die Ä. auf grüne oder trockne Äste erstreckt, unterscheidet man Grünästung und Trockenästung. Die Grünästung dient hauptsächlich zur Werterhaltung und Vermehrung der zu ästenden Stämme (Vermehrung der Astreinheit und dadurch der Tauglichkeit zu Brettwaren, Vermehrung der Vollholzigkeit, d. h. des Durchmessers am obern Schaftende). Die Äste müssen glatt am Stamm abgenommen (Glattästung) und bei Laubhölzern mit Steinkohlenteer bestrichen werden. Regel ist ferner Ä. während der Winterruhe, am besten kurz vor Beginn des Frühjahrs. Sodann dient die Grünästung zur Wuchsförderung unterständigen Holzes durch Vermehrung des Lichteinfalls (Lichtästung). Zwecke der Trockenästung sind Gesunderhaltung des Schaftholzes durch Abnahme faulender Äste und Wertvermehrung durch Astreinheit. Durch übertriebene Ä., namentlich durch Wegnahme starker Äste an wertvollen Eichen, ist viel Schade angerichtet worden, indem sich an den Ästungsstellen Fäulnis eingestellt und das Schaftholz ergriffen hat. Vgl. Alers, Über das Aufästen der Waldbäume (2. Aufl., Frankf. 1874); Tramnitz, Schneideln und Aufasten (Bresl. 1872).

Astur, Habicht.

Astura, Flüßchen in Mittelitalien, kommt vom Albanergebirge und mündet südöstlich von Rom ins Tyrrhenische Meer; 37 km lang. An seiner Mündung lag die alte Stadt A., von der jetzt nur noch Substruktionen übrig sind, die einen alten achteckigen Wachtturm (Torre d'A.) in romantischer Waldwildnis tragen. - A. ist in der Geschichte als eine Unglücksstätte für menschliche Größe bekannt. Hier schiffte sich Cicero 43 v. Chr. auf seiner Flucht ein, Tiberius erkrankte hier zum Tod, und Konradin von Schwaben, nach der Schlacht bei Tagliacozzo (1268) nach A. geflüchtet, fiel durch Verrat Frangipanis, des Herrn der Stadt, in Feindeshand. A. wurde bald darauf (1286) von den Sizilianern erstürmt und niedergebrannt.

Asturien, früher span. Provinz, jetzt offiziell Oviedo (s. d.) genannt. Die Asturier sind ein starker Menschenschlag, rauh, aber mutig, tapfer, rechtlich, arbeitsam und von unerschütterlicher Gemütsruhe. Sie leiten ihren Ursprung von den Goten ab, und in der That sind sie aus einer Vermengung dieser mit den Ureinwohnern (s. unten) hervorgegangen. Sie nennen sich, wie die Leonesen, Basken etc., "alte Christen" (christianos viejos) und sprechen einen von aller arabischen Beimengung freien Dialekt (lenguaje bable genannt), den man als die Mutter des jetzigen Kastilischen betrachtet. Da sie sich übrigens nicht alle in ihren Gebirgen zu ernähren vermögen, so suchen viele ihr Brot im Ausland als Kutscher und Bediente, als welche sie für sehr zuverlässig gelten. Die Bevölkerung Asturiens lebt zum größten Teil in zerstreuten Gehöften, Häusergruppen und Weilern. A. führte diesen Namen schon zur Römerzeit und gehörte zu Hispania Tarraconensis, umfaßte aber nicht bloß das heutige A., sondern auch Leon und Valladolid bis an den Duero. Berühmt waren die Goldbergwerke und edlen Pferde des Landes. Die Bewohner, Astures oder Astyres, galten für wild und roh und zerfielen in Transmontani (Bergbewohner im eigentlichen A.), mit der Stadt Ovetum (Oviedo), und in Augustani (Bewohner der südlichen Ebenen), mit der Hauptstadt Asturica Augusta (Astorga). Die Asturier widerstanden lange mit dem Mut und der Kraft eines freiheitliebenden Bergvolks den Unterjochungsversuchen der Römer; erst um 22 v. Chr. unterlagen sie der Übermacht des Augustus. Später ward A. das Asyl der Goten, welche sich, selbst nachdem die Araber (seit 711) fast ganz Spanien überschwemmt hatten, hier behaupteten und sich mit den Asturiern vermischten. Der gotische Fürst Pelayo nahm mit 1000 Kriegern eine sichere Stellung in der Höhle von Covadonga im Asturischen Gebirge, schlug von hier aus alle Angriffe der Mauren zurück, eroberte Leon wieder und gründete ein eignes Königreich, das anfangs nach der Hauptstadt Oviedo, später Leon hieß, als der König Fruela 924 dahin seine Residenz verlegt hatte. Nach dem Erlöschen des Mannsstammes der alten Könige (1037) fiel A. an Kastilien. Seit 1230 für immer mit diesem Reich vereint, bildete A. fortan unter dem Titel eines Fürstentums eine Provinz der kastilischen, dann der spanischen Monarchie, und der jedesmalige Kronprinz von Spanien führte (seit 1388) den Titel "Prinz von A." A. genoß früher viele Freiheiten vor den kastilischen Provinzen, die selbst die strengsten Könige Spaniens nicht anzutasten wagten (auch die Inquisition fand bei ihnen keinen Eingang); erst die Revolution von 1820 hob dieselben auf, doch wurden bereits 1823 viele derselben wiederhergestellt.

Astutiös (lat.), listig, arglistig.

Astwucherung (lat. Polycladia), ein durch wiederholte Verwundungen oder durch Pilze verursachter Verzweigungsfehler der Pflanzen, bei welchem eine krankhafte Vervielfältigung blättertragender Zweige, die alle von einem Punkt entspringen, stattfindet. Sie kommt vorzugsweise an Bäumen vor und bringt hier die Hexenbesen (s. d.) hervor.

Astyages, Sohn des Kyaxares I., med. König 593-559 v. Chr. Nach Herodot vermählte A. seine Tochter Mandane dem Perser Kambyses und befahl, durch einen Traum erschreckt, den Sohn derselben, Kyros, umzubringen. Sein Diener Harpagos übergab aber das Kind einem Hirten zur Erziehung. Nach Wiederauffindung desselben ließ A. den Sohn des Harpagos töten und dem Vater als Speise vorsetzen.