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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Ätherische Wässer - Äthiopische Rasse.

grünbraun. Diese und ähnliche Reaktionen benutzt man zur Prüfung der ätherischen Öle auf Verfälschungen, doch bleibt für feinere Unterscheidungen vielfach die Nase das beste Reagens. Die meisten, vielleicht alle ätherischen Öle wirken auf die Haut, wenn auch in sehr verschiedenem Grad, reizend. Im Mund bewirken sie in kleiner Dosis Absonderung von Speichel, im Magen und Darm vermehrte peristaltische Bewegung, vielleicht auch Vermehrung der Sekretion; größere Dosen rufen Entzündungen hervor, zugleich wirken sie auf das Nervensystem, besonders das Gehirn, auf die Zirkulation und die Nierenthätigkeit. Sie dienen als Arzneimittel (häufig in der Form von Ölzucker), zu Likören, Konditorwaren und Parfümen, die billigern als Lösungsmittel für Harze, zur Denaturierung des Spiritus, in der Porzellanmalerei, einige, welche reduzierend wirken, zur Darstellung von Silberspiegeln. Vgl. Husemann, Die Pflanzenstoffe (2. Aufl., Berl. 1884); Maier, Die ätherischen Öle (Stuttg. 1867); Mierzinski, Fabrikation der ätherischen Öle (Berl. 1871).

Ätherische Wässer (abgezogene oder aromatische Wässer), destillierte, mit ätherischem Öl geschwängerte Wässer, werden bei der Darstellung der ätherischen Öle (durch Destillation von Vegetabilien mit Wasser) als Nebenprodukt gewonnen. Zuweilen bereitet man sie aber auch als Hauptprodukt, indem man von derselben Quantität Pflanzenstoffe mehr Destillat abzieht. Sind die Pflanzenstoffe arm an ätherischem Öl, so muß man das einmal destillierte Wasser wiederholt über mehrere Portionen derselben abziehen und unterscheidet dann im Handel z. B. Aqua naphae simplex, duplex und triplex. Je reicher solche Wässer an ätherischem Öl sind, um so besser halten sie sich, und man bereitet z. B. aus Himbeerpreßlingen vorteilhaft ein Destillat, welches 16mal so stark ist als das für die Benutzung bestimmte. Häufig werden die ätherischen Wässer auch unter Zusatz von Spiritus hergestellt und sind dann nicht nur haltbarer, sondern auch im stande, mehr ätherisches Öl aufzunehmen. Man muß die ätherischen Wässer in gut verschlossenen Gefäßen an einem sehr kühlen Ort aufbewahren. Sie finden in der Medizin, Parfümerie und Likörfabrikation ausgedehnte Anwendung. Die Darstellung von Orangeblüten-, Rosen-, Bittermandel- und Kirschlorbeerwasser bildet im südlichen Frankreich wie auch in einem Teil Sardiniens einen wichtigen Industriezweig. Von den offizinellen ätherischen Wässern sind am wichtigsten: Bittermandelwasser (Aqua amygdalarum amararum), weingeistiges Zimtwasser (A. cinnamomi), Orangeblütenwasser (A. florum aurantii), Fenchelwasser (A. foeniculi), Kirschlorbeerwasser (A. laurocerasi), Krauseminzwasser (A. menthae crispae), Pfefferminzwasser (A. menthae piperitae), Rosenwasser (A. rosae), Himbeerwasser (A. rubi idaei).

Ätherisieren, Äther als anästhetisches Mittel anwenden.

Atherman (griech.), für Wärmestrahlen nicht durchlässig, s. Wärmestrahlung.

Atheroma, s. Grützbeutel.

Atheromatöser Prozeß, s. Arterienentzündung.

Ätherschwefelsäure, s. v. w. Äthylschwefelsäure.

Atherton, Fabrikstadt in Lancashire (England), 7 km südwestlich von Bolton, mit (1881) 12,602 Einw.

Ätherweingeist, Mischung von Äther mit Alkohol, s. Äthyläther.

Athesmie (griech.), Gesetzlosigkeit, Zügellosigkeit.

Athetese (griech.), Abschlagung, Nichtigkeitserklärung.

Athetose (griech.), ein von Hammond zuerst beobachteter Symptomenkomplex, bei welchem die Kranken Finger und Zehen unaufhörlich bewegen, selbst im Schlaf keine Ruhe dieser Glieder einkehrt und die Arm- und Wadenmuskeln schmerzhaft zusammengezogen sind. Der A. liegt eine Gehirnkrankheit zu Grunde, Epilepsie, Säuferkrankheit etc.

Äthil (Äthin), s. v. w. Acetylen.

Äthiopien (hebr. Kusch), alter geograph. Name, im weitern Sinn s. v. w. Südland, wohin man die Äthiopier (d. h. die von der Sonne schwarz gebrannten Völker) versetzte; im engern das südlich von Ägypten am Nil aufwärts gelegene Land zwischen Libyen und dem Arabischen Meerbusen, also das heutige Nubien und Abessinien. Bei Homer erscheinen die Äthiopier als "die fernsten der Männer, geteilt wohnend, die einen gegen Untergang, die andern gegen Aufgang der Sonne". Auch Herodot teilt sie in östliche, schlichthaarige (die braunen Völker am mittlern Nil mit einem der weißen Rasse zunächst stehenden körperlichen und sprachlichen Typus) und westliche, wollhaarige (Neger). Während die letztern die tiefste Stufe menschlicher Kultur einnehmen, gelten ihm die von den östlichen Äthiopiern bewohnten Länder am obern Nil als Sitze uralter Zivilisation. Als zu den östlichen Äthiopiern gehörige Völkerschaften nennt er die Makrobier (Langlebenden), die Ichthyophagen (Fischesser) und die Troglodyten (Höhlenbewohner) und als Hauptstadt Äthiopiens Meroë (Schendy). Genauere Nachrichten geben spätere Schriftsteller, namentlich Ptolemäos, welcher zuerst den Nigerfluß und eine große Anzahl sonst unbekannter äthiopischer Völker anführt, aber als Hauptstadt Auxumis (Axum) bezeichnet. Nach Plinius bildete der Nil die Grenze zwischen dem östlichen und westlichen Ä. Jenes, welches vorzugsweise Ä. hieß, begriff namentlich den alten Kulturstaat Meroë, dessen Mittelpunkt im heutigen Nubien zu suchen ist. Von daher stammte die 25. Dynastie des altägyptischen Reichs, welche von dem von S. her einbrechenden Eroberer Sabakon gegründet und deshalb die äthiopische genannt wurde. Späterhin übertrug man den Namen Ä. auf die christlichen Reiche in Abessinien; daher versteht man unter den äthiopischen Christen die heutigen christlichen Abessinier, deren alte (semitische) Schriftsprache, das Geez, man die äthiopische zu nennen pflegt, während der Name Ä. als geographische Bezeichnung jetzt kaum mehr im Gebrauch ist (vgl. Abessinien). Die vorhandenen äthiopischen Altertümer am mittlern Nil geben Zeugnis von der hohen Kultur jener Völker. Auf dem rechten Ufer des Stromes, oberhalb der Einmündung des Atbara, liegen die Trümmer von Meroë (s. d.), darunter über 80 teilweise eingestürzte Pyramiden in drei Gruppen. Einen entschieden priesterlichen Charakter tragen die Ruinen von Dschebel Barkal, die 4 km vom Flecken Merawah auf einer inselartigen Erhebung in weiter Landschaft liegen. Zwei Gruppen von Pyramiden umgeben im Halbkreis die Trümmer von acht Tempeln. Einfachheit charakterisiert diese Gebäude; Lotosblumen und der Kopf der Isis bilden den einzigen Schmuck der Säulen. In einer Grabkammer sieht man ein Opfer des äthiopischen Königs Tirhaka in Stein abgebildet. Der Stil dieser Skulpturen gleicht sehr dem ägyptischen. Entfernt von den übrigen steht ein sehr großer Tempel von fast 160 m Länge, den zahllose Säulen sowie Skulpturen und Bilder zieren.

Äthiopische Kirche, s. v. w. abessinische Kirche (s. Abessinien).

Äthiopische Rasse, s. Menschenrassen.